Rente als „Basisabsicherung“? So reagiert die SPD auf die Merz-Äußerung
IMAGO/Sven Simon
Ist die gesetzliche Rente künftig nur noch eine "Basisabsicherung"? Die Äußerungen von Friedrich Merz rufen scharfe Kritik aus der SPD hervor.
Im Sommer will die Rentenkommission der Bundesregierung ihre Vorschläge für die Zukunft der Alterssicherung vorlegen. Danach wird die Koalition entscheiden, welche Reformen sie auf den Weg bringt. So ist es zwischen CDU/CSU und SPD verabredet. Doch nun ist Bundeskanzler Friedrich Merz vorgeprescht.
Merz: gesetzliche Rente nur noch Basisabsicherung
„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte er am Montag beim Empfang anlässlich des 75. Jubiläums des deutschen Bankenverbands. Nötig seien daher „kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung“, so Merz. „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“
Aus der SPD erntete er damit am Dienstag deutlichen Widerstand. „Wenn der Bundeskanzler die gesetzliche Rente auf eine ‚Basisrente‘ herunter rasieren will, wird er auf den erbitterten Widerstand der Sozialdemokratie treffen“, kündigte Generalsekretär Tim Klüssendorf im „Spiegel“ an. Für über die Hälfte der Menschen in Deutschland sei die gesetzliche Rente die einzige Alterssicherung, in Ostdeutschland sogar für Dreiviertel aller Menschen. Klüssendorf warf Merz vor, mit seinen Äußerungen „aus parteipolitischem Kalkül“ zu spalten.
SPD-Fraktionsvize: Merz handelt verantwortungslos
Ähnlich argumentierte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Schmidt. „Wer jetzt Verunsicherung und Ängste schürt, handelt verantwortungslos“, erklärte sie am Dienstag und forderte: „Stattdessen sollte der Kanzler die Arbeit der Rentenkommission abwarten und deren Vorschläge anschließend mit uns sachlich beraten.“ Es sei „eine Frage der Gerechtigkeit, dass, wer jahrelang einzahlt, sich auch auf eine stabile Rente im Alter verlassen können muss“, so Schmidt.
Deutliche Worte fand auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Es muss Schluss damit sein, dass der Kanzler und seine Regierung den Menschen erzählen, dass sie zu wenig arbeiten oder dass sie stärker belastet werden müssen“, forderte sie auf ihrer Facebook-Seite. Äußerungen wie die von Merz „machen den Menschen Angst“. Der Kanzler forderte Schwesig auf, er solle „ein Gesamtkonzept für die Sozialstaatsreform vorlegen, das sozial ausgewogen und vernünftig ist und insbesondere auch Menschen mit Vermögen und sehr hohen Einkommen stärker heranzieht“.
Dirk Bleicker | vorwärts
ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.
Die Formulierung von Merz zu bekämpfen, während man selbst aktiv dazu beiträgt, die Sozialversicherungen zu plündern, wird der SPD weitere Prozente kosten. Weil Klingbeil Haushaltsdisziplin und Aufrüstung höher bewertet als die soziale Gerechtigkeit bei der Finanzierung der Krankenversorgung von Bürgergeldempfängern hat er jetzt der CDU/CSU das Feld überlassen, diese Frage aufs Trapez zu bringen. So etwas nennt man ein epochales Eigentor, das man auch nicht mit rhetorischen Offensiven gegen die Wortwahl des Kanzlers wettmachen kann.
Bin gespannt, was die Regierung und ihre Ministerin Parteivorsitzende für die Rentenreform vorschlagen. Dass eine Kommission eingesetzt wurde spricht schon mal stark gegen mutige sozialdemokratische Positionen.
Ist es den Parteioberen schon aufgefallen, dass wir näher an der 10 % Marke sind als am letzten katastrophalen Bundestagswahlergebnis? Und dass man daran mit der Prämisse Rüstung vor Sozialstaat nichts ändern wird?
Das zu sagen wäre die Aufgabe des SPD-Vorsitzenden (und Finanzministers) und der SPD-Vorsitzenden (und Ministerin für Arbeit und Soziales).
Aber auch das würde nicht reichen. Es gibt zig schwerwiegende Konfliktpunkte zwischen einer
seriösen Sozialdemokratie, die diesen Namen verdient, und einer BlackRock-Merz-CDU.
Theodor Wiesengrund Adorno hat weiter recht:
Es gibt nicht Richtiges im Falschen!
Man kann mit einer CDU (z.B. einer Norbert-Blüm-oder Rita-Süßmuth-CDU) eine Vernunftkoalition - vielleicht sogar eine Zuneigungskoalition eingehen; aber nicht mit einer Friedrich-Merz-Black-Rock-CDU! Das Credo von Friedrich Merz lautet: "Mehr Kapitalismus wagen" (2008). Das war so. Das ist so. Und das bleibt so!
Die SPD muss soziale und ökologische Farbe bekennen und durchsetzen. Schafft sie das nicht, geht sie unter!