SPD-Kandidat Emile Yadjo-Scheuerer: Humorvoll, heimatverbunden, Vereinsmeier
Geo Reffert
„Ich bin ein richtiger Vereinsmeier“, sagt SPD-Landtagskandidat Emile Yadjo-Scheuerer.
„Ich hab‘ nix gegen Schwaben. Zumindest nix, was hilft“, sagt Emile Yadjo-Scheuerer in einem auf Instagram veröffentlichten Video. So wirklich ernst gemeint ist der Schwabenhass aber nicht. Eher eine Hassliebe, wie der Sozialdemokrat im Gespräch mit dem „vorwärts“ sagt. Wobei ihm der Begriff fast schon zu negativ ist. „Eigentlich lieben wir uns. Wir haben nur nicht die Größe, das zuzugeben“, sagt er und lacht.
Erst badisch, dann deutsch gelernt
Die Rivalität zwischen Schwaben und Badenern war eine der Eigenheiten Baden-Württembergs, die der heute 37-Jährige kennenlernte, als er im Altern von zehn Jahren aus Kamerun ins „Ländle“ kam. Genauer gesagt nach Ottersweier, einer 6.350 Einwohner*innen zählenden Gemeinde nahe der französischen Grenze. Hier lernte Yadjo-Scheuerer erst badisch, dann hochdeutsch. Er wurde Klassen- und Schulsprecher. Heute ist er einer von zwei SPD-Gemeinderatsmitgliedern und kandidiert zum zweiten Mal für den baden-württembergischen Landtag.
„Für mich ist Baden Heimat“, sagt er. In Ottersweier kennen sie ihren „Emmil“, badisch ausgesprochen, nicht französisch. Hier spielte er als Linksaußen beim FV Ottersweier Fußball, bis seine Achillessehne riss. Heute ist er Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, außerdem im Vorstand des Roten Kreuzes und Gründungsmitglied des Fördervereins des Schwarzwaldbads Bühl.
„Ich bin ein richtiger Vereinsmeier“
„Ich bin ein richtiger Vereinsmeier“, sagt er und führt zur Begründung an: „Ich versuche dort mitanzupacken, wo es geht. Nicht weil ich ganz viel Langeweile habe, sondern weil ich eine unglaublich große Fresse habe, aber auch sehr viel Kraft und Lust, den Status quo zu erhalten und die Zukunft mitzugestalten.“
In diesem Sinne mache er auch Politik, was die Menschen in seiner Heimatgemeinde offensichtlich honorieren. Bei der vergangenen Gemeinderatswahl erhielt er nach dem Bürgermeister und dessen Stellvertreter die drittmeisten Stimmen. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren gelang es ihm, das SPD-Ergebnis im tiefschwarzen Ottersweier um 14,5 Prozentpunkte zu steigern. Das sorgte für die landesweit größten Zugewinnen eines SPD-Kandidaten.
Optimistisch trotz schwieriger Umfragewerte
Und das, obwohl der Wahlkampf aus seiner Sicht nicht optimal gelaufen sei. Persönlicher Kontakt mit den Wähler*innen war aufgrund der Corona-Pandemie kaum möglich. Auch diesmal ist die Ausgangslage nicht einfach. Die SPD liegt in landesweiten Umfragen teilweise nur bei sieben Prozent. Auch Yadjo-Scheuerer liegt auf der Landesliste seiner Partei nur auf Platz 39. Damit erscheint ein Einzug in den Landtag geradezu utopisch. „Doch ihm macht das nichts aus: Ich bin von zu Hause aus mit einer unfassbaren Resilienz ausgestattet. An dieser Stelle: Danke, Mama!“
Mit Humor und Selbstironie präsentiert er sich in den Sozialen Medien. In einem Video erklärt er, wenn es mit dem Landtag nicht klappe, wolle er einfach Musik machen und spielt bewusst schief Klarinette. In einem anderen reagiert er mit ausschweifenden Hüftbewegungen auf die Kritik, er könne nicht tanzen. Und in einem Video gibt Yadjo-Scheuerer sogar Dating-Tipps. Durchaus ernst ist aber ein anderes Thema, das der Sozialdemokrat ebenfalls aufgreift: der Umgang mit Rassismus.
„Mir steht nicht auf der Stirn geschrieben, dass ich der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins bin.“
Denn auch im wohlhabenden Baden-Württemberg droht die rechtsextreme AfD sich Umfragen zufolge mehr als zu verdoppeln und mit 20 Prozent als drittstärkste Kraft in den Landtag einzuziehen. Doch nicht nur die AfD mache Rassismus salonfähig. Auch über die Aussage von Friedrich Merz, der Migration mit Problemen im Stadtbild inhaltlich verknüpfte, habe er sich sehr geärgert, sagt Yadjo-Scheuerer. Auch störe er sich daran, wenn Menschen ihm sagten, er sei nicht gemeint: „Wenn ich eine Dreiviertelstunde nach Karlsruhe fahre und dort durch die Stadt laufe, kennt mich kein Mensch. Mir steht nicht auf der Stirn geschrieben, dass ich der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Ottersweier bin.“
Davon unterkriegen lässt sich Yadjo-Scheuerer nicht. Und unabhängig vom SPD-Ergebnis steht für ihn auch jetzt schon fest: „Wir werden auf jeden Fall feiern. Jetzt schon weiß ich, dass wir einen unfassbar guten Wahlkampf gemacht haben.“
Currywurst am Wahlsonntag
Ab 17 Uhr hat er daher am Wahlsonntag seine Genoss*innen und Mitstreiter*innen zum Currywurstessen eingeladen. Und in Anlehnung an den früheren Bundeskanzler Olaf Scholz fügt er hinzu: „Bestimmt werden wir auch das eine oder andere Kaltgetränk zu uns nehmen, das nicht ohne Alkohol sein wird.“
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo