Inland

Fachkräftemangel und Ausbildung: Wir brauchen mehr Druck auf die Betriebe

28. Mai 2026 14:05:00
Pflege, Handwerk, Gastronomie: Viele Branchen suchen verzweifelt Fachkräfte. Doch zahlreiche Unternehmen bilden selbst kaum aus und profitieren von der Ausbildung anderer. Das ist nicht fair – aber eine Ausbildungsplatzumlage könnte es ändern.
Dachdecker arbeiten auf einem Dach

Die deutsche Wirtschaft klagt über einen zunehmenden Fachkräftemangel. Das Problem ist nicht in allen Regionen und allen Branchen gleich, aber es nimmt zu. Für das rohstoffarme Deutschland ist das ein großes Problem, denn sein „Rohstoff“ sind die – wenn möglich – gut ausgebildeten Menschen.

Doch nicht alle Unternehmen haben daran ihren Anteil. Es gibt zahlreiche Trittbrettfahrer, die selbst nicht ausbilden, sondern stattdessen die von der Konkurrenz ausgebildeten Fachkräfte abwerben.

Mangel an Fachkräften: Wie eine Umlage helfen könnte

Dagegen kann eine Ausbildungsplatzumlage helfen. Indem die Unternehmen, die nicht oder zu wenig ausbilden, eine Umlage zahlen, unterstützen sie mit diesem Geld die ausbildenden Betriebe. Somit wird für die Ausbildenden das Ganze kostengünstiger, denn eine Berufsausbildung kostet die teilnehmenden Unternehmen Zeit, Personal und Geld. Zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben wird so ein Kostenausgleich hergestellt und damit ein Stück mehr Wettbewerbsgleichheit.

Baubranche: Wo die Ausbildungsplatzumlage Erfolg hat

Die Erwartung ist, dass so mehr Ausbildungsplätze entstehen. Das ist besonders wichtig in den Bereichen Pflege, Handwerk und Gastronomie, deren Branchenverbände seit Jahren über einen Fachkräftemangel klagen.

Dass die Ausbildungsplatzumlage funktioniert, beweist die Baubranche, wo sich die Tarifparteien auf ein solches Modell geeinigt haben und es seit Jahrzehnten mit Erfolg praktizieren. In den Bundesländern Bremen und Berlin gelten ähnliche Modelle. Und auch im Ausland werden sie angewendet, so etwa in Skandinavien und in Frankreich.

Warum es keine Umlage auf Bundesebene gibt

Mit Blick auf die Fakten stellt sich mit Recht die Frage: Warum nicht auf Bundesebene? CDU und CSU haben entsprechende Vorschläge für eine bundesweite Ausbildungsplatzumlage aus SPD und Gewerkschaften abgeblockt. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag findet sich das Thema auch nicht wieder.

Doch das heißt zum Glück nicht, dass die Idee tot wäre. Im Gegenteil. Dass mit Berlin ein schwarz-rot regiertes Bundesland nun eine Ausbildungsplatzumlage einführt, ist ein wichtiger Erfolg für SPD und Gewerkschaften, der Vorbild und Ansporn sein sollte. 

Warum Hubertus Heils Ausbildungsgarantie nicht ausreicht

Denn so gut die 2024 auf Bundesebene eingeführte „Ausbildungsgarantie“ des damaligen Bundesarbeitsministers Hubertus Heil auch ist, sie reicht nicht aus. Sie umfasst wichtige Beratungs- und Unterstützungsangebote, ein staatlich gefördertes Praktikum zur Berufsorientierung und einen Rechtsanspruch auf die Förderung einer außerbetrieblichen Berufsausbildung.

Aber das ersetzt eben keine Ausbildung in einem Unternehmen – hier kann die Ausbildungsplatzumlage einen wichtigen Beitrag leisten. Die Politik muss das nun erkennen und entsprechend handeln. 

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