SPD-Kandidatin in Rheinland-Pfalz: Anpacken statt meckern
SPD Rheinland-Pfalz/Facebook
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (links) bei einer Veranstaltung zusammen mit SPD-Landtagskandidatin Lena Weber
Sie ist zwar erst 35 Jahre alt – doch Lena Weber hatte bereits so gut wie jedes Amt auf der kommunalen Ebene inne. 2014 wurde sie in den Stadtrat ihrer Heimat Hermeskeil unweit von Trier gewählt und war dort das jüngste Mitglied. Später wurde sie dort ehrenamtliche Stadtbürgermeisterin und Mitglied im Verbandsgemeinderat und Kreistag.
Nun will sie in den Landtag von Rheinland-Pfalz. Doch selbst mit ihrer starken Verwurzelung vor Ort ist der Wahlkampf nicht immer leicht, erzählt sie im Interview mit dem „vorwärts“ kurz vor der Wahl.
Am kommenden Sonntag wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Wie läuft der Wahlkampf bisher?
Es ist eine super intensive Zeit und eine große Herausforderung, da ich ja weiterhin nebenher in Vollzeit arbeite. Trotzdem macht es vor allem super viel Spaß. Es geht ja gar nicht einmal darum, irgendwen zu bekämpfen, sondern vielmehr, unsere Themen zu bewerben.
Im Wahlkampf haben wir versucht, uns sehr breit aufzustellen, um unterschiedliche Personengruppen zu erreichen. Ich habe also zum Beispiel digitale Expertengespräche veranstaltet, aber auch ein Bürgerfrühstück, bei dem auch Anke Rehlinger dabei war.
Wie kommen die Themen bei den Menschen vor Ort an?
Ich mache viel Haustürwahlkampf und da lassen sich die Leute größtenteils auf die Themen ein – die meisten sind offen und interessiert. Ich nehme aber auch wahr, dass eine allgemeine Verdrossenheit zugenommen hat. Einige Menschen sind irgendwie weniger aufgeschlossen. Manchmal geht das auch so weit, dass einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird, einfach nur weil man von der SPD ist. Das ist ein neues Phänomen. Wenn man dann mit den Menschen ins Gespräch kommt, wollen sie aber oft auch nicht unbedingt über die landespolitischen Themen reden, sondern vor allem über Bundespolitik.
„Es bereitet mir Sorgen, dass das immer häufiger vorkommt“
Ist das nicht sehr demotivierend?
So eine Art im Umgang finde ich sehr irritierend und es bereitet mir Sorgen, dass das immer häufiger vorkommt. Ich bleibe aber trotzdem motiviert, denn im Vordergrund stehen für mich einfach die vielen tollen Leute und spannenden Initiativen, denen man im Wahlkampf begegnet.
Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?
Da gibt es viele, denn mein Wahlkreis ist zwar allgemein ländlich geprägt und sehr heterogen. Allgemein hatte ich aber wirklich viele Wow-Momente. Es ist einfach toll zu sehen, wie Vereine zum Beispiel ein ganzes Weinfest im Ehrenamt auf die Beine stellen, um die Menschen zusammenzubringen.
Eine besonderes Beispiel für eine starke Auseinandersetzung mit unseren Wahlkampfthemen war meine Adventskalender-Aktion im vergangenen Winter. Da habe ich jeden Tag eine Initiative, einen Verein oder einen Einzelhändler vorgestellt und Gewinne verlost. Dazu habe ich aber auch Themen platziert, die mit den vorgestellten Akteuren im engen Kontext stehen. So zum Beispiel bei der Verlosung von Eintrittskarten für das Rheinland-Pfälzische Feuerwehrmuseum in Hermeskeil habe ich erläutert, wie Landespolitik sich auf den Brand- und Katastrophenschutz auswirkt und welche Akzente wir da setzen wollen.
Sie haben langjährige Erfahrung als Kommunalpolitikerin – inwiefern prägt Sie das jetzt im Landtagswahlkampf?
Meine kommunalpolitische Erfahrung ist definitiv ein großer Vorteil. Ich bin auf jeder Ebene der kommunalen Familie aktiv: Im Stadtrat, im Verbandsgemeinderat und im Kreistag. Dadurch bekomme ich eigentlich immer mit, was die Entscheidungen in Bund und Land jeweils vor Ort bedeuten, wo es ja dann um die konkrete Umsetzung geht.
Auch meine Zeit als Stadtbürgermeisterin von Hermeskeil hat mich da entscheidend geprägt, denn da musste ich dann auch wirklich verschiedene Interessen moderieren und Impulse geben. Diese ganzen Erfahrungen und kommunalen Perspektiven würde ich im Landtag gerne einbringen und ich denke, die werden auch wirklich dringend gebraucht.
Die Finanzlage der Kommunen beschäftigt Bund und Länder seit einigen Jahren besonders.
Genau. Kommunalpolitik ist eigentlich echt sexy, wenn man Gestaltungsspielräume bekommt. Im Moment fehlt dafür aber an allen Ecken und Enden das Geld, das ist eine echte Herausforderung. Es bräuchte mutige Reformen von Bund und Land, damit man in den Kommunen wieder ins Gestalten reinkommen kann. Das würde vermutlich auch mehr Menschen dazu motivieren, sich vor Ort politisch zu engagieren.
„Kommunalpolitik ist eigentlich echt sexy“
Was hat Sie noch dazu motiviert, den Schritt aus der Kommunal- in die Landespolitik wagen zu wollen?
Mein Vater hat immer gesagt: „Lena, meckern ist gut, aber dann muss man auch machen“, und das ist zu meinem Mantra geworden. Als Kommunalpolitikerin denke ich mit Blick auf die Landespolitik an vielen Stellen, dass ich das anders machen würde. Und sobald dieser Punkt kommt, muss man eben ins Handeln kommen.
Zum anderen habe ich selbst als Kind stark von den Strukturen für Kinder und Jugendliche profitiert, die die SPD-Landesregierungen hier in Rheinland-Pfalz etabliert haben.
Inwiefern?
Meine Mutter war sehr krank und mein Vater hat viel gearbeitet. Das schränkt einen als Kind manchmal ein, wenn es um das eigene soziale Umfeld geht. Durch die Jugendpflege und die Vereinsstrukturen bei uns vor Ort hatte ich trotzdem Gruppen, zu denen ich gehört habe.
Ich habe mich dann irgendwann auch selbst ehrenamtlich engagiert – und bin so letztendlich auch in der Kommunalpolitik gelandet, weil ich mich dafür einsetzen wollte, dass diese Strukturen in Hermeskeil erhalten bleiben.
Sollten Sie den Einzug in den Landtag schaffen: Für welches Thema wollen Sie sich dort besonders einsetzen?
Das wäre ganz klar das Kommunale. Auf Landesebene müssen schnell die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass die Kommunen die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen bekommen und die Modernisierung in Gang kommt. Klingt jetzt vielleicht nicht so spannend, aber am Ende würde das auf kommunaler Ebene große positive Anreize schaffen. Und im besten Fall würden die Leute wieder zuversichtlicher werden, weil sie merken, dass endlich etwas passiert.