Inland

Wahl in Rheinland-Pfalz: Schweitzer fordert „starke Rolle“ für die SPD

22. März 2026 21:05:02
Nach 35 Jahren mit SPD-geführten Landesregierungen kommt es in Mainz zum Machtwechsel in der Staatskanzlei. Die CDU gewinnt die Landtagswahl. SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer fordert dennoch eine „starke Rolle“ für seine Partei ein.
Enttäuscht über die Niederlage bei der Landtagswahl: Ministerpräsident Alexander Schweitzer spricht auf der SPD-Wahlparty zu seinen Anhänger*innen.

Enttäuscht über die Niederlage bei der Landtagswahl: Ministerpräsident Alexander Schweitzer spricht auf der SPD-Wahlparty zu seinen Anhänger*innen.

Als „Kampf meines Lebens“ hatte Alexander Schweitzer im Vorfeld das Rennen im Vorfeld der Landtagswahl bezeichnet. Seit Sommer 2024 ist er als Nachfolger von Malu Dreyer im Amt, der vierte sozialdemokratische Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz nach Rudolf Scharping, Kurt Beck und Dreyer. Im Wahlkampf hat er alles in die Waagschale geworfen, um die Staatskanzlei zu verteidigen. Denn mit Ausnahme von Bremen und Brandenburg stellt die SPD inzwischen in keinem anderen Bundesland so lange am Stück den oder die Regierungschef*in. Doch nach dem vorläufigen Ergebnis wird sich das wohl ändern.

CDU erstmals seit 1987 vor SPD

Demnach kommt die CDU auf 31 Prozent und liegt damit erstmals seit rund vier Jahrzehnten wieder vor der SPD, die 25,9 Prozent erzielt. Das bedeutet für die bisherige Regierungspartei beinahe zweistellige Verluste im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren. Die rechtsextreme AfD verzeichnet mit 19,5 Prozent deutliche Zuwächse und ihr stärkstes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland. Die Grünen ziehen mit 7,9 Prozent in den Landtag ein, während die FDP mit 2,1 Prozent, die Freien Wähler mit 4,2 Prozent und die Linken mit 4,4 Prozent diesen verpassen. Sonstige Parteien kommen auf 5 Prozent.

Realistisch denkbar ist nach diesem Ergebnis allenfalls eine große Koalition aus CDU und SPD. Sie wäre ein Novum in der Geschichte des Bundeslandes. Zudem verfügen beide Parteien gemeinsam über eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag.

SPD-Landesvorsitzende: „Wir habe eine mega Aufholjagd hingelegt“

Trotz des deutlichen Ergebnisses dauerte es fast eineinhalb Stunden, ehe die Führung der rheinland-pfälzischen SPD vdie Bühne der Wahlparty betrat. Obwohl es wenig zu feiern gab, erhielt sie dort erst einmal lang anhaltenden Applaus, hinter dem wohl auch ein gewisser Trotz steckte. 

Die Landes- und Fraktionsvorsitzende Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Wir haben eine mega Aufholjagd hingelegt, wir haben geklingelt, wir haben geklopft. Es hat am Ende leider nicht gereicht. Der Bundestrend war sehr, sehr stark, aber an euch hat es nicht gelegen.“ Sie fügte an: „Und einer hier im Saal hat gekämpft für uns alle zusammen und alles gegeben. Das ist unser Alexander. Vielen, vielen Dank!“

Schweitzer: Wir wollen und werden Verantwortungsträger bleiben

Schweitzer äußerte sich ganz ähnlich: „Wir haben gekämpft wie die Löwen und alles reingelegt, was in uns steckt. Das ist eine ganze Menge. Wäre es nicht so, hätten wir nicht ein Ergebnis, das doppelt so stark ist wie der Bundestrend.“ Die rheinland-pfälzische SPD habe eine „Riesen-Aufholjagd“ hinbekommen und es bis zum Schluss spannend gemacht. Es gäbe wenige andere Landesverbände in der SPD, die über eine ähnliche Stärke verfügten, sagte der nun scheidende Ministerpräsident. „Es war mir ein großes Privileg, euer Spitzenkandidat und Ministerpräsident gewesen sein zu können“, betonte er.

