Iran-Aktivistin: Mullah-Regime könnte diesmal stürzen
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Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri bei einer Demonstration vor der iranischen Botschaft in Berlin.
Es ist schwierig geworden, verlässliche Informationen aus dem Iran zu erhalten, seit das dortige Regime in der vergangenen Woche das Internet abgeschaltet hat. Entsprechend unterscheiden sich auch die von dort vermeldeten Zahlen deutlich. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) beziffert die Zahl der Toten auf mindestens 734. Die Organisation Hengaw geht von 2.500 Toten aus, der in Exilsender Iran International berichtete gar von mehr als 12.000 Opfern. Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher liegen, glaubt die Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri.
Iran: Überfüllte Krankenhäuser und Massenbeerdigungen
Über das im Iran eigentlich verbotene, vom US-Milliardär Elon Musk betriebene Satellitennetzwerk Starlink dringen vereinzelt Informationen nach draußen, auch habe sie mit Augenzeugen sprechen können, die das Land verlassen haben. Seit Dienstagabend ist es zudem vereinzelt wieder möglich, per Festnetz aus dem Iran ins Ausland zu telefonieren. Sepehris Quellen zufolge lasse das Regime wahllos auf Menschen schießen. „Die Krankenhäuser sind überfüllt, die Leichenhallen sind überfüllt, auf dem Friedhof finden Massenbeerdigungen statt. Dieses Ausmaß können wir gar nicht begreifen“, sagt sie im Gespräch mit dem „vorwärts“.
In diesem Ausmaß der Gewalt sieht sie einen wesentlichen Unterschied im Vergleich zu den zurückliegenden Protesten im Jahr 2022, als Hunderttausende Menschen unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ auf die Straßen gingen, nachdem die iranische Kurdin Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam gestorben war. In der Brutalität, mit der das Regime auf die aktuellen Proteste im Land reagiert, zeigt sich nach Sepehris Ansicht auch die Angst der Mullahs vor einem Ende ihrer Herrschaft. „Das Regime ist so dermaßen am Ende, dass es bald vorbei sein könnte.“ Hoffnung mache ihr auch, dass die Menschen im Iran trotz der Brutalität weiter auf die Straße gingen.
Lob für Trump, Hoffnung auf EU
Allerdings glaubt sie, dass die kommenden Tage entscheidend für den Erfolg der Proteste sein werden. Denn: „Wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht entschieden handelt und die Protestierenden im Iran unterstützt, glaube ich nicht, dass die Menschen noch lange mit dieser Brutalität in der Art und Weise durchhalten werden.“ Diese Unterstützung könne vielschichtig sein. Positiv bewertet sie beispielsweise die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, zusätzliche 25-prozentige Zölle für all diejenigen Länder zu verhängen, die weiter mit dem Iran Handel treiben.
Ein Militärschlag der USA könnte aus ihrer Sicht hingegen im Zweifel sogar eher das Regime stärken. „Ich glaube, dass ein Krieg der Protestbewegung schadet. Denn wenn Bomben fallen, geht niemand auf die Straße.“ Für sinnvoller hielte sie es, wenn die EU ihre Ankündigung umsetzte und die Iranische Revolutionsgarde als terroristische Vereinigung einstufte. In Deutschland könnten die einzelnen Bundesländer wiederum einen Abschiebestopp für Menschen aus dem Iran verhängen.
Sichtbarkeit für Lage im Iran schaffen
Darüber hinaus sei es wichtig, auf zivilgesellschaftlicher Ebene vor allem Sichtbarkeit zu schaffen. „Das ist das A und O, weil die Internetabschaltung im Iran genau diesem Zweck dient, nämlich zu verhindern, dass weltweit sichtbar wird, was dort passiert.“
Und wie könnte es im Land weitergehen, sollten die Proteste erfolgreich sein und zum Sturz des Regimes führen? Manche Demonstrierende wünschen sich die Rückkehr von Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, der derzeit im Exil in den USA lebt. Sepehri sagt hingegen: „Ich hoffe, dass die Menschen im Iran zum ersten Mal in der Geschichte selbst entscheiden dürfen, wie ihr Land künftig aussehen soll.“
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo
Traufe, und der Schah wird etabliert. Wollen wir das wirklich. Wir sind doch- so auch BP Steinmeier in seiner Glückwunschnote- mit den Mullahs befriedigend ausgekommen