Trump greift nach Grönland: Wer Angst hat, hat schon verloren
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Greift er wirklich nach Grönland? US-Präsident Donald Trump bleibt beim Thema hartnäckig. (Fotomontage)
Es ist die typische Taktik Donald Trumps: Maximalen Druck gegenüber dem Verhandlungspartner aufbauen, ihn verunsichern, einschüchtern, um ihn dann in die Ecke zu drücken. So erreicht der US-Präsident das für ihn beste Ergebnis. Oft hatte er mit dieser Strategie Erfolg, als Geschäftsmann wie als Politiker. „The Art of the deal“ nennt er das selbst in seinem gleichnamigen Buch.
„Mafia-Art“ nennt es der Politikwissenschaftler und Amerikanist Bernd Greiner in der „Süddeutschen Zeitung“. „Und genauso betreibt Trump seine Politik. Die Unberechenbarkeit ist seine Hauptwährung, mit Erpressung, Einschüchterung, wie bei Mafiabanden, die sich im Krieg um das Terrain in seiner Stadt befinden.“
Sorgen vor US-Lösung „auf die harte Art“
Und genau so geht Trump auch in der Grönland-Frage vor. Ausdrücklich schließt er einen Militäreinsatz gegen die Insel nicht aus. Um dann fortzufahren: „Ich würde gerne eine Einigung erzielen, auf die einfache Art. Aber wenn wir es nicht auf die einfache Art machen können, werden wir es auf die harte Art machen.“
„Auf die harte Art“? In Europa schrillen alle Alarmglocken. Viele europäische Außen- und Verteidigungspolitiker sind zutiefst irritiert, aber vor allem eines: äußerst besorgt. Man könnte auch sagen: verängstigt. Und genau damit hat Trump sie da, wo er sie haben will.
Trump verachtet die Schwäche der Europäer
Wer sich gegenüber Trump behaupten möchte, darf aber keine Angst zeigen. Sonst hat er schon verloren. Trump verachtet Schwäche. Und wie in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie nachzulesen ist, besonders die der Europäer. Deshalb droht er auch nicht der Atommacht Russland mit Waffengewalt, um den brutalen Angriffskrieg Moskaus in der Ukraine zu stoppen, sondern der eigenen demokratischen Opposition und den Verbündeten, wie dem kleinen Dänemark. Die Nationalgarde hat er bereits im Landesinneren eingesetzt. Wird nach dem Angriff auf Venezuela Grönland das nächste Ziel? Das fürchten die Europäer.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius rät zu Gelassenheit. Er betrachte den Streit um Grönland „ein Stück weit entspannt, weil ich nicht glaube, dass es hier zum Äußersten kommt“, also zu einer Militärintervention der USA. Das betonte Pistorius am Donnerstagabend in den ARD-Tagesthemen. Die USA bestünden nicht nur aus der Trump-Administration, sondern auch aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat.
Zudem gebe es in der Öffentlichkeit wenig Sympathien für Trumps Idee, Grönland zu annektieren. Das ist wichtig, denn im November sind die Zwischenwahlen in den USA. Die Demokraten wollen die Kontrolle über wenn möglich beide Kammern des Kongresses zurückgewinnen. Es macht für Pistorius, wenig Sinn, zu „fabulieren, was wäre, wenn Trump dieses oder jenes täte“.
Boris
Pistorius
Ich glaube, uns tut Gelassenheit und Souveränität an der Stelle gut.
Pistorius glaubt nicht an Militäraktion der USA
Und weil ihm diese Botschaft so wichtig war, sendete er sie auch noch einmal im ZDF-heute-journal am selben Abend, ein sehr ungewöhnlicher Schritt. „Ich glaube wir wären gut beraten, nicht über jedes Stöckchen zu springen“, sagte er hier mit Blick auf die Drohungen Trumps. Diese seien „Teil seiner Mentalität“. Sorge vor einer tatsächlichen militärischen Intervention der USA in Grönland habe er nicht, betonte er auch im ZDF: „Ich sehe nicht, dass es zu einer solchen Aktion kommt.“ Es sei nicht sein Geschäft, die Botschaften anderer – gemeint sind die Drohungen Trumps – zu multiplizieren: „Ich glaube, uns tut Gelassenheit und Souveränität an der Stelle gut.“
Damit hat Boris Pistorius vollkommen recht: Wer über die Stöckchen springt, die Trump einem hinhält, wer sich von ihm einschüchtern und vorführen lässt, hat keine Chance, sich zu behaupten. Die Europäer sollten sich der eigenen Stärken bewusst sein, wirtschaftlich aber auch militärisch, und sie in die Waagschale werfen. Geschlossen und entschlossen.
Europäer werden auf Grönland aktiv
Deshalb ist es richtig, dass die Europäer die sicherheitspolitischen Defizite auf Grönland anerkannt haben und entschlossen sind, sie zu beseitigen, etwa durch ein verstärktes Engagement. „Dabei geht es – Donald Trump hin oder her – vor allem um die Frage: Wie sichern wir die Arktis vor dem zunehmenden Hegemonialstreben Russlands und auch Chinas?“, so Boris Pistorius. Zurecht, denn die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer U-Boote in der Region ist ohne Frage ein Sicherheitsproblem. „Grönland muss gesichert werden vor dem Zugriff anderer und vor dem Einfluss anderer“, stellte der Verteidigungsminister deshalb klar.
Mit dem Engagement der Europäer*innen will Pistorius Trump sein Hauptargument nehmen, die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit: „Indem wir sagen, wir sichern dieses Territorium – deine Sicherheitsbedenken, die teilen wir nicht nur, sondern wir setzen uns dafür ein, ihnen gemeinsam zu begegnen.“ Selbstbewusst und proaktiv können die Europäer*innen so zeigen, dass sie ein Gewinn sind für die gemeinsame Sicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks. Da ist es gut, dass die Bundeswehr nicht abseits steht und mit einem ersten Erkundungsteam nach Grönland reist.
Am Ende doch eine Win-Win-Situation?
Gelingt das Vorhaben Europas, könnten am Ende alle gewonnen haben: die Sicherheitsinteressen aller NATO-Staaten, auch die der USA, die Europäer*innen, die mehr Verantwortung übernehmen und die Grönländer*innen, die auch weiter frei über ihre Zukunft selbst bestimmen können. Ob es so kommt, hat Europa ein Stück weit selbst in der Hand. Also: Cool bleiben!
Vergißt man, daß wir im Streit der Ideologieen leben? Wer der Sache auf den Grund denkt und sich erinnert, weiß doch, daß das alles nicht geschehen könnte, wäre die Welt sich einig über eine Welt der Gerechtigkeit. Dahin muß auch ein Weg führen. Unsere Politiker haben alle weder die Geduld noch das Wissen, diesen Weg gemeinsam zu finden. Die Menschen schon!
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Was ist polemisch, wenn ich Trump, der sich die halbe Welt einverleiben will, als Imperialist bezeichne?