Baden-Württemberg: SPD nun „einzige demokratische Opposition“ im Landtag
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Die SPD trat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit einem klaren Themenfokus und Andreas Stoch als Spitzenkandidat an - kam jedoch lediglich auf 5,5 Prozent.
Mit viel Motivation waren die Sozialdemokrat*innen in Baden-Württemberg angetreten – am Ende lief es bei der diesjährigen Landtagswahl im Südwesten jedoch auf ein schwarz-grünes Kopf-an-Kopf-Rennen hinaus. Laut dem vorläufigen Wahlergebnis liegt die SPD mit 5,5 Prozent auf dem vierten Platz – hinter den Grünen (30,2 Prozent), der CDU (29,7 Prozent) und der AfD (18,8 Prozent).
SPD-Generalsekretär spricht von „bitterem Wahlergebnis“
„Das ist ein sehr bitteres Wahlergebnis für uns“, räumte Generalsekretär Tim Klüssendorf im Interview mit der ARD ein. Im Zweikampf zwischen den Grünen und der CDU um das Ministerpräsidentenamt sei die SPD „unter die Räder gekommen“, erklärte er. Die Ergebnisse wolle sich die Bundes-SPD nun dennoch „ganz in Ruhe anschauen“ und im Detail analysieren. Zuversichtlich äußerte sich Klüssendorf mit Blick auf die Umfragen aus Rheinland-Pfalz. Hier hatte die SPD mit Spitzenkandidat Alexander Schweitzer zuletzt deutlich an Zustimmung gewinnen können.
Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch zeigte sich im Interview mit der ARD enttäuscht. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich in einem Fernsehstudio mal über eine einstellige Zahl für die SPD reden muss“, sagte er. Für ihn und die SPD Baden-Württemberg sei der heutige Wahltag ein „schwerer Tag“.
Spitzenkandidat Andreas Stoch kritisiert Polarisierung im Wahlkampf
Im Wahlkampf sei er immer wieder mit der Zuspitzung zwischen Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel konfrontiert gewesen. „Das war etwas, das uns Stimmen gekostet hat“, so Stoch. Mit den tatsächlichen Themen, für die SPD vor allem Bildungspolitik und die Sicherung von Arbeitsplätzen, habe man kaum durchdringen können. „Es blieb bei der Frage nach der Person“, sagte er. Dennoch wolle er aus dem historisch schlechten Wahlergebnis „persönliche Konsequenzen ziehen“ und anregen, dass eine neue Landes-Spitze gewählt werde, so Stoch.
Laut den aktuellen Hochrechnungen könnte die FDP (4,4 Prozent) den Einzug in den Landtag knapp verpassen, so auch die Linke (4,4 Prozent). Das mache die SPD voraussichtlich „zur einzigen demokratischen Opposition im Landtag“, erklärte Andreas Stoch. „Das macht die Perspektive für Baden-Württemberg deutlich schwieriger“, so der Sozialdemokrat. Gleichzeitig ist für ihn klar: „Die SPD wird in diesem Land gebraucht.“
Klingbeil: In Rheinland-Pfalz „werden die Menschen anders antworten“
Parteivorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas betonte im Interview mit der ARD, auf Bundesebene sei das Baden-Württemberger Ergebnis ein klares Zeichen, „dass wir die Arbeitsmarktpolitik verstärken müssen“. Das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze war im Landtagswahlkampf viel diskutiert worden, in Umfragen schrieben Wähler*innen der SPD in diesem Bereich aber nur geringe Kompetenzen zu. Laut Bärbel Bas müsse man sich nun aber auch darüber Gedanken machen, warum man mit den eigenen Themen im Wahlkampf nicht durchgedrungen sei.
Der Parteivorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil betonte, die SPD habe „für ein anderes Ergebnis gekämpft“. Er beklagte, dass der Fokus auf die Frage, wer Ministerpräsident werden könnte, die Sozialdemokraten einiges an Stimmen gekostet habe, da die Themen dadurch in den Hintergrund gerückt seien. Für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März erwarte er ein ähnliches Kopf-an-Kopf-Rennen – diesmal allerdings zwischen der CDU und der SPD. Für Klingbeil ist klar: Im Gegensatz zu Baden-Württemberg „werden die Menschen da anders antworten“ – nämlich mit einem klaren Votum für den amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer.
