„Ne Joode Ruude“: SPD Wiederaufbau an der Ahr mit Rotwein
IMAGO/Marc John
Die älteste der Welt: Seit 1868 gibt es die Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr. Bei der Flutkatastrophe 2021 wurde auch sie stark beschädigt.
In wenigen Wochen jährt sich die Flutkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal. Im Juli 2021 verwüstete sie große Teile der rheinland-pfälzischen Region. Davon betroffen war auch die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, deren Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sie wurde 1868 gegründet und ist damit die älteste Winzergenossenschaft der Welt. Noch fünf Jahre älter ist die SPD als älteste Partei Deutschlands. Was läge also näher als eine Kooperation dieser beiden traditionsreichen Organisationen?
SPD-Wein: 1.000 Flaschen in sieben Monaten verkauft
Das dachte sich auch Renate Strauch von der Arbeitsgemeinschaft 60plus im Kreis Ahrweiler. Sie rief „Ne Joode Ruude“ ins Leben: ein Rotwein, gekeltert von der Winzergenossenschaft und vermarktet von der SPD. Was als Idee klein begann, wurde ein voller Erfolg. In sieben Monaten sind bereits 1.000 Flaschen verkauft worden, berichtet sie im Gespräch mit dem „vorwärts“. Als sie Frank Müller, Vorsitzender ihres SPD-Ortsvereins Mittelahr, davon berichtete, kommentierte dieser: „Das ist super. Dann haben wir doch alles richtig gemacht.“
Der Wein ist ein gemeinsames Projekt des Ortsvereins und der AG 60plus, wird aber aus rechtlichen Gründen über einen privaten Online-Shop vermarktet und verkauft. Er soll eine gemeinsame Geschichte der beiden großen sozialen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, die auf Solidarität bauten, erzählen: der Arbeiterbewegung und der Genossenschaftsbewegung. So erzählt es Renate Strauch. Dabei seien ihre Genoss*innen zunächst skeptisch gewesen, als sie mit der Idee kam, der „schwarzen Winzergenossenschaft“ den Vorschlag zu unterbreiten.
SPD-Wein unterstützt Wiederaufbau
Doch diese war sofort offen dafür. „Sie wollen ihren Wein verkaufen und sind es gewohnt, für bestimmte Gruppen eigene Etiketten herstellen zu lassen. So haben wir das relativ schnell hingekriegt mit der Winzergenossenschaft“, erzählt Strauch. Über ihren Online-Shop können nun Genoss*innen und andere Weinliebhaber*innen aus ganz Deutschland den SPD-Rotwein von der Ahr „als sichtbares Zeichen demokratischer Kultur“ bestellen. Der SPD-Ahr-Wein soll regionale Weintradition, politische Geschichte und den Gedanken der Solidarität in einer einzigen Flasche verbinden.
„Damit stärken wir nicht nur das Image der SPD, sondern halten auch die Erinnerung an das Ahrtal lebendig“, sagt Renate Strauch. Mit jeder Flasche, die 7,99 Euro kostet, wird zudem indirekt der Wiederaufbau in der von der Flut gebeutelten Region unterstützt. Die Genoss*innen selbst haben bislang mit dem Projekt keinen Gewinn gemacht, da sie vom Erlös der ersten 1.000 Flaschen auch Informationsflyer drucken ließen.
Doch der nächste Jahrgang steht schon in den Startlöchern. Zudem soll es ab September noch einen weiteren Wein zur Auswahl geben, Nikolaus N, angelehnt an den Gründer der Winzergenossenschaft Nikolaus Näkel, in halbtrocken. Auch gebe es die Idee für einen roten Traubensaft, also eine alkoholfreie Variante des „Jooden Ruuden“, berichtet Strauch, die auch dem Bundesvorsitzenden der AG 60plus Lothar Binding bereits eine Flasche des Tröpfchens von der Ahr überreicht hat.
Grafik: vorwärts; Foto: Gudrun Holde-Ortner
SPDings – der „vorwärts“-Podcast, Folge 28 mit Lothar Binding
23 Jahre lang saß Lothar Binding für die SPD im Bundestag. Doch auch nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament bleibt der Finanzexperte als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft 60+ deutschlandweit aktiv. Immer mit dabei: der Zollstock, seit vielen Jahren das Markenzeichen des Heidelbergers.
Weitere Informationen
Verkauft wird der Wein über eine privatwirtschaftliche Vermarktung. Jede Flasche wird mit einem eigenen SPD-Etikett, einem Informationsanhänger und einem Flyer zur Geschichte des Projekts ausgeliefert. Eine Flasche kostet 7,95 Euro. Weitere Informationen gibt es hier.
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo