Meinung

Fußball muss politisch sein, um ihn nicht Trump und Infantino zu überlassen

8. Juni 2026 05:29:43
Am Donnerstag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaften in den USA, Mexiko und Kanada. Fußball und Politik lassen sich dabei nicht trennen. Die WM-Bühne sollte deshalb im Sinne einer progressiven und pluralistischen Gesellschaft genutzt werden, statt sie Trump oder dem Emir von Katar zu überlassen.
US-Präsident Donald Trump soll den FIFA-Friedenspreis von deren Boss Gianni Infantino bekommen und hängt sich die Medaille kurzerhand selbst um.

US-Präsident Donald Trump soll den FIFA-Friedenspreis von deren Boss Gianni Infantino bekommen und hängt sich die Medaille kurzerhand selbst um.

Fußball ist politisch. Wer daran zweifelt, muss sich nur die Verleihung des eigens für ihn geschaffenen „FIFA-Friedenspreises“ an Donald Trump anschauen. Eine unwürdige Veranstaltung nicht nur weil der US-Präsident sich die dazugehörige Medaille kurzerhand selbst umhängte. Auch das Lob von FIFA-Boss Gianni Infantino für Trumps „unermüdliche Bemühungen, die Menschen im Geiste des Friedens zusammenzubringen“, dürfte in Venezuela, Nigeria oder Iran für Unverständnis gesorgt haben.

Der Fußball ist politisch – so oder so

Letztlich war die Preisverleihung nur ein weiterer Fall von „Sportswashing“, also dem Versuch nicht ganz so lupenreiner Demokraten, ihr Image mithilfe sportlicher Großveranstaltungen aufzupolieren. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an Paris St. Germain! Der Verein gewann vor wenigen Tagen zum zweiten Mal in Folge die Fußball-Champions-League der Männer. Dieser sportliche Erfolg wäre ohne das finanzielle Engagement von Katar nicht möglich gewesen. Jenem Staat, in dem tausende Gastarbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen für das Gelingen der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 geschuftet haben.

Wer jedoch aus dem unsympathischen Gebaren von Trump, Infantino und dem Emir von Katar den Schluss zieht, der Fußball dürfe nicht politisch sein, verkennt, dass er es so oder so ist. Die Frage ist nur, wer es versteht, diese politische Bühne für sich zu nutzen. Nicht im Sinne von Kommerz, Korruption und der Kultivierung kapitalistischer Interessen, sondern für einen fairen, friedlichen und fanorientierten Fußball. Für einen Sport, der sich aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie stellt.

Fans und Spieler können politisch Einfluss nehmen

Die Fans in der deutschen Fußball-Bundesliga der Männer haben schon gezeigt, welche Macht sie haben, als sie durch ihren aktiven Protest ein dubioses Investorenmodell oder die Montagsspiele gekippt haben. Doch auch Spieler können aktiv werden. Das zeigte beispielsweise der geniale brasilianische Mittelfeldstar Sócrates. Beim brasilianischen Spitzenverein Corinthians São Paulo setzte er in den 80er-Jahren basisdemokratische Strukturen durch und forderte die Fans auf, sich gegen die Militärdiktatur und für die Demokratie zu engagieren.

Fußball darf nicht politisch sein, will er seine Werte bewahren, fordert dagegen vorwärts-Chefredakteur Kai Doering.

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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