AfD und Neue Rechte: Wer steckt hinter der Identitären Bewegung?
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Die Identitäre Bewegung Deutschland gilt als eine der Vorfeldorganisationen der „Neuen Rechten“. Es gibt vielschichtige Verbindungen zur AfD, die sich aktuell auch in Mails aus den AfD-Leaks ergeben. In einem Gespräch mit dem Portal „The Pioneer“ regte SPD-Politikerin Carmen Wegge nun an, ein Verbot der als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Bewegung zu überprüfen.
Wer steckt hinter dem Verein, der sich inzwischen als Partei bezeichnet? Welche Verbindungen gibt es zur AfD? Was sagt das Bundesamt für Verfassungsschutz? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Wie agiert die „Identitäre Bewegung Deutschland“ im Netzwerk der Neuen Rechten?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) zählt die „Identitäre Bewegung Deutschland“ (IBD) zum Netzwerk der Neuen Rechten in Deutschland. Zu diesem Netzwerk gehören Gruppierungen, Einzelpersonen und Organisationen, wie das „Institut für Staatspolitik“ (IfS) als Strategen, das „COMPACT-Magazin GmbH“ als Meinungsmacher, der Verein „Ein Prozent“ als Netzwerker und der Verlag Antaios. Das BfV beobachtet seit Jahren eine zunehmende Vernetzung auch in das Parteienspektrum, insbesondere zur AfD und deren Jugendorganisation „Generation Deutschland“.
Die neurechten Akteure versuchen anhand unterschiedlicher Strategien „antiliberale bis antidemokratische Positionen in Gesellschaft und Politik durchzusetzen“. Sie eint laut einer Übersicht des Bundesamts das Ziel einer „Kulturrevolution von rechts“. Als führender Kopf der Neuen Rechten gilt der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner. Sellner war bis 2023 Sprecher der rechtsextremistischen „ldentitären Bewegung Österreich“ (IBÖ).
Was steckt hinter Konzept der „Remigration“ von Martin Sellner?
Bekannt ist Martin Sellner hierzulande spätestens seit einem Treffen von Rechtsextremisten, AfD-Politiker*innen und einzelnen CDU-Mitgliedern in Potsdam im November 2023, über das das Medienhaus „Correctiv“ berichtete. Dort stellte er sein Konzept zur „Remigration“ vor.
Das Bundesverwaltungsgericht befand im Jahr 2025, dass Sellners „Remigrationskonzept“ verfassungswidrig sei. Die Vorstellungen hinter dem Konzept, so das Urteil, gingen von einer zu bewahrenden „ethnokulturellen Identität“ aus und behandelten deshalb deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund als „Staatsbürger zweiter Klasse“.
Medienberichten zufolge gründete Sellner im Sommer 2026 die Firma „Institut für Remigration“ in Magdeburg. Wie das Magazin „Die Zeit“ berichtet, veröffentlichte das Unternehmen bereits ein Strategiepapier zur Migrationspolitik in Sachsen-Anhalt. Das Bundesland, in dem die AfD die Landtagswahl im September gewann und möglicherweise den künftigen Ministerpräsidenten stellt, soll laut dem Papier ein „Remigrationsmusterland“ werden. Der AfD-Spitzenkandidat der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, nahm 2023 ebenfalls am „Potsdamer Treffen“ zur „Remigration“ teil.
Welche Verbindungen gibt es zwischen der Identitären Bewegung und der AfD?
Die Verbindungen der Identitären Bewegung zur AfD sind vielschichtig und reichen vom „Potsdamer Treffen“, bei dem führende AfD-Mitglieder anwesend waren, bis zur Nutzung des Begriffs „Remigration“, der im Wahlprogramm der Partei zur Bundestagswahl 2025 stand.
Wie kontrovers die AfD bereits seit 2017 den Begriff „Remigration“ diskutiert, zeigt außerdem eine aktuelle Recherche der „Süddeutschen Zeitung“, die auf der Auswertung geleakter E-Mails der AfD basiert. Deutlich wird dabei nicht nur die enge Verflechtung der AfD mit der Identitären Bewegung, sondern auch, wie die AfD strategisch versucht, den Begriff „Remigration“ je nach Situation umzudeuten. Es geht darum, keine Argumente zu liefern, die ein mögliches AfD-Verbotsverfahren unterstützen würden, trotzdem sollen die „Rückführungen von Menschen“ salonfähig gemacht werden.
Offiziell hat die AfD einen Unvereinbarkeitsbeschluss zur Identitären Bewegung, was bedeutet, dass Mitglieder der Identitären nicht AfD-Mitglied sein dürfen. In der Praxis sieht das jedoch anders aus. Wie das Magazin „Die Zeit“ berichtete, war unter anderem der Sprecher der Identitären Bewegung Deutschland, Maximilian Märkl, einige Jahre AfD‑Mitglied, bis er im Februar 2026 aus der Partei austrat.
Warum nennt sich die Identitäre Bewegung eine Partei?
Maximilian Märkl ist inzwischen als Vorsitzender der Partei Identitäre Bewegung Deutschland registriert. So ist es im Parteiregister der Bundeswahlleiterin hinterlegt. Demnach ist die Partei bundesweit tätig und hat ihren Sitz in Chemnitz. Vermutet wird, dass die Identitäre Bewegung so einem möglichen Verbot des Vereins entgehen wollte, allerdings reicht eine Registrierung als Partei nicht unbedingt aus, um vor Gericht auch als Partei zu gelten. Für Vereinsverbote ist bei bundesweit aktiven Gruppierungen das Bundesinnenministerium (BMI) zuständig. Parteien hingegen sind vom Grundgesetz besonders geschützt und können nur vom Bundesverfassungsgericht verboten werden.
hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.