International

Weltwirtschaftsforum: Wie Kanadas Premier Donald Trump die Stirn bietet

21. January 2026 13:25:19
Mit Spannung wird die Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet. Bereits am Dienstag rief dort Kanadas Premier Mark Carney zu mehr Selbstbewusstsein gegenüber den USA auf – und machte anderen Staaten ein Angebot.
Kanadas Regierungschef Mark Carney vor einem blauen Hintergrund mit der Aufschrift "World Economic Forum"

Kanadas Regierungschef Mark Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Wer nicht mit am Tisch sitzt, landet auf der Speisekarte.

Wenn die Technik streikt, ist selbst der mächtigste Mann der Welt machtlos. Wegen eines Defekts an der „Air Force One“, dem Flugzeug des US-Präsidenten, wird Donald Trump am Mittwoch erst mit mehreren Stunden Verspätung in Davos eintreffen. Nach seinen Drohungen gegenüber Grönland wird mit Spannung erwartet, was Trump beim Weltwirtschaftsforum sagen wird.

Widerstand gegen Trumps Griff nach Kanada

Für Mark Carney spielen die Worte des US-Präsidenten in Davos dagegen keine entscheidende Rolle. „Hören wir auf, von einer ‚regelbasierten internationalen Ordnung‘ zu sprechen, als ob sie noch wie versprochen funktionieren würde“, forderte Kanadas Premierminister die Teilnehmer*innen des Weltwirtschaftsforums bereits am Dienstag auf. Statt dieser Ordnung gebe es mittlerweile „ein System zunehmender Großmachtrivalität, in dem die Mächtigsten ihre Interessen verfolgen und wirtschaftliche Integration als Zwangsmitteln einsetzen“. Ohne Trump oder die USA zu nennen, war klar, gegen wen sich Carneys Kritik richtete.

Schon vor Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar vergangenen Jahres hatte Trump immer wieder gefordert, Kanada müsse „51. Bundesstaat der USA“ werden. Beobachter*innen gehen davon aus, dass Carneys deutlicher Widerspruch dafür sorgte, dass seine liberale Partei im vergangenen April die Parlamentswahl gewann. „Präsident Trump will uns brechen, damit die USA uns besitzen können. Das wird nie und nimmer passieren“, versicherte Carney schon damals. Am Dienstag hatte Donald Trump seine Ambitionen auf Kanada mit einem KI-generierten Bild unterstrichen. Dieses zeigt eine Landkarte Kanadas unterlegt mit der Fahne der USA.

Den Einfluss der USA verringern

„Wir erkennen, was geschieht, und sind entschlossen, entsprechend zu handeln“, betonte Mark Carney am Dienstag in Davos. Andere „Mittelmächte“ rief Kanadas Premierminister zum ebenfalls zu entschlossenem Handeln auf. „Anstatt darauf zu warten, dass die alte Ordnung wiederhergestellt wird“, müsse es jetzt darum gehen, „den Einfluss zu verringern, der Zwang ermöglicht“. Damit spielte Carney auf die Handelspolitik Donald Trumps an, der zuletzt Zölle gegen einzelne Staaten angekündigt hatte, sollte Grönland nicht, wie von ihm gefordert, Teil der USA werden. „Der Aufbau einer starken Binnenwirtschaft sollte für jede Regierung oberste Priorität haben“, forderte Carney deshalb in Davos.

Einen eindringlichen Appell richtete Kanadas Regierungschef an die Länder, die zwischen Großmächten wie den USA und Schwellenländern stehen, also auch Deutschland. „Die Mittelmächte müssen zusammenarbeiten, denn wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte“, sagte Mark Carney, und: „In einer Welt der Großmachtrivalität stehen die dazwischenliegenden Länder vor der Wahl: Entweder sie konkurrieren miteinander um die Gunst oder sie schließen sich zusammen, um einen dritten, wirkungsvollen Weg zu beschreiten.“

Carneys Angebot an die anderen Staaten

Seine Analyse verband Carney in Davos mit einem Angebot. „Die Mächtigen haben ihre Macht. Aber wir haben auch etwas – die Fähigkeit, mit der Heuchelei aufzuhören, die Realität beim Namen zu nennen, unsere Stärke im eigenen Zuhause aufzubauen und gemeinsam zu handeln.“ Genau das sei Kanadas Weg unter ihm als Ministerpräsident. „Und dieser Weg steht jedem Land offen, das ihn mit uns beschreiten will.“

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Er betreut den Bereich Parteileben und twittert unter @kai_doering.

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