Mit Blick auf nun anstehende Koalitionsgespräche forderte Schweitzer für seine Partei eine „starke Rolle“ ein, „wenn's darum geht, eine Regierung der demokratischen Mitte in Rheinland-Pfalz anzubieten“. Mit Blick auf die Historie des Bundeslandes in den vergangenen Jahrzehnten sagte er: „Wir waren immer ein Verantwortungsträger in diesem Land. Das wollen wir bleiben und das werden wir bleiben.“

Bas: „Das ist sehr bitter“

Sehr deutlich positionierte sich die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas im ZDF-Interview angesichts dieses Ergebnisses. „Das ist sehr bitter. Das ist auch nicht schön zu reden. Das ist für uns ein einschneidendes Ergebnis“, sagte sie. Alexander Schweitzer habe mit seinem Team einen hervorragenden Wahlkampf hingelegt. Dieser sei jedoch nicht unbeeinflusst durch die Bundes-SPD gewesen. 

Mit Blick auf die bundesweite Lage ihrer Partei sagte sie: „Es stellt mich überhaupt nicht zufrieden. Lars Klingbeil und ich haben uns auf den Weg gemacht, genau das zu verändern, dass wir wieder reformfähig werden, mit Verantwortung in diese Regierung gegangen sind und auch die SPD neu ausrichten wollen.“ Beispielhaft für bereits gelungene Reformen nannte Bas die beschlossenen Veränderungen bei der Grundsicherung und in der Migrationspolitik. „Diesen Weg wollen wir weitergehen und das ist auch zwingend notwendig. Wir müssen die Kompetenz bei verschiedenen Themen zurückgewinnen“, konstatierte die SPD-Vorsitzende.

Klingbeil kündigt Einkommenssteuerreform an

Ihr Co-Vorsitzender, der Vizekanzler Lars Klingbeil, sagte im ARD-Interview: „Natürlich trage ich Verantwortung. Alexander Schweitzer und die rheinland-pfälzische SPD haben einen Wahnsinnswahlkampf gemacht. Sie haben gekämpft, sie haben aufgeholt. Deswegen richtet sich der Blick jetzt auch nicht nach Rheinland-Pfalz, sondern auf die Bundesebene. Da haben wir jetzt sehr entscheidende Dinge zu klären.“

Sein Anspruch sei nicht, dass die SPD am Status Quo festhalte. Stattdessen solle seine Partei den Reformprozess innerhalb der Bundesregierung „energischer von vorne“ führen. Er kündigte an, eine Einkommenssteuerreform vorlegen zu wollen. „Mein Anspruch ist ein großes, gerechtes Reformpaket und dass dieses schnell passiert.“ Auf Nachfrage äußerte sich der SPD-Vorsitzende auch zu personellen Konsequenzen aus diesem Wahlergebnis: „Ich weiß, dass es bei diesem Ergebnis Personaldebatten geben wird, und die haben wir auch zu führen. Ich will, dass offen darüber geredet wird, wie wir jetzt das Beste für die Sozialdemokratie erreichen können.“ Zugleich betonte Klingbeil, dass er sich nicht wegducken wolle.

Klüssendorf fordert mehr Klarheit

Zuvor hatte Generalsekretär Tim Klüssendorf im ZDF-Interview um kurz nach 18 Uhr Alexander Schweitzer und den Wahlkämpfer*innen vor Ort seinen Respekt und Dank für die „Aufholjagd“ ausgesprochen. Gleichzeitig gab er angesichts des schlechtesten SPD-Ergebnisses in der Geschichte rheinland-pfälzischer Landtagswahlen unumwunden zu: „Natürlich richtet sich der Blick auch zu uns nach Berlin. Wir tragen einen Großteil der Verantwortung an diesem Ergebnis.“ Er forderte daher: „Wir müssen in die Offensive kommen. Wir müssen ein klares Profil und eine klare Erkennbarkeit haben. Das ist das, was ich mir von der SPD jetzt erwarte.“ Dazu wolle er seinen Beitrag leisten, damit die SPD „wieder zurück in den Angriff“ komme.

