Inland

Solidarisch gegen rechtsextreme Angriffe: Wie sich Südbrandenburg wehrt

14. September 2026 10:25:02
Brandanschläge, Angriffe auf Jugendclubs und Bedrohungen: In der Lausitz erleben engagierte Menschen zunehmend rechte Gewalt. Die Initiative „Sichere Orte“ lässt sich davon nicht einschüchtern. Doch nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wird die Frage dringlicher: Wie können sich Betroffene schützen?
Kulturzentrum Bunte Welt Cottbus

Das Kulturzentrum Bunte Welt in Cottbus: Im vergangenen Jahr wurde die Fassade durch einen mutmaßlichen Brandanschlag beschädigt.

Im Frühjahr 2025 hat sich in Südbrandenburg die Initiative „Sichere Orte“ gegründet. Was war der Auslöser?

Im Herbst 2024 gab es diesen Brandanschlag auf das Kulturhaus am Weinberg in Altdöbern. Der alte Gasthof, der schon zu DDR-Zeiten als Kulturhof genutzt wurde, galt bei Rechtsextremen als „linker Ort“. Es folgten weitere Angriffe auf andere Einrichtungen, zum Beispiel auf einen Jugendclub in Senftenberg und auf ein Hausprojekt in Cottbus. Als Betroffene war uns klar, dass das so nicht weitergehen kann. Und dass wir uns irgendwie organisieren müssen. Deshalb haben wir die Initiative „Sichere Orte“ gegründet. Wir, das sind Jugendclubs, Hausprojekte und sozialpolitische Einrichtungen aus den Landkreisen Elbe-Elster, Oderspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Cottbus. Gemeinsam wehren wir uns gegen rechte Angriffe.

Kommen die Anfeindungen immer von rechts?

Für den Brandanschlag auf den „Kultberg“ in Altdöbern wurde im vergangenen Monat die rechtsextreme Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle“ vom Hamburger Oberlandesgericht verurteilt. Das Gebäude brannte beinahe vollständig aus. Hinter dem Angriff auf das Jugendzentrum in Senftenberg steckte die rechte Fanszene des Fußballvereines Energie Cottbus. Der Jugendclub wurde mit Steinen angegriffen, auch wurde versucht, in die Räume einzudringen. Und auch auf das Hausprojekt in Cottbus gibt es immer wieder Brandanschläge, die mit einschlägigen Parolen untermalt werden.

„Es geht hauptsächlich um den Zusammenschluss, wenn beispielsweise ein Angriff stattgefunden hat.”

Was passiert, wenn es einen Vorfall gab? Wie vernetzt ihr euch?

Es gibt zwar auch unregelmäßige Treffen, aber es geht uns hauptsächlich um den Zusammenschluss, wenn beispielsweise ein Angriff stattgefunden hat. Dann geht es darum, füreinander einzustehen. Wir zeigen uns solidarisch: zum Beispiel mit einem Instagram-Post. Manchmal bringen wir den Betroffenen Kuchen vorbei oder fahren gemeinsam zu einem Soli-Konzert, das danach stattfindet. Auf jeden Fall machen wir immer Pressearbeit und helfen mit Spendenaktionen.

Wie hilft das mit Situationen umzugehen, die auch persönlich sehr bedrohlich sind?

Tatsächlich gab es im Sommer dieses Jahres auch Angriffe auf Einzelpersonen, die bei der Initiative aktiv sind. Wir haben daraufhin eine Demonstration organisiert und viel Solidarität erfahren. Es tut gut, nach solchen Angriffen nicht in eine Angststarre zu verfallen. Dafür ist es wichtig, die Unterstützung von vielen anderen zu spüren. Das gibt Kraft und hilft, weiterzumachen und hier zu bleiben.

„Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage, wie wir uns schützen können.”

Nun ist die AfD als stärkste Partei aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hervorgegangen. Wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus?

Nach solchen Wahlen wie jetzt in Sachsen-Anhalt wird nochmal klar, dass die Gefahr keine abstrakte ist. Das ist auch emotional belastend. Auf der einen Seite gibt es Resignation. Trotzdem wollen wir weitermachen. Dazu müssen wir schauen, wie wir unsere Strukturen sichern können. Und uns fragen, woher wir alternative Fördermittel bekommen und welche Sicherheitskonzepte wir jetzt brauchen. Es macht etwas mit dem Seelenfrieden, zu sehen, dass der Faschismus immer näher rückt. Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage, wie wir uns schützen und unterstützen können.

Ende August haben sich mehr als 80 Verbände – darunter Kirchen, Gewerkschaften und Sozialverbände – zu einem Bündnis für Demokratie zusammengeschlossen. Ziel ist, Bürger*innen, die von Rechtsextremen bedroht werden, zu unterstützen. Was könnte mit Blick auf eure Arbeit besser werden, was fehlt, was hilft?

Was auf jeden Fall fehlt, ist Geld. Das klingt banal, aber wir finanzieren uns hauptsächlich aus Spenden. Was weiterhin gut tut, ist Zuspruch. Manchmal bekommen wir Postkarten von Menschen, die uns Mut machen wollen. Oder Künstler*innen schicken uns ihre Kunstwerke. Das wirkt unterstützend. Wenn wir die Lausitz zu einem sicheren Ort machen wollen, gerade für Betroffene rechter Gewalt, dann brauchen wir vor allem eine Politik, die Minderheiten schützt und Menschen unterstützt, die sich für die Demokratie einsetzen.

Bundesweites Bündnis für Solidarität

Im „Bündnis Zusammen für Demokratie“ sind mehr als 80 Verbände organisiert, darunter der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Diakonie Deutschland, Greenpeace, die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen oder der LSVD+ – Verband Queere Vielfalt. Am 27. August 2026 hat das Bündnis eine Solidaritätsvereinbarung bekanntgegeben. 

In einer Mitteilung erklärt es: „Nach Anschlägen auf Jugend- oder Kulturzentren, bei Hass-Kampagnen gegen Menschen, die sich öffentlich äußern, oder wenn ehrenamtlich Engagierte bedroht werden, wollen die Bündnis-Mitglieder praktische Hilfe anbieten. Das kann je nach Lage unter anderem in der Form einer öffentlichen Solidarisierung oder durch rechtliche oder finanzielle Unterstützung geschehen.“ Die Solidaritätsvereinbarung soll Bürger*innen ermutigen, ihr Engagement trotz zunehmender Anfeindungen durch Rechtsextreme fortzusetzen. 

Autor*in
Avatar
Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

Weitere interessante Rubriken entdecken

3 Kommentare

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Mo., 14.09.2026 - 16:44

Permalink

mögen die anderen andere Schwerpunkte in das Zentrum rücken wollen, wir wissen es besser. Der Feind steht rechts- und darauf müssen wir uns zuallererst konzentrieren. Die anderen Themen sind vergleichsweise belanglos

Gespeichert von Irmela Mensah-… (nicht überprüft) am Mo., 14.09.2026 - 21:52

Permalink

Während meiner Aktionen seit 40 Jahren bundesweit, d.h. in Brandenburg seit der Wende erlebe ich schon bemerkenserte Dinge...
Meine Bemühungen um die Beseitigung der NS Schmierereien rund um den Bahnhof Altdöbern seit vor dem Brandanschlag 2025, 1 1/2 Jahre lang und etwas später vergeblich um die übersehene "NS Kiez" Sprüherei ohne Behörden-Reaktion.
Dann in Calau 2024 die Strafanzeige gegen mich wegen Übersprayen einer "Fck Jew" Botschaft...
Dass man aber eben dort, wo es nötig wäre, kein Interesse an meinen Projekt-Angeboten vorhanden ist, so frage ich mich schon länger, was man dann vor Ort eigentlich erreichen will?
Das außer dem großen Hakenkreuz an der Synagoge, ein Schriftzug auf der Bank davor ("Scheiß Juden") bei den Ermittlungen übersehen wurde....
Dafür wird allzu gern mein Engagement als Nestbeschmutzung betrachtet!
162 dicke Ordner meiner Doku mit all den unerträglichen Hassbotschaften bundesweit bestätigen mir: Hier ist einiges im ARGEN!

Gespeichert von Peter Boettel (nicht überprüft) am Di., 15.09.2026 - 10:07

Permalink

Komisch, dass man in den Medien nichts von diesen rechtsextremen Angriffen erfährt. Dies sollte vielmehr publiziert werden, um evtl. noch unentschlossene Wähler von dieser verfassungswidrigen AfD fernzuhalten!