Meinung

Nach dem PISA-Schock: Die Wiege der Bildung liegt in der Kita

22. September 2026 15:53:23
Deutschlands Schüler*innen schneiden bei der PISA-Studie so schlecht ab wie nie. Gegensteuern heißt, Bildungsdefizite früh erkennen und Kitas besser ausstatten – mit mehr Personal, gezielter Förderung und Investitionen statt Kürzungen.
Eine Schülerin meldet sich

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Der Volksmund weiß das schon lange. Wie wichtig das frühe Lernen für den weiteren Bildungsweg ist, hat die aktuelle PISA-Studie noch einmal belegt. Wer in jungen Jahren Lesen, Schreiben und Rechnen nicht richtig erlernt, wird oft in seinem ganzen Berufsleben Probleme haben.

Hier liegt eine der Ursachen für die aktuell schlechtesten Werte im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften, die Deutschlands Schüler*innen jemals in einer PISA-Studie erreicht haben. Sie müssen ein Weckruf für die deutschen Politiker*innen sein, jetzt alles zu tun, um die Bildung junger Menschen zu stärken.

Kitas sind der Schlüssel für Bildungschancen

Und dabei kommt es zuerst und vor allem auf die Kitas an. Sie brauchen eine bessere finanzielle Ausstattung und mehr Personal. Sicher ist hier in den letzten 20 Jahren viel passiert: Es wurde massiv in Kitas investiert, ein Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung eingeführt, die Ausbildung und Bezahlung von Erzieher*innen verbessert, vielerorts wurden die Kita-Gebühren gesenkt oder ganz abgeschafft. Aber all das reicht offensichtlich nicht aus, wie die aktuelle Pisa-Studie offenbart.

Bildungsdefizite früh erkennen und gegensteuern

Es ist dringend nötig, die Bildungsdefizite von Kindern früh zu erkennen, um gegensteuern zu können, also noch vor der Einschulung. So sollte mit Sprach- und Mathematiktests flächendeckend der Entwicklungsstand aller Vierjährigen analysiert werden. Werden dabei wichtige Defizite festgestellt, muss unverzüglich gegengesteuert werden. Mit einer verpflichtenden Förderung vor dem Eintritt in die Schule.

Die regelmäßigen Tests sollten in der Grundschule fortgeführt werden. Kinder mit Lerndefiziten sollten hier umgehend in kleinen Gruppen speziell gefördert werden. Generell sollten Lesen, Schreiben und Rechnen in den Grundschulen in der Unterrichtszeit priorisiert werden, legen sie doch die Grundlage für den weiteren Bildungsweg der Schüler*innen. Das bedeutet in der Praxis: Mehr Unterrichtsstunden in Deutsch und Mathematik sind notwendig, am besten täglich. Schulen mit einem hohen Anteil an lernschwachen Kindern müssen zusätzlich gefördert werden, mit mehr Geld und mehr Personal. 

Föderalismus darf kein Hemmschuh sein

Bildung ist in Deutschland laut Grundgesetz weitgehend Ländersache. Der Föderalismus darf jedoch kein Hemmschuh für die notwendigen Veränderungen sein. Das bedeutet zum einen, dass der Bund ausreichende Möglichkeiten haben muss, die Länder in der Bildungspolitik zu unterstützen. Und zum anderen, dass die Bundesländer nicht 16 mal ihr ganz eigenes Süppchen kochen, sondern dass sie voneinander lernen, was funktioniert und was nicht.

Da besonders Kinder aus sozial schwachen Familien Bildungsdefizite haben, ist eine Entlastung bei den Kita-Gebühren ein durch nichts zu ersetzender Schritt, um den Betroffenen möglichst früh einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Wohnort. Die Gebührenfreiheit sollte zum Standard in allen Bundesländern werden.

Bildung braucht mehr Investitionen statt Kürzungen

Das all das mehr Investitionen erfordert, liegt auf der Hand. So wichtig und nötig das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz sowie der Ausbau der Verteidigungsinvestitionen sind, die Bildung darf dabei nicht unter den Tisch fallen. Geplante Kürzungen, etwa in der Kinder- und Jugendhilfe, beim Unterhaltsvorschuss und dem Kindersofortzuschlag oder bei der Schulbegleitung für Kinder mit Behinderung, dürfen nicht kommen. Denn eine gute wirtschaftliche und soziale Perspektive hat unser rohstoffarmes Land nur mit gut ausgebildeten Menschen. Hier entscheidet sich unsere Zukunft.

Autor*in
Lars Haferkamp
Lars Haferkamp

ist Chef vom Dienst und Textchef des vorwärts.

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