Rentenreform: Betriebsrente für alle? Warum der DGB das fordert
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Aus Sicht des DGB reicht die gesetzliche Rente kaum noch zum Leben.
Wie lässt sich die gesetzliche Rentenversicherung finanziell besser aufstellen, ohne Leistungen zu kürzen? Mit dieser Großbaustelle hat sich die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission beschäftigt. Am morgigen Dienstag wird sie ihre Vorschläge präsentieren. Vorab sorgte der Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit der Forderung für Aufsehen, eine verpflichtende Betriebsrente für alle Arbeitnehmer*innen einzuführen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.
Was ist eine Betriebsrente?
Neben der gesetzlichen und der privaten Rentenversicherung bilden Betriebsrenten die zweite Säule der Altersversorgung in Deutschland. Es gibt verschiedene Formen. Bei der sogenannten Entgeltumwandlung zahlen Arbeitnehmer*innen steuer- und sozialabgabenbegünstigt Beiträge in die Betriebsrente ein. Häufig sind Arbeitgeber verpflichtet, einen Zuschuss zu zahlen. Bei der arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente zahlt allein die Arbeitgeberseite in die Rentenkasse ein. Bei der Mischfinanzierung beteiligen sich Arbeitgeber und Beschäftigte an den Kosten.
Das angesparte Kapital wird nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als monatliche Rente oder als einmalige Kapitalauszahlung ausgezahlt. Bei gesetzlich Krankenversicherten können Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen, außerdem muss die Betriebsrente versteuert werden.
Wie viele Rentner*innen beziehen eine Betriebsrente?
Von den etwa 21 bis 22 Millionen Rentner*innen in Deutschland erhält ungefähr jede dritte Person eine Betriebsrente zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Das geht aus der Studie „Alterssicherung in Deutschland 2023“ der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersvorsorge hervor.
Wie hoch sind Betriebsrenten?
Einen offiziellen Durchschnittswert für alle Betriebsrenten gibt es nicht. Ihre Höhe hängt ab von der Dauer der Betriebszugehörigkeit, der Höhe des Einkommens und der Arbeitgeberzuschüsse, von der Branche und von dem Tarifvertrag sowie von der Art der betrieblichen Altersvorsorge.
Für die große Zusatzversorgung in Öffentlichen Dienst (VBL) betrug die durchschnittliche Betriebsrente im Jahr 2023 in den westlichen Bundesländern etwa 424 Euro. In den östlichen Bundesländern waren es etwa 235 Euro. In der Privatwirtschaft betrug die durchschnittliche Netto-Betriebsrente im Jahr 2023 521 Euro für Männer und 268 Euro für Frauen, so die Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersvorsorge.
Wie viele Arbeitnehmer*innen haben eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen?
Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hatten Ende des Jahres 2023 von 31,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 25 bis unter 67 Jahren 52 Prozent eine betriebliche Altersversorgung. In anderen europäischen Ländern sind Betriebsrenten weitaus stärker verbreitet. In den Niederlanden liegt die Quote bei 90 Prozent.
Warum fordert der DGB eine Betriebsrente für alle?
Der DGB sieht in der betrieblichen Altersvorsorge einen wichtigen Baustein gegen drohende Altersarmut. Die gesetzliche Rentenversicherung allein reiche für viele Menschen künftig nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Zudem kritisiert der DGB, dass bisher nicht alle Beschäftigten gleichermaßen davon profitieren. Beschäftigte in kleinen Unternehmen, mit niedrigen Einkommen oder in Teilzeitbeschäftigung hätten deutlich seltener eine Betriebsrente. Der DGB sieht darin eine soziale Ungleichheit.
Offen ist bislang, wer für die Altersvorsorge bezahlen soll. Klar sei aber, dass die Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden müssten, betonte die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi. Die betriebliche Altersvorsorge dürfe „nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer gehen“. Konkrete Eckpunkte kündigte sie für Ende des Monats an.
Wie steht die SPD zur betrieblichen Altersvorsorge?
Auch die SPD setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen eine Betriebsrente beziehen. Sie unterstützt grundsätzlich Modelle, bei denen Arbeitgeber einen Beitrag leisten. Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil hält Betriebsrenten für einen zentralen Baustein, um das Rentensystem in Deutschland zukunftsfähig zu machen. „Wenn wir die gesetzliche stärken, das haben wir gemacht, wenn wir die betriebliche verpflichtend machen und wenn wir die private ausbauen, dann haben wir eine Chance, das Rentensystem wirklich zukunftsfähig zu machen“, sagte der Bundesfinanzminister kürzlich in der ARD.
Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Betriebsrente für alle kommt?
Kritiker*innen verweisen auf höhere Arbeitskosten, wenn Arbeitgeber in eine verpflichtende Betriebsrente einzahlen. CDU und CSU pochen darauf, dass die Arbeitskosten gesenkt werden müssen, um die Produktivität zu steigern und die Wirtschaft anzukurbeln. Zudem setzen sich die Koalitionspartner der SPD dafür ein, die private Altersvorsorge auszubauen. Unterstützung kommt allerdings vom Arbeitnehmerflügel der Union. Insgesamt betrachtet ist es aber unwahrscheinlich, dass die Forderung des DGB eins zu eins umgesetzt wird.
Was hat die Bundesregierung bereits getan, um mehr Menschen eine Betriebsrente zu ermöglichen?
Das Anfang des Jahres in Kraft getretene Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die betriebliche Altersvorsorge stärken, vor allem bei Geringverdiener*innen und in kleineren und mittleren Unternehmen. Expert*innen sehen darin einen Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht ausreiche.
Als Knackpunkt gilt der Mangel an garantiefreien Produkten bei der betrieblichen Altersvorsorge. Nur wenn der Arbeitgeber nicht die Höhe der Leistungen in der Rentenphase garantieren muss, sind höhere Aktienquoten und damit höhere Renditechancen möglich.