Geschichte

Feiertag im Januar: Woran die USA am Martin-Luther-King-Day erinnern

19. January 2026 08:00:00
Mit dem Martin-Luther-King-Day wird in den USA an jedem dritten Montag im Januar an den 1968 ermordeten Bürgerrechtler erinnert. Von echter Gleichberechtigung sind Schwarze Amerikaner*innen immer noch weit entfernt. Unter Donald Trump verschärft sich ihre Situation sogar.
I have a dream: Am 28. August 1963 hielt Martin Luther King in Washington seine berühmt gewordene Rede. Von der Erfüllung des Traums sind die USA jedoch noch weit entfernt.
I have a dream: Am 28. August 1963 hielt Martin Luther King in Washington seine berühmt gewordene Rede. Von der Erfüllung des Traums sind die USA jedoch noch weit entfernt.

Als sich rund eine Viertelmillionen Menschen am 28. August 1963 zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ zusammenschlossen, war dies der Höhepunkt der Amerikanischen Bürgerbewegung. Ein breites Bündnis aus verschiedenen Bürgerrechtsorganisationen, Studentenvereinigungen und Gewerkschaften hatte den Marsch organisiert.

Zuvor verbreiteten viele Medien die Angst, dass dieser in Gewalt enden könnte; bei Demonstrationen im selben Jahr hatten sich einige Teilnehmer dem Aufruf zur Gewaltfreiheit widersetzt. In den Washingtoner Gefängnissen war sogar Platz geschaffen worden um für mögliche Massenverhaftungen vorbereitet zu sein. Doch die Teilnehmer*innen blieben friedlich.

Martin Luther King und seine „I have a dream“-Rede

Zu ihren Forderungen gehörten das Verbot von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, die sofortige Aufhebung der Rassentrennung an Schulen, sowie Programme gegen Arbeitslosigkeit. Am Ende des Marsches bewegte Martin Luther King Jr. mit seiner berühmten „I have a dream“-Rede die Massen weit über Washington hinaus.

In den auf den Marsch folgenden Monaten und Jahren wurden die wichtigsten amerikanischen Bürgerrechtsgesetze verabschiedet, die zumindest legal die Rassentrennung und andere Formen der Diskriminierung beendeten. Noch heute begründen viele Bürgerrechtler*innen die Motivation und den Mut für ihr Engagement mit diesem Erfolg.

Die Ursprünge der Bürgerrechtsbewegung

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung wurde als Reaktion auf die ab Ende des 19. Jahrhundert erlassenen „Jim Crow Laws“ geboren. Diese Gesetze schrieben eine strickte Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen Bürger*innen auf fast allen Gebieten vor. Auch wenn die Trennung offiziell als „seperate but equal“ (getrennt aber gleich) bezeichnet wurde, waren Schulen, öffentliche Verkehrsmittel, Wasserspender oder Toiletten für Schwarze fast durchgängig schlechter als die für Weiße. Zusätzlich schlossen die Gesetze die meisten Schwarzen vom Wahlrecht aus und ermöglichten offene Diskriminierung durch Arbeitgeber*innen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die Bürgerrechtsbewegung, wegen geringer Beteiligung – selbst von Schwarzen – nur schleppend Fortschritte erzielen. Schrittweise wurden zwar in vielen Staaten mehr Schwarze zur Wahl zugelassen und 1954 die Rassentrennung in Schulen für verfassungswidrig erklärt, doch die Diskriminierung ging weiter. Bis zu dieser Zeit hatte die Bewegung an Mitstreitern gewonnen.

Rosa Parks inspiriert viele zum Protest

Als die Schwarze US-Bürgerin Rosa Parks 1955 in Montgomery festgenommen wurde, weil sie sich geweigert hatte, einem Weißen ihren Sitzlatz im Bus zu überlassen, begannen zehntausende Schwarze in der Stadt die Busse zu boykottieren. Sie setzten damit ein Zeichen für zivilen Ungehorsam und sorgten für eine Aufbruchsstimmung innerhalb der Bürgerbewegung.

Die Forderungen nach Gleichbehandlung wurden besonders an Orten, an denen die Diskriminierung am stärksten auftrat mit gewaltlosem Widerstand in Form von Sitzblockaden und Protestmärschen begleitet. Die Polizei reagierte darauf nicht selten mit Gewalt und Verhaftungen waren an der Tagesordnung. Der Baptistenpastor Martin Luther King Jr., der sich als Anführer der Bürgerbewegung etabliert hatte, ermahnte die Beteiligten immer wieder den Provokationen zu widerstehen und auf Gewalt zu verzichten.

Unter Trump geraten Schwarze zunehmen unter Druck

Gut 60 Jahre nach dem „Marsch auf Washington“ 1963 hat sich in Sachen Gleichberechtigung in den USA einiges getan – nicht zuletzt durch den ersten Schwarzen Präsidenten Barack Obama. Trotzdem werden Amerikaner*innen mit afrikanischen Wurzeln im Alltag immer wieder diskriminiert und von der Polizei allein aufgrund ihrer Hauptfarbe unter Generalverdacht gestellt.

Die „Washington Post“ hat ermittelt, dass Schwarze Amerikaner*innen deutlich häufiger von der Polizei erschossen werden als Weiße: Obwohl sie nur 13 Prozent der US-Bevölkerung stellen, hat jedes vierte Opfer eine schwarze Hautfarbe. Die Tötung von George Floyd durch den weißen Polizisten Derek Chauvin im Mai 2020 markierte einen traurigen Höhepunkt und sorgte für weltweite Anteilnahme und Proteste.

In der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hat sich die Situation für Schwarze weiter verschlechtert. So berichtete die „New York Times“ im Sommer vergangenen Jahres, dass wegen Trumps radikalem Kürzungskurs bei den Bundesbehörden überproportional viele schwarze Beschäftigte ihre Arbeit verloren hätten. In Schulen und Bibliotheken sollen im ersten Jahr unter Trump knapp 600 Bücher Schwarzer Autor*innen verboten worden sein.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Er betreut den Bereich Parteileben und twittert unter @kai_doering.

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