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Zum Tod von SPD-Politiker Klaus Hänsch: Ein Europäer mit Herz und Seele

7. August 2026 09:46:25
Klaus Hänsch prägte das Europäische Parlament über drei Jahrzehnte und war von 1994 bis 1997 dessen Präsident. Die SPD war für ihn alternativlos. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben. 
Schwarz-Weiß-Porträt von Klaus Hänsch, ehemaliger Präsident des Europaparlaments

Europa war für ihn keine abstrakte Idee: Im Alter von 87 Jahren ist der frühere Präsident des Europaparlaments, Klaus Hänsch, verstorben.

Geboren 1938 im schlesischen Sprottau, nach dem Krieg mit seiner Mutter geflüchtet nach Flensburg. Abitur, Studium der Geschichte, Politologie und Soziologie in Köln, Paris und Berlin. In Herkunft und Werdegang waren die späteren Passionen von Klaus Hänsch bereits angelegt. Sein Vater war Werftarbeiter, seine Mutter Verkäuferin. „Kleinste Verhältnisse, da gab es nichts anderes für mich als Sozialdemokratie“, sagte Hänsch in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“. Folgerichtig trat er 1964 in die SPD ein.

Die erste Direktwahl ins Europäische Parlament

Den Blick für Europa, insbesondere für den Nachbarn Frankreich, öffnete ihm sein Studienaufenthalt in Paris. Und dieser Blick bescherte ihm 1966 die Aufgabe als Referent bei NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn, der Beauftragter der Bundesregierung für die kulturelle Zusammenarbeit mit Frankreich war.

Nach einer Station als Pressereferent im NRW-Wissenschaftsministerium bei dem späteren Ministerpräsidenten Johannes Rau, gescheiterten Versuchen, ein Bundestags- oder Landtagsmandat zu erreichen, kam für den im nordrhein-westfälischen Erkrath lebenden Hänsch 1979 die entscheidende politische Weggabelung für sein Lebenswerk.

Bei der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments wurde der Sozialdemokrat, der als Vorsitzender des Unterbezirks Mettmann der Region verhaftet blieb, als Abgeordneter gewählt. Wie groß die Erwartungen und Hoffnungen  zu einer parlamentarischen Grundierung Europas waren, lässt sich daran ermessen, dass der SPD-Vorsitzende Willy Brandt wie selbstverständlich die Spitzenkandidatur der deutschen Sozialdemokraten übernahm. 

Warum Europa für Hänsch immer ein Friedensprojekt war

Es war „der Zauber des Anfangs“ eines europäischen Aufbruchs, wie Heidemarie Wiezcorek-Zeul diese Wahl einmal im „vorwärts“ beschrieb. Diesen Aufbruch gestaltete Klaus Hänsch 30 Jahre bis 2009 entscheidend mit. 1994 und 1999 trat er als Spitzenkandidat der SPD in die Spuren Brandts. Von 1994 bis 1997 war er Präsident des EU-Parlaments und mehr denn je getrieben von dem Willen: „Wir machen aus diesem Parlament ein Parlament, das etwas zu sagen hat.“

Europa war für den Mann, der bei Johannes Rau gelernt hatte, die Sprache der Menschen zu sprechen, keine abstrakte Idee. Es war für ihn unumstößliche Gewissheit, dass ein starkes Europa für die Menschen vor Ort unersetzlich sei. Wenn die Menschen in seinem Wahlkreis mal schimpften, Brüssel sei teuer, koste nur, hatte er eine knappe Antwort: „Europa ist Frieden.“

„Kontinent der Hoffnungen“: Sein politisches Vermächtnis

Aus der aktiven Politik ausgeschieden, schrieb Hänsch 2011 seine Memoiren mit dem programmatischen Titel „Kontinent der Hoffnungen“. Das engagierte Plädoyer eines EU-Veterans, würdigte Martin Winter, langjähriger Brüssel-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“. 

Fünf Jahre später im schon erwähnten Deutschlandfunk-Interview mit Ursula Welter mahnte Klaus Hänsch – nach überstandener Euro-Krise und beginnenden Streitereien über den Umgang mit Geflüchteten – den  Weg zur Gemeinsamkeit nicht aufzugeben, sondern „Haltung zeigen“. Und als wäre es sein Vermächtnis – gerade heute, wo Russland die Ukraine und damit Europa mit Krieg überzogen hat – forderte er geradezu vorausschauend: 

„Wir müssen das, was wir gewonnen haben über die Jahrzehnte – und das ist vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte nahezu unglaublich – festhalten und deutlich machen, dass wir nicht bei der ersten großen Krise kopflos auseinanderlaufen.“

Klaus Hänsch, der geborene Schlesier, im deutschen Norden groß, am Niederrhein heimisch gewordene Europäer mit Herz und Seele, ist am 4. August mit 87 Jahren in seiner Wahlheimat gestorben.

Autor*in
Norbert Bicher

arbeitete in den 1980er und 1990er Jahren frei für den „Vorwärts". Danach war er Parlamentskorrespondent, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und des Verteidigungs­ministeriums.

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