Klüssendorf fügte an: „Wir waren immer dann stark, wenn wir mit eigenen Themen, einer eigenen Erkennbarkeit in den Angriff gegangen sind und deutlich gemacht haben, wofür die SPD steht. Das müssen wir auch auf einer langen Strecke schaffen.“ Die SPD müsse die Zuversicht ausstrahlen, etwas im Land verändern zu können. Er nannte drei konkrete Themen: wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, ein bezahlbares Leben und eine gerechtere Verteilung von Chancen. Wenn die SPD sich um diese drei Punkte kümmere, „dann haben wir auch wieder eine Chance“, sagte der Generalsekretär.

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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12 Kommentare

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am So., 22.03.2026 - 20:18

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kann keiner, also sind wir stark genug, unsere Themen zu setzen, und zwar als ko Kriterien. Verhandelt wird nicht, wir sagen, wo es lang geht, oder ihr müsst euch die AfD ins Bett holen ( macht nur, dann seit ihr am Ende und wir stehen da wie Phönix- der Asche entfleucht)

Gespeichert von Peter Boettel (nicht überprüft) am Mo., 23.03.2026 - 11:08

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Es ist nicht allein das negative Wahlergebnis für die SPD, das mich betroffen macht, sondern auch das Abschneiden der rechtsextremen AfD. Warum lernen die Menschen nichts aus dieser schlimmen Vergangenheit? Lesen die Leute nicht, welche Ideen und Drohungen die AfD-Leute von sich geben (Steuernachlässe für die Reichen, Kürzungen bei Sozialleistungen, Wiedereinführung der Atomkraft etc.) Schlimmerweise plappern die Unionsparteien (Flintenuschi, Söder, Mautbrindt u.a.) diesen Unsinn nach. Dies hat -leider zutreffend- ein AfD-Vertreter am Sonntag Abend ebenfalls erwähnt.
Aber die SPD darf aufgrund der Landtagswahlergebnisse in Ba.-Wü. und Rheinl.-Pfalz auf keinen Fall aufgeben wie auch Alexander Schweitzer richtigerweise klargestellt hat. Schließlich musste die SPD in Ihrer Geschichte schon Schlimmeres erleben und hat vielfach erfolgreich weitergearbeitet. Unsere Regierungsmitglieder müssen verhindern, dass Merz mit seiner "Sozialreform" nicht wieder kürzen will, das wäre Gift für die SPD.

Gespeichert von Helmut Gelhardt (nicht überprüft) am Mo., 23.03.2026 - 12:15

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Für Alexander Schweitzer muss es eine ganz starke Rolle in der Bundes-SPD geben. Alexander Schweitzer ist für die SPD unverzichtbar!
Zu Tim Klüssendorf:
... " eine gerechtere Verteilung von Chancen."
Es geht schon sehr lange um viel, viel, viel mehr: Um eine wirklich gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung. Um um eine wirklich gerechte Sozial-ökologische Transformation - damit die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit des Planeten n i c h t überschritten werden. Und es muss um Friedenspolitik gehen und nicht um Aufrüstung/Militarisierung.

Gespeichert von Reinhard Skandera (nicht überprüft) am Mo., 23.03.2026 - 17:36

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Es tut mir leid, aber ich habe schon am Samstag gesagt, dass Alexander Schweitzer verliert. Warum? Weil er die Aura eines Bürokraten ausstrahlt. Man muss auch mal ehrlich reden. Wenn ich die Klatschorgien für Alexander Schweitzer am Sonntag Abend sehe, dann beschleicht mich ein schlechtes Gefühl. Er hat verloren, klar verloren, er und kein anderer. Das Gerede, dass Berlin schuld ist, teile ich nicht. Wer Verlierer feiert, der wird nicht mehr gewinnen. Warum? Weil bei einer Niederlage die Gründe schonungslos analysiert werden müssen, ohne Ansicht von Personen. Sonst belügt man sich selbst und kommt nicht voran. Mit meinem Kommentar stehe ich wahrscheinlich allein. Ich kann nur versichern, dass ich meine Überzeugung mitteile.

