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Maximilian Bieri: Mit sportlichem Ehrgeiz zum Hanauer Oberbürgermeister

10. März 2026 11:38:29
Er ist der Wunschnachfolger von Amtsinhaber Claus Kaminsky, der nach 23 Jahren aufhört: Maximilian Bieri tritt für die SPD an, um neuer Hanauer Oberbürgermeister zu werden. Mit wichtigen Wettkämpfen kennt er sich aus.
Zwei, die um Claus Kaminskys Nachfolge nach 23 Jahren als Hanauer Oberbürgermeister konkurrieren: Für die SPD geht Bürgermeister Maximilian Bieri (l.) ins Rennen, für die CDU Stadträtin Isabelle Hemsley.

Zwei, die um Claus Kaminskys Nachfolge nach 23 Jahren als Hanauer Oberbürgermeister konkurrieren: Für die SPD geht Bürgermeister Maximilian Bieri (l.) ins Rennen, für die CDU Stadträtin Isabelle Hemsley.

Als Claus Kaminsky (SPD) 2003 zum Hanauer Oberbürgermeister gewählt wurde, war Maximilian Bieri gerade 13 Jahre alt geworden. 23 Jahre später berichtet er von einem gemeinsamen Abendessen mit Kaminsky vor einigen Monaten: „Da hat er zu mir gesagt: ‚Ich möchte gerne, dass du mein Nachfolger und der nächste Oberbürgermeister der Brüder-Grimm-Stadt Hanau wirst.‘“ Anschließend stand Bieris Entschluss zur Kandidatur bei der Wahl am 15. März fest. Überraschend war das nicht. Denn bereits seit drei Jahren ist der Sozialdemokrat Bürgermeister, vorher war er Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung. 

„Ich bin hier in Hanau aufgewachsen, besser gesagt hier in Steinheim, und war fasziniert von dem, wie sich die Stadt fortentwickelt hat“, sagt der 35-Jährige und will von diesen Fortschritten berichten. Deshalb bietet er in allen Stadtteilen Kleinbustouren an, um mit Bürger*innen ins Gespräch zu kommen, darüber, was sich verändert hat und was sie sich für die Zukunft wünschen. 

Am Freitag, neun Tage vor der Wahl, ist die Tour für Bieri besonders persönlich. Denn sie führt durch Steinheim, den Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist.

Neue Klassenzimmer für Bieris Grundschule

„Hier ist meine alte Grundschule. Dort hinten war früher mein Klassenzimmer“, zeigt der promovierte Mathematiker, als der Bus an der Theodor-Heuss-Schule hält. Dort ist derzeit eine große Baustelle. Die Schule wird modernisiert, bekommt neue Klassenräume, die im Laufe des Schuljahres 2027/28 fertig werden sollen. Das gefällt nicht allen. Ein Nachbar kommt vorbei, grummelt, droht mit Klage, weil ihm der Blick auf den Main verbaut werde. 

„Es ist ein Riesending, dass es gemacht wird“, lobt hingegen Thomas Knieps, Kassierer im Geschichtsverein Steinheim. Er hat eine lange Wunschliste für die Tour mitgebracht. Zum Beispiel für den Burggarten. Im Sommer toben hier dutzende Kinder auf dem Spiel- und Basketballplatz. Im Winter gastiert der Weihnachtszirkus auf dem Platz. Eigentlich also eine grüne Oase mitten in der Stadt. Doch Knieps schaut genauer hin. Der Zirkus hinterlasse eine Mischung aus Kamel-Dung und Streu, kritisiert er. Auch die Tümpel, die den Burggarten umgeben, sind ihm ein Dorn im Auge. Bieri nimmt sich der Sache an und schickt direkt eine Sprachnachricht an seinen Referenten.

Stichwahl zwischen CDU und SPD wahrscheinlich

Auch eine öffentliche Toilette wünscht sich Knieps. Bieri denkt laut über eine selbstreinigende Naturtoilette nach. „Vielleicht wäre das eine Idee“, sagt er. Als keine gute Idee entpuppte sich dagegen ein Einfall der hauptamtlichen CDU-Stadträtin Isabelle Hemsley. Sie ließ im Burggarten ein mobiles Kneippbecken aufstellen, das nicht nur bei SPD-Mitgliedern, sondern auch in der Bevölkerung für Spott sorgte. Umso mehr freut es Bieri, während der Tour verkünden zu können, dass die Kneippanlage an ihrem ursprünglichen Standort im Steinheimer Hellental saniert wird. 

Das lässt sich die Stadt einiges kosten, ist aber in Wahlkampfzeiten auch nicht unwichtig. Wobei der SPD-Kandidat nicht von „Kampf“ sprechen will: „Es ist ein Wettbewerb, der am Ende durch die Bürgerinnen und Bürger entschieden wird. Das Kandidatentableau kann sich wirklich sehen lassen.“ Sechs Kandidierende sind es insgesamt. Die besten Chancen auf den Einzug in die Stichwahl am 29. März werden Bieri und seiner CDU-Kontrahentin Hemsley eingeräumt. Die beiden haben manches gemeinsam: Sie sind fast gleich alt und beide seit drei Jahren hauptamtlich für die Stadt Hanau tätig. Bieri als Bürgermeister, Hemsley als Stadträtin.

Kaminsky hielt Hanau nach dem Anschlag zusammen

Es bahnt sich also in jedem Fall ein Generationswechsel an. Nach 23 Jahren im Amt hinterlässt Claus Kaminsky große Fußstapfen. Der Amtsinhaber führte die Brüder-Grimm-Stadt sicher durch schwierige Zeiten – Wirtschaftskrisen, die Corona-Pandemie und die Zeit nach dem Tag, den Kaminsky als „schwärzesten Tag der Stadt in Friedenszeiten“ bezeichnete: den rechtsextremen Anschlag vom 19. Februar 2020.

Unter Kaminsky hielt die Stadt zusammen. Eine Stadt, in der Menschen aus mehr als 150 Nationen zusammenleben, sagt Bieri: „Vielfalt gehört zur Geschichte dieser Stadt.“ Er ist froh, dass der Anschlag im Wahlkampf insoweit keine Rolle spielt, als dass alle Entscheidungen mit Blick auf die Aufarbeitung einstimmig getroffen worden sind.

Oberbürgermeister-Kandidat: Sport als Ausgleich

Ausgleich findet Bieri – der neben der deutschen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt – im Sport, beim Wandern in den Schweizer Bergen, vor allem aber beim Volleyball. Mit der TG Hanau spielt er in der Oberliga Hessen, der fünfthöchsten Spielklasse. Dort belegen die Hanauer aktuell den dritten Rang. Bieri versucht, mindestens einmal pro Woche zum Training zu kommen: „Das Gute ist, dass wir erst abends um acht Uhr trainieren. Oft nehme ich dann meine Sporttasche schon gepackt mit zur Sitzung.“ Seinen Stammplatz habe er zwar mittlerweile verloren, nicht aber den Spaß am Spiel.

Maximilian Bieri

Früher als Stammspieler in der Regionalliga, inzwischen als Ersatzmann in der Oberliga Hessen ist Maximilian Bieri regelmäßig für die Volleyballer der TG Hanau am Ball.

Sportlich unterwegs: der Hanauer SPD-Oberbürgermeisterkandidat Maximilian Bieri beim Volleyball

Passenderweise hat er sich auch für seine Wahlparty die Räumlichkeiten eines Sportvereins, des Turn- und Fechtclubs Steinheim, ausgesucht. Dort will er gemeinsam mit seinen Unterstützer*innen auf die Wahlergebnisse schauen und über jeden Prozentpunkt jubeln, der den roten Balken ein Stück weit wachsen lässt – und ihn an sein Ziel bringt, Hanauer Oberbürgermeister zu werden.   

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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