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Mit 28 schon Chef eines Landkreises: Wer ist Bjarne Allruth?

20. Oktober 2026 16:48:07
Mit 18 Jahren zog Bjarne Allruth in den Gemeinderat ein, mit 28 übernimmt er die Verantwortung für einen ganzen Landkreis. Der SPD-Politiker aus Niedersachsen gehört zu den jüngsten Kommunalpolitikern in einer solchen Position. Was kommt jetzt auf ihn zu?
Bjarne Allruth

Das Ohr an den Bürger*innen: Bjarne Allruth ist der jüngste Landrat Niedersachsens.

Politik beginnt für Bjarne Allruth in Delligsen, einem Flecken im niedersächsischen Weserbergland mit rund 8.000 Einwohner*innen. Dort wurde der Sozialdemokrat 2016 im Alter von 18 Jahren in den Gemeinderat gewählt. Nun, zehn Jahre später, wartet eine neue Aufgabe auf den 28-Jährigen: Ab November wechselt er an die Spitze des Landkreises Holzminden und ist damit der jüngste Landrat in Niedersachsen.

Bjarne Allruth: Ein 28-Jähriger mit viel Erfahrung

Gleichzeitig enden damit viele persönliche Wegmarken: seine zehnjährige Zeit als ehrenamtlicher Gemeinderat in Delligsen, ebenso wird er nicht erneut ehrenamtlich in den Kreistag einziehen, in dem er in der vergangenen Legislaturperiode den Vorsitz hatte. Auch in der Finanzverwaltung der Stadt Alfeld ist Allruths Schreibtisch schon ausgeräumt, rote Girlanden von seiner Abschiedsfeier schmücken noch den Raum. „Der Abschied aus dem Gemeinderat war ja tatsächlich für mich ein komischer, sehr emotionaler Moment, einfach weil man dort seine ersten Schritte in der Kommunalpolitik gemacht hat“, erzählt er im Gespräch mit dem „Vorwärts“.

Der persönliche Moment markiert auch einen Wechsel in der politischen Perspektive: weg von einem Flecken, hin zu neuer Verantwortung für einen ganzen Landkreis. Dafür bringt Allruth viel Erfahrung mit: In der Gemeinderatsfraktion war er für alle Finanzfragen zuständig. Vertiefen konnte er dieses Wissen bei einem duales Studium für den allgemeinen Verwaltungsdienst und seine Arbeit in der Kämmerei in Alfeld an der Leine. Die finanziellen Nöte der Kommunen kennt Bjrane Allruth aus erster Hand – wichtige Erfahrungen für seine neue Funktion an der Spitze des Landkreises Holzminden, der vor finanziellen Herausforderungen steht.

Aus der Not heraus gelang etwas Gutes

Hat Allruth Zweifel, trotz der Schwierigkeiten überhaupt so viel bewegen zu können, wie er sich vorgenommen hat? „Natürlich ist das ein Thema, das uns einschränkt“, räumt er ein. Es gebe jedoch in Niedersachsen keinen Landkreis mit einem ausgeglichenen Haushalt. Das Problem sei, dass die Kommunen strukturell unterfinanziert seien. „Wir müssen mehr dahin kommen, dass der Bund Leistungen, die er bestellt, auch bezahlt“, fordert Allruth. Er habe aber das Gefühl, dass das Problem erkannt sei und Leistungen des Landes inzwischen besser finanziert würden. Damit gibt er sich zuversichtlich. Es brauche aber „mehr Unterstützung seitens des Bundes“.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen Lösungen zu finden – das treibt Allruth an. Er erzählt von der Insolvenz des Krankenhauses in Holzminden vor knapp drei Jahren. Damals sei es dem Landkreis und der Stadt gemeinsam gelungen, ein regionales Versorgungszentrum aufzubauen, das sogar für Notfälle gerüstet sei. „Aus dieser Not heraus ist etwas wirklich Gutes gelungen“, meint Allruth stolz.

Im Ernstfall zählt jede Minute

Schwierige Situationen unter Druck bewältigen muss er auch regelmäßig in seinem langjährigen Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr. Hier kommt es vor allem auf Verlässlichkeit an: Als aktive Einsatzkraft habe er gelernt, schreibt Allruth über sich, dass im Ernstfall jede Minute zählt und Menschen sich aufeinander verlassen müssen. Auch als Gemeinderat engagierte er sich im Feuer- und Ordnungsschutzausschuss. 2020 hat sein Heimatort Grünenplan ein neues Einsatzfahrzeug bekommen. Allruth sagt: „Ich freue mich darüber als Feuerwehrmann, wenn wir wirklich in die Ausstattung investieren und die Rahmenbedingungen besser gestalten.“

Der Politiker ist im Flecken Delligsen aufgewachsen und lebt dort mit seiner Frau. Sozialdemokratische Werte hat er aus seinem Elternhaus mitbekommen. „Ich wurde sehr sozialdemokratisch erzogen, also Chancengerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit“, sagt Bjarne Allruth über die Themen, die ihn geprägt haben. In die Kommunalpolitik kam er 2016, weil ihn jemand fragte, ob er sich engagieren möchte. „Ich war schon immer sehr aktiv in den Vereinen“ – da erschien ihm das als logischer Schritt.

Gut aufgestellt beim Ehrenamt

Auch politisch steht das gesellschaftliche Engagement auf seiner Agenda: „Ich glaube, das ehrenamtliche Engagement ist einfach ganz wichtig, was wir auch weiter fördern müssen“, betont er. Mit dem Zentrum für ehrenamtliches Engagement als Anlaufstelle für alle, die sich ehrenamtlich im Landkreis Holzminden einbringen möchten, sieht er die Region gut aufgestellt. Künftig will der neue Landrat auch landkreiseigene Dienstleistungen vergünstigt anbieten, etwa um die niedersächsische Ehrenamtskarte im Landkreis attraktiver zu machen.

Der junge Politiker wird einen Landkreis führen, dem die demografische Entwicklung zu schaffen macht: Seit den 1980er-Jahren schrumpft die Bevölkerung – von 90.000 auf zuletzt 65.000 Menschen. Nach neuesten Prognosen wird die Bevölkerungszahl auch in den kommenden zehn Jahren weiter sinken. Für Allruth ist es deshalb immens wichtig, „meine Generation, aber auch jene, die jünger sind als ich, in der Region zu halten“.

Zu seinen Zielen gehören deshalb die Sicherung von Arbeitsplätzen und ein besserer öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Auch die Modernisierung der Schulen steht auf seiner Agenda. Das sind breit gefasste Ziele – die Herausforderung wird sein, die begrenzten Gelder gut einzusetzen.

Allruth wirkt weniger wie ein Mann abstrakter Ideale, sondern richtet seinen Blick auf das konkret Machbare. Er ist in die Kommunalpolitik gegangen, um zu gestalten: „Man sieht vor Ort, was man wirklich entwickeln kann, und das gibt einem viel zurück.“

Autor*in
Karin Billanitsch
Karin Billanitsch

Karin Billanitsch hat Rechtswissenschaften und Journalistik in München und Stuttgart studiert und ist Redakteurin beim „vorwärts“.

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