Meinung

Die Linke und Israel: Wo Kritik in Antisemitismus umschlägt

23. Juni 2026 10:59:45
Der Parteitag der Linken hat die Debatte über Israel und Gaza erneut angeheizt. Mit ihrem Beschluss zu Israel überschreitet die Partei eine gefährliche Grenze. Denn Kritik an der Regierung Netanjahu ist berechtigt – aber Antisemitismus niemals! 
Wachsendes Problem: Antisemitismus in Deutschland. Umso wichtiger, dass Menschen dagegenhalten, wie hier auf einer Demonstration in Berlin.

Wachsendes Problem: Antisemitismus in Deutschland. Umso wichtiger, dass Menschen dagegenhalten, wie hier auf einer Demonstration in Berlin.

Dass es in der deutschen Politik ein Problem mit Antisemitismus gibt, hat der Bundesparteitag der Linken am Wochenende noch einmal sehr deutlich gezeigt. Der beschloss, die militärische Reaktion Israels auf die beispiellosen Angriffe aus dem Gaza-Streifen vom 7. Oktober 2023 als „Völkermord“ zu verurteilen. Zugleich wurde ein Ende der militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel gefordert. 

„Antizionistischer Landesverband“: Warum Beschlüsse der Linken für Kritik sorgen

Verschärft wird die Lage bei der Linken durch eine deutlich antisemitische Strömung innerhalb der Partei. So hatte zuletzt der niedersächsische Landesverband für Empörung gesorgt durch seinen Beschluss: „Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab.“ Der Landesverband sei nun der „erste antizionistische Landesverband“, hieß es aus der niedersächsischen Partei.

Für den Präsidenten des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, ist klar: „Dem Judenhass, den sie in zahlreichen Lippenbekenntnissen von sich gewiesen hat, bietet die Linkspartei ein Zuhause.“ Sein Fazit: „Der linke Antizionismus ist schlecht kaschierter Antisemitismus.“

Wo die Grenze zum Antisemitismus verläuft

In der aufgeregten Debatte ist es manchmal schwer, genau zu unterscheiden, was Kritik an Israel ist und was Antisemitismus. Oft dient die Kritik an Israel nämlich dem versteckten Ziel, antisemitische Vorurteile zu schüren, ohne sie direkt auszusprechen. Sie folgt damit einer Taktik, das eine auszusprechen, aber in Wirklichkeit noch etwas anderes zu meinen.

Kritik an der israelischen Regierung kommt auch von anderen demokratischen Parteien, wie etwa der SPD. Allerdings stets ohne dabei antisemitische Ressentiments zu pflegen oder gar die Existenz des Staates Israel in Frage zu stellen.

Israel-Kritik: Was demokratische Parteien anders machen

So wird aus der SPD nicht etwa grundsätzlich der Staat Israel kritisiert, sondern es werden immer konkrete Maßnahmen der aktuellen israelischen Regierung kritisiert. Etwa deren militärisches Vorgehen im Gazastreifen, das zu vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung und einer schweren humanitären Krise geführt hat. Von Völkermord oder dem Ende der Zusammenarbeit zwischen Berlin und Jerusalem spricht aber niemand in der SPD. Und das ist auch gut so.

Kritikwürdiges muss kritisiert werden. Das gilt für jede Demokratie und es gilt in der internationalen Politik ebenso, erst recht unter Freunden wie Deutschland und Israel. Deshalb kritisiert etwa die Bundesregierung den Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland, der – auch nach Auffassung der EU – gegen internationales Recht verstößt.

Warum Deutschland eine besondere Verantwortung für Israel trägt

Dass die SPD sich kritisch zur konkreten Politik und zur radikalen Rhetorik rechtsextremer Mitglieder der Regierung Netanjahu äußert, darf ebenfalls niemand verwundern. Aber: All das hat nichts mit Antisemitismus zu tun.

Bei aller berechtigten Kritik an der Regierung Netanjahu sollte eines nicht vergessen werden: Deutschland trägt nach dem Holocaust eine besondere Verantwortung für Israel und seine Sicherheit. Wer jede militärische Zusammenarbeit zwischen Berlin und Israel beenden möchte, wie die Linke, wird dieser Verantwortung nicht gerecht. Im Gegenteil: Er gefährdet damit die Existenz des Staates Israel, der bis heute einzigen Demokratie im Nahen Osten. Das darf kein deutscher Demokrat. So viel sollten wir alle aus der Geschichte gelernt haben.

Ihr wollt alle Inhalte und Neuigkeiten des „vorwärts“ aus erster Hand?
Dann abonniert auch unseren neuen Whats-App-Kanal!
Hier entlang: whatsapp.com 

Weitere interessante Rubriken entdecken

Gespeichert von Gerd Weghorn (nicht überprüft) am Mi., 24.06.2026 - 23:04

Permalink

„ANTISEMITISMUS“ IST – was die Juden Horkheimer/Adorno 1944 wussten - kein
PERSÖNLICHER Hass auf "die Juden als Juden", kein „Judenhass“. Tatsache ist:
„DIE hohen Auftraggeber (sprich: DER "Antisemit") hassen die Juden nicht und lieben nicht die Gefolgschaft.“
Die gleiche Aussage v. v. gilt auch für DEN Zionisten. „ANTISEMITISMUS“ IST MITHIN – und dies entgegen dem, was DER Zionist (IHRA) mit seiner auch dem Dt. Bundestag angedrehten „Arbeits-Definition (sic) Antisemitismus" weltweit diktiert - KEIN PSYCHOLOGISCHER BEGRIFF, sondern
„ANTISEMITISMUS“ IST EINE POLITISCH-ÖKONOMISCHE KATEGORIE.
Begründung: „ANTISEMITISMUS“ ist – funktional vergleichbar dem Katholizismus, dem Kapitalismus, dem Zionismus, dem Sozialismus und jedem anderen sozialen „Ismus“ bzw. „Tum“ – ab 1933 ein staatlich materialisiertes und organisiertes politisch-ökonomisches GESCHÄFTSMODELL gewesen,das Hitler von den Zionisten kopiert hat: "Blut und Boden", das ist Zionismus, "jüdischer Staat": das ist Zionismus.

Gespeichert von Wilfried Schol… (nicht überprüft) am Do., 25.06.2026 - 13:23

Permalink

Herr Haferkamp meint: "Deshalb kritisiert etwa die Bundesregierung den Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland, der – auch nach Auffassung der EU – gegen internationales Recht verstößt."
Diese Siedlungs-Politik wird von einer sehr großen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung unterstützt. Und seit Jahrzehnten tut weder die Bundesregierung noch die SPD irgendetwas wirksames, um eine demokratische Mehrheit in Israel auf den Pfad des Völkerrechts zurückzuführen. Stattdessen machen sie sich mit ihren Solidaritätsbekundungen und Waffenlieferungen zu Komplizen derjenigen, die von einem jüdischen Israel "from the river to the sea" träumen.
Dem Kampf gegen Antisemitismus ist nicht geholfen, wenn man, wie Herr Haferkamp, diejenigen als Antisemiten zu stigmatisieren versucht, die die Ideologie hinter diesem Völkerrechtsbruch beim Namen nennen.

Schreibe einen Kommentar

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.