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Katharina Kohl gegen die AfD: Was die SPD-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt vorhat

16. September 2026 15:59:46
Katharina Kohl ist die jüngste SPD-Abgeordnete im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt. Sie hofft darauf, eine AfD-Regierung verhindern zu können. Insbesondere die Bildungspolitik der Rechtsextremen bereitet ihr Sorge. 
Katharina Kohl, Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt

Katharina Kohl ist mit 34 Jahren die jüngste SPD-Abgeordnete im neuen Magdeburger Landtag.  

Die Schockstarre hielt nicht lange an. Auch bei Katharina Kohl. Mit 34 Jahren ist sie die jüngste SPD-Abgeordnete im neuen Magdeburger Landtag. Auf ihre neue Aufgabe freut sie sich, auch wenn über all dem „dieser Schleier hängt, den der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt hinterlassen hat“, beschreibt die 34-jährige Lehrerin aus Halle.  

Kohl wird künftig Teil der SPD-Fraktion, die mit insgesamt acht Abgeordneten als drittstärkste Kraft im Landtag vertreten ist. Bereits bei der ersten Fraktionssitzung sei klar geworden, dass mit diesem Wahlergebnis sehr viel Verantwortung einhergehe, berichtet Kohl. „Die Menschen, die uns und anderen demokratischen Parteien ihre Stimme gegeben haben, hoffen nun, dass es uns gelingt, eine demokratische Mehrheit zu bilden. Das heißt für uns, dass wir mit sehr viel Besonnenheit an die Frage gehen, welche Möglichkeiten es jetzt gibt.“ 

Von der Lehrerin in den Landtag: Was Kohl aus der Schule mitbringt

Diese Einschätzung trifft Kohl als Neuling. Denn offiziell ist sie noch gar nicht Landtagsabgeordnete. Da Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vor einer schwierigen Regierungsbildung steht, sei sie dankbar, dass bei der ersten konstituierenden Fraktionssitzung mit Katja Pähle eine Vorsitzende gewählt wurde, die sehr viel Erfahrung im Amt mitbringt.  

Aktuell arbeitet Kohl noch als Lehrerin im Schuldienst. Ein politischer Neuling ist sie allerdings nicht, denn sie verfügt über kommunalpolitische Expertise. Seit zwei Jahren ist sie Stadträtin in Halle. Diese Stadt sei von Kindergarten, über Schule und Studium samt Nebenjobs bis hin zu ihrem Referendariat als Lehrerin immer ihre Heimat gewesen, erzählt sie. Deshalb wollte sie dazu beitragen, dass Halle eine Stadt für alle Menschen sein kann. 

„Sie sollen sich wohlfühlen können, unabhängig davon, ob sie schon länger hier leben oder erst neu zugezogen sind. Es muss für den eigenen Erfolg egal sein, in welchem Stadtteil jemand wohnt, wie viel Geld die Eltern verdienen oder welche Sprache die Verwandten und Freunde sprechen“, beschreibt sie ihre Überzeugung. 

Warum Schule für Kohl ein sicherer Ort sein muss

Weil sie als Lehrerin einige Jahre in einem Projekt für Migrant*innen und Geflüchtete gearbeitet hat, weiß Katharina Kohl, wie wichtig Bildung als Schlüssel zum Erfolg und zur Integration sein kann. Auch im Landtagswahlkampf setzte sie sich für mehr Sprach- und Integrationskurse und eine ausreichende Ausfinanzierung solcher wichtigen Projekte ein. Große Sorge bereite es ihr, dass in diesen Bereichen die AfD nun den Ton angeben könnte. Die hatte im Wahlkampf nicht nur gefordert, Förderprogramme zu kürzen, sondern auch Lehrpläne zu verändern und die Schulpflicht abzuschaffen. 

Diesen Aussagen habe sie vieles entgegenzusetzen, entgegnet Kohl. Die Forderung, die Schulpflicht abzuschaffen, halte sie ohnehin für populistisches Getöse. „Die Schulpflicht ist durch das Grundgesetz geschützt. In Sachsen-Anhalt ist sie zudem in der Landesverfassung verankert“, betont sie. Anders steht es um die AfD-Forderung, Lehrpläne zu beeinflussen. Denn hier gehe es dem vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD-Landesverband offenkundig darum, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demokratiebildung einzuschränken. 

„Schule ist für mich ein Ort, an dem viele unterschiedliche Meinung aufeinandertreffen. Und es ist wunderbar, wenn diskutiert wird. Dieser Austausch steht für Vielfalt und ist wichtig. Schule muss für alle Schülerinnen und Schüler ein sicherer Ort sein“, fordert sie.  

„Es gibt viele Menschen, die nicht in Schockstarre verharren“

Die ersten Tage nach der Wahl habe sie sehr viele Nachrichten und Anfragen erhalten, berichtet Katharina Kohl. Viele Gespräche, die sie führte, drehten sich um die Schwebe, die das Wahlergebnis hinterlassen habe. „Es geht um die Frage, was passiert jetzt?“ Es sei in Ordnung, „sich die Zeit zu geben, schockiert zu sein und auch traurig“, sagt sie rückblickend. Doch unabhängig davon, was kommen wird, gehe sie mit sehr viel Energie an die neue Aufgabe. „Denn es gibt gerade Menschen, die uns umso mehr brauchen.“ Dabei denkt Katharina Kohl auch an jene, die nicht wählen gehen konnten, weil sie einen Migrationshintergrund haben. Sie denkt zugleich an alle, die sich Stabilität wünschen und Hoffnung haben, „weil wir im Landtag sitzen“. 

Es gehe jetzt darum handlungsfähig zu sein, sagt Kohl. Denn es gibt viele Verbündete und viel Solidarität. „Es gibt auch viele Menschen in Sachsen-Anhalt, die nicht in Schockstarre verharren.“ Katharina Kohl ist darüber froh. Sie schöpft daraus Stärke und will Ansprechpartnerin sein auch für jene, „die sich gerade Sorgen machen“. 

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

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