Kultur

Film „Morgen war Krieg“: Wie eine rechte Regierung Deutschland ruiniert

28. September 2026 12:41:09
Was wird aus Deutschland, wenn eine Rechtsaußen-Partei die Macht übernimmt? Der Kinofilm „Morgen war Krieg“ gibt auf diese Frage eine hoffnungs- wie schonungslose Antwort.
Szene aus dem Film "Morgen war Krieg"

In Zeiten des Krieges wachsen neue Zäune in die Höhe.

Eine Parole der Arbeiterbewegung hat sich in den 1930er-Jahren auf bitterste Weise bewahrheitet: „Faschismus bedeutet Krieg.“ Heute, wo Rechtsextremist*innen in der Bundesrepublik Deutschland mehr Zulauf haben denn je, stimmt einen dieser Satz umso nachdenklicher. 

Was, wenn eine rechte Partei in Deutschland regiert? 

Er kann aber auch die Fantasie anregen. Wie wäre es, wenn eine rechtspopulistische oder rechtsextreme Partei die Bundesregierung stellen und den Staat nach ihrem Gusto umbauen würde? Mit dieser Frage hat sich der Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Ehret beschäftigt. In seinem Kinodrama „Morgen war Krieg“ entwirft er ein düsteres Szenario: Die Europäische Union ist zerfallen, in Deutschland regieren weit rechtsstehende Kräfte und Krieg steht bevor.  

Im Zentrum der Geschichte steht ein junger Mann, der sich mit all dem nicht abfinden will. Lange war es Jonas gewöhnt, dem Individualismus zu frönen. Nun lebt er in einer durch und durch militarisierten und von Mangel beherrschten Gesellschaft. Für dieses System soll er obendrein eine Uniform anziehen und in den Krieg ziehen. Nach der Musterung trifft Jonas einen folgenschweren Entschluss: Er desertiert. Damit beginnt ein gefährlicher Trip durch einen Staat, der im mehrfachen Sinne am Abgrund steht. 

Deutschland am Vorabend des Krieges: grau, öde und gefährlich 

Mit seiner kleinen Halbschwester Leonie schlägt sich Jonas zu seinem Vater durch, den er seit Kindertagen nicht mehr gesehen. Dieser Mann namens Stuber hat früher eine Fähre über den Grenzfluss gesteuert. Genau darin liegt Jonas‘ Hoffnung. Doch in dieser Geschichte wird so manche Hoffnung enttäuscht. Wird es Jonas gelingen, diesem auch dank der Bildsprache komplett grauen und öden, aber für ihn zunehmend gefährlichen Land zu entkommen?

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Identitätskrise, politische Dystopie und ein neu entflammter Vater-Sohn-Konflikt: „Morgen war Krieg“ macht viele Baustellen auf, ohne sie wirklich abzuräumen. Dass die Vorbereitung auf Krieg fast nur als fernes Grollen von Explosionen zu erleben ist, also kryptisch bleibt, ist ein legitimes erzählerisches Mittel. Aber viele andere Facetten dieser bedrückenden Erzählung bleiben ebenfalls kryptisch, lassen sowohl Anschaulichkeit als auch Tiefe vermissen. Was will die sich autoritär gebende Regierung erreichen? Warum gibt es Krieg? Antworten auf diese Fragen bleiben der Vorstellungskraft der Zuschauer*innen überlassen.  

Auch der Protagonist kommt einem nicht wirklich nahe, was nicht nur an seinem eher spärlichen Text liegt. Viel eindrücklicher ist manche Nebenfigur: allen voran Ulrich Matthes als desillusionierter, aber fast schon altersmilder Vater von Jonas. Mit ebenso fiebrigem wie zurückgenommenem Spiel verkörpert er einen Gescheiterten, der durch die Begegnung mit Jonas und Leonie dazu getrieben wird, sich aus der eigenen Erstarrung zu befreien. Schockiert beobachtet Stuber, wie die Menschen im Dorf zunehmend verrohen und einen Grenzzaun errichten, um Migrant*innen abzuhalten. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die das Land zunehmend nach außen abschottet. 

Szenen wie in einem Zombie-Film 

Jonas ist von dieser Haltung seiner neuen Nachbar*innen angewidert. Als ein paar Geflüchtete in größter Not das Dorf erreichen, wird aber auch er vom Strudel der Gewalt erfasst. Und er fragt sich, was seine Ideale in dieser verrückten neuen Welt wert sind. Aber auch diese existenzielle Krise bleibt Fragment. Und wie die Folgen der Gewaltbereitschaft im Dorf eingefangen werden, hat mehr von einem Zombie-Schocker als von einer subtilen Dramaturgie für eine eskalierende Situation.

Es ist legitim, wenn ein dystopisches Zukunftsszenario bisweilen skizzenhaft bleibt, schließlich soll Raum für Fantasie bleiben. In „Morgen war Krieg“ ist dies allerdings Methode für die gesamte Erzählung. Das ist gerade vor dem Hintergrund der realen politischen Entwicklung in Deutschland und Europa schade. Wer sich trotzdem mit der besagten Frage „Was wäre, wenn?“ beschäftigen möchte, findet hier immerhin ein paar Denkanstöße. 

„Morgen war Krieg“

(Deutschland 2026), ein Film von Nicolas Ehret, mit Enno Trebs, Ulrich Matthes, Naila Schuberth u.a., 114 Minuten, FSK ab 12. 

www.progress.film/filmverleih

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