Diese Lehren zieht die SPD aus der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
IMAGO/Chris Emil Janßen
Blick auf der Schweriner Schloss mit dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern – und auf ein SPD-Wahlplakat mit dem Konterfei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Für Platz 1 hat es für die SPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nicht ganz gereicht. Trotzdem schnitten Spitzenkandidatin Manuela Schwesig und ihre Partei deutlich besser ab, als Umfragen noch vor wenigen Wochen vorausgesagt hatten. Und auch deutlich besser als im Bundestrend. Im Interview erklärt Julian Barlen, Generalsekretär der SPD Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, warum sich die Strategie der Partei bewährt hat und warum sie dennoch von der rechtsextremen AfD überholt wurde.
Ihr habt die Wahl nicht gewonnen, liegt mit 35,5 Prozent aber deutlich über dem Bundestrend und auch über den SPD-Ergebnissen bei den meisten anderen Landtagswahlen der letzten Jahre. Was kann die Bundes-SPD von Euren Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern lernen?
Wir waren von Anfang an klar: Bei den Themen, personell mit einer starken und erfahrenen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig an der Spitze, aber auch in der Haltung für Respekt und Toleranz.
Wir waren in allen Wahlkreisen nah dran und haben über das gesprochen, was die Leute wirklich umtreibt. Und das sind die Preise. Beitragsfreie Kita, Mindestlohn, günstige Tickets, denn das kommt im Portemonnaie an. Und wir sind eine Partei des Miteinanders und haben mit unseren 2800 Mitgliedern in den letzten Monaten fest zusammengehalten, um dieses Ergebnis zu erzielen. Das zusammen hat den positiven Unterschied gemacht.
In Rostock hat die SPD sämtliche Direktmandate gewonnen. Auch in anderen Städten und drei Landkreisen sieht es gut aus. In der Fläche aber ist sehr viel Blau zu sehen (22 von 36 Direktmandaten gingen an die AfD). Warum tat sich die SPD im ländlichen Raum offenbar viel schwerer?
In Rostock, aber auch Schwerin, Wismar, Greifswald, Stralsund und der Hälfte von Neubrandenburg haben wir alle Direktmandate geholt. Darüber freue ich mich sehr. Auf dem Land haben unsere Kandidatinnen und Kandidaten genauso hart gekämpft. An ihrem Einsatz lag es nicht. Es liegt daran, wer von der aktuellen Land besonders betroffen ist. Und das sind häufig die Menschen auf dem Land. Wer jeden Tag weit zur Arbeit fährt, spürt jeden Cent beim Tanken. Wer im Einfamilienhaus mit Öl heizt, spürt die Energiepreise doppelt. Dazu kommt das Gefühl, dass die große Politik weit weg ist. Diesen Frust hat die AfD genutzt. Unsere Antwort bleibt: Leben muss bezahlbar sein, in der Stadt und auf dem Land. Dafür arbeiten wir weiter.
Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Jahren wirtschaftlich aufgeholt. Warum ist dieser Aufschwung bei vielen Menschen offenbar nicht als persönliche Verbesserung angekommen, wenn man sich das AfD-Ergebnis von 38,2 Prozent anschaut?
Es ist vieles besser geworden: Die Löhne sind gestiegen, seit 2014 um mehr als die Hälfte und die Wirtschaft wächst gegen den Trend. Aber dann kamen die hohen Preise. Strom, Heizung, Lebensmittel, Sprit – alles ist deutlich teurer geworden. Bei vielen fühlt es sich so an, als wäre das Lohnplus gleich wieder weg. Hinzu kommt die Reformdiskussion im Bund, die eine reine Kürzungsdebatte ist. Deshalb waren Bezahlbarkeit, die Arbeit der Bundesregierung und die des Kanzlers ein großes Thema im Wahlkampf. Viele wollten einfach einen Denkzettel verpassen. Das hat die AfD gerade in der Fläche massiv gestärkt.