Gespeichert von Helmut Gelhardt (nicht überprüft) am Di., 24.03.2026 - 12:00

Antwort auf von Reinhard Skandera (nicht überprüft)

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Sehr geehrter Herr Skandera,
Sie haben recht: Mit Ihrer Meinung stehen Sie sicher allein. Eines ist sicher: Die Rolle der SPD im Bund in der Groko mit einer 'BlackRock-Merz-CDU' (auch viele in der SPD haben dies immer noch nicht realisiert oder verdrängen dies!)
hat in RLP für die dortige SPD jedenfalls nicht zum nötigen Rückenwind geführt! Natürlich gab es auch in der RLP-SPD völlig unnötige/dumme Fehler. Z.B. der Umqang mit der "Beurlaubungsproblematik". Aber solche Fehler sind vergleichsweise vernachlässigenswert, wenn man bedenkt, dass Herr Gordon Schnieder von der RLP-CDU u.a. angekündigt hat, das RLP-Klimaschutzgesetz abschaffen zu wollen. Jedenfalls das wäre angesichts der sich immer weiter verschärfenden Umweltsituation völlig unverantwortlich und kommt in der Sache AfD-Positionen nahe, wobei ich Herrn Schnieder nicht unterstelle, dass er AfD-nah ist. Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Alexander Schweitzer ist für die gesamte (Bundes) SPD unverzichtbar!!!

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Gespeichert von Gerald Kolb (nicht überprüft) am Di., 24.03.2026 - 15:04

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Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz und als Antwort auf ihre (Nichmehr-) Wähler und deren vermeintliche Erwartungen und Enttäuschungen will die Bundes-SPD in Zukunft eine "deutliche Schärfung ihres Profils" vornehmen. Erste konkrete Aussagen dazu lassen einen - weiteren - "Linksruck" der SPD in der Regierungskoalition erwarten. Dabei steht zu erwarten, dass die CDU-CSU, nolens volens zwar, aber zur Rettung der Koalition nicht dagegen halten und weitere Kompromisse bei Sozialem- und Steuern zugestehen wird. Folge: Der AfD werden noch mehr Wähler zugetrieben - und das Spiel setzt sich wie eine Spirale von (Landtags-) Wahl zu Wahl zugunsten der AfD fort. Na, denn man tau!

Als 1953 Geborener und 'Willy wählen' und 'mehr Demokratie wagen' Sozialisierter habe ich ab 1999 leider keinen entscheidenden/durchschlagenden "Linksruck" der SPD mehr erlebt.
Aber vielleicht habe ich ja etwas versäumt/übersehen/überhört. Vielleicht klären Sie mich diesbezüglich auf?! Der Popanz-Aufbau: "Der AfD werden noch mehr Wähler zugetrieben"
ist zu schlicht. Soll die Sozialdemokratie AfD-Politik betreiben, auf dass der AfD keine Wähler mehr zugetrieben werden?!

Also, wer von einem Linksruck der SPD schreibt, scheint wohl die Unterschiede von linker und rechter Politik nicht zu kennen. Seit vielen Jahren kann ich mich ebenfalls an keinen Linksruck der SPD erinnern, insbesondere hat sich die SPD unter Sigmar Gabriel immer eher den Unionsparteien angenähert, um "die politische Mitte" zu gewinnen. M. E. hätte die SPD nach der BT-Wahl 2013 statt einer GroKo eine Koalition mit Grünen und Linken bilden müssen, um tatsächlich einen lange überfälligen Linksruck im Sinne ihrer Grundsätze zu machen. Und wenn ich mich an die Steuerpolitik von Schröder erinnere, war dies ein fataler Rechtsruck, der der SPD seit dieser Zeit bei allen Wahlen geschadet hat.

Gespeichert von Gerald Kolb, P… (nicht überprüft) am Mi., 25.03.2026 - 15:37

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