70. Ausgabe in Wien: Alles, was man zum ESC 2026 wissen muss
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Jubiläum ist der österreichischen Hauptstadt: Bereits zum dritten Mal findet der Eurovision Song Contest in Wien statt.
Wien kennt sich mit dem Eurovision Song Contest aus. Schon 1967 und 2015 war die österreichische Hauptstadt Gastgeberin für des ESC. Auch in diesem Jahr findet das Songfestival in der Wiener Stadthalle statt, die Platz für 16.000 Menschen bietet. Am 16. Mai ist es soweit.
Warum findet der ESC 2026 in Wien statt?
Das liegt an der Tradition, dass der Eurovision Song Contest immer in dem Land stattfindet, für das der oder die Vorjahressiegerin angetreten ist. Da im vergangene Jahr der österreichische Sänger JJ (Johannes Pietsch) mit seinem Lied „Wasted Love“ erfolgreich war, findet der diesjährige ESC in seinem Heimatland statt. Auch Innsbruck hatte sich um die Ausrichtung beworben. Am Ende fiel die Wahl des veranstaltenden ORF aber auf die Hauptstadt Wien.
Wer tritt für Deutschland beim ESC 2026 an?
Für Deutschland tritt die Sängerin Sarah Engels an. Die 33-jährige Kölnerin setzte sich im deutschen Vorentscheid am 28. Februar gegen acht andere Kandidat*innen durch. Ihr Lied „Fire“ hat Engels als Co-Autorin selbst geschrieben. In den deutschen Charts schaffte es das Lied im März auf Platz 7.
Warum ist Sarah Engels automatisch im Finale dabei?
Da Deutschland über die ARD zu den fünf größten Geldgebern des ESC, den sogenannten Big Five, gehört, sind die deutschen Starter*innen stets gesetzt. Hinzu kommen Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien, das den ESC in diesem Jahr jedoch boykottiert (s.u.). Auch die Schweiz als Siegerin des Vorjahres ist für das Finale gesetzt. Um die restlichen 21 Plätze haben sich 28 weitere Nationen in zwei Halbfinals beworben.
Warum boykottierten fünf Länder in diesem Jahr den ESC?
Spanien, Irland, Slowenien, Island und die Niederlande boykottieren den diesjährigen ESC. Sie protestieren damit gegen die Teilnahme Israels. Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatten die Auftritte der israelischen Sängerinnen Eden Golan (2024) Yuval Raphael (2025) für Proteste bis hin zu Morddrohungen gesorgt. Kritisiert wird, dass Israel trotz des Kriegs im Gaza-Streifen am ESC teilnehmen darf. Russland und Belarus werden seit Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 vom ESC ausgeschlossen.
Wer gilt beim ESC 2026 als Favorit?
Bei den Wettanbietern liegt das finnische Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen mit ihrem Song „Liekinheitin“ deutlich vorn. Doch auch Akylas Mytilineos, genannt „Akylas“ mit seinem Lied „Ferto“ hat Chancen, zu gewinnen. Es wäre erst der zweite Sieg des Mittelmeer-Landes beim ESC. Zum erweiterten Favoritenfeld gehören die Künstler*innen aus Dänemark, Australien, Frankreich und Israel. Die deutsche Starterin Sarah Engels liegt bei den Wettanbietern im Mittelfeld.
Warum darf Australien am ESC teilnehmen, obwohl es nicht zu Europa gehört?
Eigentlich ist es ein Widerspruch, dass ein Land aus Ozeanien am europäischen Song Contest teilnehmen darf. Doch da der Wettbewerb in Australien viele Fans hat – rund drei Millionen der gut 27 Millionen Einwohner sollen den ESC jedes Jahr verfolgen – entschied sich die European Broadcasting Union (EBU) als Veranstalterin – Australien den Star zu erlauben. Anlass war des 60-jährige Jubiläum des ESC 2015. Seitdem erreichte das Land sieben Mal das Finale. Ein ESC-Sieg Australiens steht allerdings noch aus. Ob der Wettbewerb dann im Folgejahr „Down Under“ stattfinden würde, ist allerdings fraglich. Da der Zeitunterschied zwischen Deutschland und Australien acht Stunden beträgt, müsste der ESC entweder früh morgens in Australien stattfinden oder in Deutschland zur Mittagszeit.
Wie werden beim ESC die Punkte vergeben und wann ist mit einem Sieger zu rechnen?
Die Punktevergabe erfolgt zur Hälfte durch die Zuschauer*innen und zur Hälfte durch nationale Jurys. Jury- und Zuschauerwertungen werden voneinander getrennt bekanntgegeben, zuerst das der Jury, dann das der Zuschauer*innen. Die Zuschauer*innen können dabei per Anruf oder SMS (kostenpflichtig!) für ihren Favoriten stimmen, allerdings nicht für das eigene Land. Die zehn Titel mit den meisten Stimmen werden dabei mit einem, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, zehn und zwölf Punkten bewertet. Jedes Land kann einem Teilnehmer also bis zu 24 Punkte geben – zwölf durch die Jury, zwölf durch die Zuschauer. Auch die Länder, die nicht am Finale teilnehmen, vergeben Punkte. Die Kür des Siegerlieds dürfte sich daher bis kurz vor Mitternacht hinziehen.
Dirk Bleicker | vorwärts
ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.