Europa muss ein handelspolitisches Signal an die Entwicklungsländer senden. Dies umfasst einen Abschluss der Doha-Runde und einen weitgehenden Abbau von Agrarsubventionen. Diese Hausarbeiten liegen seit Jahren auf dem Tisch, doch in der Wirtschafskrise sind sie wichtiger als je zuvor. Denn die Entwicklungsländer sind die wirklichen Verlierer von Subprime-Papieren und Börsen-Zockerei. Die Rohstoffmärkte sind zusammengebrochen - für viele arme Länder verschwindet damit die einzige Einnahmequelle.
Entwicklungsländer sind die Verlierer der Finanzkrise
Sozialsysteme, welche den Sturz in die Armut abfangen könnten, exsitieren in den wenigsten Staaten. Die Anzahl der Armen droht deshalb weltweit um bis zu 200 Millionen Menschen zu steigen. Um
gerechtere Handelsbedingungen zu schaffen, muss Europa aber auch jeder Form von Protektionismus abschwören. Dies schließt - entwicklungspolitisch zuende gedacht - auch die Subventionierung
schwächelnder Wirtschaftszweige ein.
Darüber hinaus müssen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank reformiert werden. Dabei sollten Entwicklungsländer in beiden Organisationen angemessene Mitspracherechte
erhalten. Denn besonders der IWF trägt in den Ländern Verantwortung für die Auswirkungen der Krise, die zur Liberalisierung der Finanzmärkte gedrängt wurden. Eine wirksame Reform bedeutet, dass
Europa Kompromisse eingehen und Einfluss abgeben muss - genau wie in der Agrarpolitik. Ist man dazu nicht bereit, bleibt die "Gerechte Globalisierung" eine Floskel.
Gordon Repinski, geb. 1977, ist Volkswirt und arbeitet als freier Journalist und Autor mit dem Schwerpunkt Globalisierung und Entwicklungsländer. Er hat selber mehrere Jahre in
Hilfsprojekten gearbeitet.