Ich habe selten so gelacht, als ich diesen sog. Kommentar lesen durfte.
Wer noch nicht einmal erkennen will, in welch prekärer Lage sich die Partei befindet, der sollte lieber schweigen.
Alles hat einmal ein Ende. Als ehemaliges Parteimitglied, der diese Partei mehr als 40 Jahren gewählt hat,
wünsche ich mir nur noch, dass diese Partei sich in Würde aus der Politik zurück zieht, da sie ihre Wähler nicht mehr erreicht. Dieses Siechtum, dass jetzt beginnt, ist absolut Würde los und auch eine Schmähung vieler verdienter Genossen wie den Kanzlern Brandt, Schmidt und auch Schröder, die dieses Land mit Erfolg regiert haben.
Raine rJähnke
Rainer Jähnke
Rainer Jähnke
Dass die SPD so schlecht abgeschnitten hat, hat natürlich mehrere Gründe:
1.) war der Wahlkampf sehr zahm, nicht so aggressiv wie bei den anderen Parteien,
2.) stehen die Medien eindeutig auf der anderen Seite, indem z.B. die AfD total aufgewertet wurde. Ich habe mich mehrmals beim SWR beschwert, aber nur dumme Antworten erhalten. So erinnere ich an die Trielle, bei der außer Grünen und "CD"U nur die AfD eingeladen waren, wobei ich der FDP (in diesem Fall) einen Erfolg beim VGH gewünscht hätte,
3.) war die Unterstützung von der Bundesebene m. E. sehr mager. Insbesondere aber vermissen die Wähler eine Politik der sozialen Gerechtigkeit, bei der z.B. eine überfällige gerechte Steuerpolitik dringend notwendig wäre. In der Ampelregierung hat die FDP alles blockiert, während in der jetzigen Regierung von Blackrock-Merz, Reiche, die für die Leute ihres Namens eintritt, sowie andere (Abschiebeminister Mautbrindt, Spahn u.a.) natürlich kein Entgegenkommen zu erwarten ist.
Die werden lieber ihre "Brandmauer" abreißen als der SPD entgegenkommen. Zwar wurde endlich ein Tariftreugesetz verabschiedet, das aber leider in der Öffentlichkeit zu spät und zu wenig (s.o. unter 2.) ankam, zudem auch von der Union massiv abgeschwächt wurde.
4.) Dass die AfD leider immer noch so gut abschneidet, liegt m. E. vielfach nur an der Unzufriedenheit der Leute, die aber deren Wahlprogramm (Steuernachlässe für d. Reichen etc.) ebenso nicht lesen wie das der anderen Parteien, weil diese Wahlprogramme meistens auch nicht umgesetzt werden. Deshalb wäre es dringend notwendig, wenn die SPD auf Bundesbene endlich mehr soziale Gerechtigkeit durchsetzen könnte, aber bei Koalitionen mit der Union immer in anschließenden Wahlen das Nachsehen hatte.
5.) Viele SPD'ler haben Grün gewählt, um Hagel zu vermeiden.
Andreas Stoch hatte sich wirklich ehrlich ins Zeug gelegt und - im Gegensatz zu Hagel - in der TV-Runde präzise Antworten gegeben. Aber er wurde von den Medien klein gehalten.
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die ja das zentrale Wahlkampfmotto für RP ist, wie in einem anderen Artikel zu lesen. Die AfD wird auch in BW unter den Bann der anderen Parteien stehen, und damit quasi im Parlament und außerhalb kaum stattfinden. Wozu sollte sie dies auch, ist sie doch mit ihren gerade einmal 19 % weit abgeschlagen und zurück hinter den Erwartungen geblieben. Ein echtes Debakel, für die AfD- da können wir alle froh und zuversichtlich sein. Unsere Basis steht, und fast 6 % ist ja nun auch nicht so dramatisch, wie dies anderenorts dargestellt wird. Darauf können wir aufbauen