Inland

„Wir müssen unser Land vor den Folgen des Klimawandels schützen“

24. August 2026 09:44:47
Deutschland bekommt die Klimakrise immer deutlicher zu spüren. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will Klimaanpassung als neue Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz schreiben. Im Interview erklärt er, warum sich die Folgen des Klimawandels dadurch besser bewältigen ließen.
Carsten Schneider Porträtfoto

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) 

In diesem Sommer gab es ausgetrocknete Flüsse, Waldbrände und mehr als 12.000 Hitzetote in Deutschland. Nun fordern mehrere SPD-geführte Ministerien ein „Sofortprogramm Klimaanpassung und Hitzeschutz“. Um was für Maßnahmen geht es da konkret?

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass wir unser Land dringend vor den Folgen des Klimawandels schützen müssen. Wir haben alle diese extreme Hitze gespürt, gerade für ältere Menschen und Kinder war das eine große Belastung. Dazu die ausgetrockneten Flüsse und die Waldbrände, die ganze Existenzen bedrohen. Viele Kommunen tun schon viel, um sich an die neue Realität anzupassen. Aber die Aufgabe ist so groß, dass es eine gemeinsame Kraftanstrengung braucht. 

Darum werben wir für eine neue Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz. Weil das ein dickes Brett ist, schlagen wir zudem auch kurzfristig wirksame Maßnahmen vor, um zum Beispiel Pflegeheime und Krankenhäuser dabei zu unterstützen, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Aber es geht auch um Hitzeschutz am Arbeitsplatz oder für Menschen mit Behinderungen. Oder um den Umbau unserer Wälder, weg von den Monokulturen hin zu klimastabilen Mischwäldern, die übrigens auch die Umgebung kühlen und Wasser speichern.

„Wer in älteren Wohnungen wohnt, leidet besonders stark unter der Hitze.”

Die Folgen des Klimawandels seien sozial ungleich verteilt, heißt es in den Vorschlägen der SPD-geführten Ministerien. Warum ist Klimaanpassung auch eine soziale Frage?

Wer keinen eigenen Garten hat oder in nicht so gut gedämmten älteren Wohnungen wohnt, leidet besonders stark unter der Hitze. Darum braucht es Gemeinschaftslösungen, zum Beispiel kühle Räume, die für alle zugänglich sind und ein System, das bei Hitze auch darüber informiert, wo diese Räume sind. Mehr Stadtbäume, entsiegelte Flächen, kühlende Parks und Wasserflächen für alle helfen auch. Das kann an einem heißen Tag mehrere Grad Unterschied machen im Vergleich zur Betonwüste.

Du drängst darauf, Klimaanpassung zu einer sogenannten Gemeinschaftsaufgabe zu machen. Das heißt, neben den Ländern und Kommunen soll auch der Bund dafür mitzuständig werden. Was würde sich damit in der Praxis konkret verbessern?

Momentan kann ich vorbildliche Modellprojekte zur Klimaanpassung fördern. Das hilft, weil wir dadurch Lösungen ausprobieren können und wissen, was funktioniert. Aber letztlich muss ein vorausschauender Umgang mit den Klimafolgen ja zum Standard werden für alle im Land. Dafür brauchen wir eine strukturierte, effektive Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen – eine Gemeinschaftsaufgabe eben.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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