Sara Dahme: Die Frau mit Pferd will für die SPD in den Landtag
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Sie setzt aufs richtige Pferd: SPD-Kandidatin Sara Dahme posiert – dank KI – mit dem Ross „Tinseltastic“ vor dem Landtag in Stuttgart, in den sie am 8. März einziehen will.
Wahlkämpfe in der SPD sind häufig von einem gewissen Nostalgie-Gefühl geprägt. Das liegt am Altersschnitt der Partei und den in vielen Fällen rückläufigen Wahlergebnissen. Bei Sara Dahme ist das anders. Die 42-Jährige will für die SPD in den baden-württembergischen Landtag. Angesichts von Listenplatz 54 und der Konkurrenz von Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und CDU-Bewerber Klaus Nopper, Bruder des Oberbürgermeisters, in ihrem Stuttgarter Wahlkreis erscheint dieses Unterfangen recht aussichtslos.
„Die Leute wissen nicht, wie geil die SPD ist“
Trotzdem scheint Dahme nur so vor guter Laune, Motivation und kreativen Ideen zu strotzen. Im Interview mit dem „vorwärts“ sagt sie Sätze wie: „Die Leute wissen einfach nicht, wie geil die SPD ist. Das müssen wir denen wieder zeigen.“ Für dieses Unterfangen kann die Stuttgarterin auf prominente Unterstützung bauen: SPD-Größen wie Rosa Luxemburg, Helmut Schmidt und Elisabeth Selbert tauchen mit ihr in Videos auf Instagram auf. Künstliche Intelligenz macht es möglich. „Ich fand es reizvoll, mit diesem Möglichkeitsraum zu spielen“, erzählt sie.
Die Reaktionen darauf fielen sehr positiv aus. Ein weiteres Video mit Kurt Schumacher und Friedrich Ebert ist bereits in Planung. Wichtig für Dahme ist dabei, die KI so zielgenau einzusetzen, dass sie mit den früheren SPD-Politikern nicht irgendwo auftaucht, sondern an den für die jeweiligen Personen maßgeblichen historischen Orten. So zum Beispiel im Video mit Helmut Schmidt 1975 beim ersten Weltwirtschaftsgipfel auf Schloss Rambouillet 50 Kilometer südwestlich von Paris oder mit Clara Zetkin vor Beginn der ersten Frauenkonferenz 1907 in Stuttgart. Dort wurde frauenpolitisch Geschichte geschrieben, indem erstmals die Forderung nach einem allgemeinen Wahlrecht für Frauen erhoben wurde, das elf Jahre später schließlich realisiert wurde.
Mit Pferd vor dem Landtag
Dahme möchte ihre eigene politische Geschichte im Landtag fortschreiben. Direkt davor posiert sie schon einmal mit „Tinseltastic“ für einen Neujahrsgruß zum Jahr des Pferds. Der braune Vierhufer mit blonder Mähne steht nicht wirklich mitten in der Stuttgarter Innenstadt. Auch dieses Bild hat Dahme mit KI erzeugt, knüpft damit an ihren erfolgreichen Gemeinderatswahlkampf im Juni 2024 an, als sie – gerade frisch in der Partei – direkt ins Kommunalparlament der baden-württembergischen Landeshauptstadt einzog. Damals posierte sie mit dem Schimmel „Rainman“ auf Plakaten, versehen mit dem Slogan „Aufs richtige Pferd setzen“.
Das sorgte für viel Aufmerksamkeit und passte perfekt zu ihrer Heimatstadt, dessen Wappen ein Pferd ziert und dessen Name eigentlich „Stutengarten“ bedeutet. Die Lehrerin, die Kunsterziehung, Intermediales Gestalten und Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste und der Uni Stuttgart studiert hat, setzt im Wahlkampf noch auf weitere kreative Ideen. Zum Beispiel bietet sie regelmäßig politische Kunstspaziergänge an, von deren Erfolg sie mitten im Winter auch erst mal ihre eigenen Genoss*innen überzeugen musste. Im Vorfeld eines Termins hieß es beispielsweise: „Am Sonntag soll es minus drei Grad geben. Ich glaube nicht, dass da jemand kommt. Kriegst du das auch alleine hin?“, berichtet Dahme.
Wahlkampf: Fast 60 Teilnehmer*innen bei Minusgraden
Das bekam sie. Doch die Kandidatin war nicht alleine. 56 Menschen kamen. Es gab Punsch und Lebkuchen aus ihrem Bollerwagen. Die jüngsten Teilnehmerinnen waren zwei 16-jährige Mädels, die Dahmes Plakat cool fanden. „Das ist so irre und bekräftigt mich sehr, weiterzumachen.“ Nebenbei erklärte sie auch noch das neue Wahlsystem. Denn ab sofort gibt es in Baden-Württemberg wie bei der Bundestagswahl zwei Stimmen, eine für die Person im Wahlkreis, die andere für die Partei. Das führt bei der SPD in jedem Fall zu einem höheren Frauenanteil in der Landtagsfraktion. Bislang sind es dort 14 Männer und nur vier Frauen. Die im Reißverschlussverfahren besetzte Landesliste wird nun für Parität in der Fraktion sorgen.
Das freut Sara Dahme. Und sie hat weitere Ideen - so will sie demnächst Postkarten im Stil einer Karteikarte verteilen, auf denen sie auflistet, was die SPD für die Gleichstellung in Deutschland und Baden-Württemberg getan hat. Ihre Botschaft: „Wenn ihr was ändern wollt, müsst ihr Frauen in Parlamente wählen.“ Das versucht sie als einzige weibliche Direktkandidatin auch den Menschen in ihrem Wahlkreis bewusst zu machen. Weil die Landtagswahl am 8. März, dem Weltfrauentag, stattfindet, wirbt sie mit dem Slogan „Dahme-Wahl“.
Gelingt ein Wunder gegen Özdemir?
Vielleicht gelingt ihr so das Wunder, den favorisierten Cem Özdemir in ihrem Wahlkreis zu schlagen. Und wenn nicht? Dann will sie trotzdem mit den Kunstspaziergängen weitermachen und vor allem mit ihrer politischen Arbeit im Stuttgarter Gemeinderat. Denn dass sie sich dort keinen vom Pferd erzählen lässt, hat die 42-Jährige in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits bewiesen.
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo