Nachruf: Warum wir Carsten Träger zu Dank verpflichtet sind
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Eine besondere Spezies Politiker: Der SPD-Abgeordnete Carsten Träger ist im Alter von 52 Jahren gestorben.
Carsten Träger war eine besondere Spezies Politiker. Während Naturschutz in den meisten Fraktionen nicht als das Lieblingskind des Abgeordneten gilt, hat er schon früh sein Herz an den Schutz unserer Lebensgrundlagen verloren.
Für ihn waren Natur- und Artenschutz keine austauschbaren Themen, keine Randnotizen in Sonntagsreden. Er hat für sie eingestanden – klar, verlässlich, ohne sich aufzudrängen. Und er ist dabei immer Mensch geblieben: zugewandt und ansprechbar, mit einem feinen Gespür für das, was andere bewegt – und zwar unabhängig davon, mit wem er sprach. Carsten Träger ohne Naturschutz war nie denkbar. Naturschutz ohne ihn wird schwer vorstellbar.
Nicht bunte Kampagnen, sondern wirksame Gesetze
Seit seinem ersten Tag im Bundestag war eine nachhaltigere Zukunft das zentrale Thema von Carsten Träger. 2013 als nachhaltigkeitspolitischer Sprecher gestartet, stand er dafür ein, die Globalen Entwicklungsziele (SDGs) in konkrete Politik für die Menschen zu übersetzen. Dabei war er immer überzeugt: Es braucht nicht bunte Kampagnen, sondern wirksame Gesetze.
Carsten Träger war kein Mann der großen Geste, sondern einer, der auf Wirkung – vor allem hinter der Bühne – gesetzt hat. Für ihn zählte nicht die schnelle Pointe, sondern das Ergebnis. Er wusste: Polarisieren mag kurzfristig Aufmerksamkeit bringen. Aber es bringt ihn nicht ins Ziel. Deshalb hat er verbunden, statt zu spalten.
Die Bürger*innen als Baumeister der Transformation
Im Deutschen Naturschutzring habe ich Carsten Träger als verlässlichen Partner erlebt. Einen, der sich keinem Gespräch verweigerte, der immer erreichbar war. Als jemanden, der an die Stärke des Rechtsstaats glaubte. Für ihn gehörten gute Gesetze und ein starkes Miteinander von Bürger*innen und Staat untrennbar zusammen. Für Carsten Träger waren Diskussionen und Kontroversen keine lästigen Stolpersteine. Im Gegenteil: Er sah in den Bürger*innen die Baumeister einer gelingenden Transformation in eine nachhaltigere, resilientere Zukunft.
In der Deutschen Bundesstiftung Umwelt habe ich ihn als Kämpfer für den Erhalt unseres Naturerbes erlebt. Als jemanden, der verstehen wollte, warum Dinge gut – und manchmal auch weniger gut laufen. Als jemanden, der eine besondere Leidenschaft für den Schutz unserer Meere entwickelt hat. Wie weitsichtig!
Und ich habe ihn als Freund erlebt. Als jemanden, der bei aller fachlichen Klarheit immer ein herzlicher und bodenständiger Mensch geblieben ist. Als jemanden, mit dem ich oft auch lachen konnte.
Was von Carsten Träger bleibt
Carsten Träger hinterlässt eine große Lücke – und ein Erbe, das wir nun gemeinsam einlösen müssen: Er hat früh dafür geworben, Natur nicht als „Wenn noch Geld übrig ist“-Politik zu behandeln, sondern als das, was sie ist – die natürliche Infrastruktur, die uns schützt. Er wusste, dass sie so systemrelevant ist wie Straßen, Stromnetze und all das, worauf wir uns jeden Tag verlassen.
Dass nun ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das diese natürliche Infrastruktur stärken soll, trägt seine Handschrift. Carsten Träger hat diese Idee in die Fraktion, in die Koalitionsverhandlungen, in die Regierung getragen. Jetzt sind wir gefragt, dieses Gesetz zum Erfolg zu führen. Für Carsten Träger. Aber vor allem für uns alle.