Rezension

Katja Kipping: „Wer flüchtet schon freiwillig“

Matthias Dohmen26. Mai 2016
Viel Geschrei und wenig Wolle: Katja Kipping, Ko-Vorsitzende der Partei Die Linke, nimmt die Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre zum Anlass, eine grundlegende Kurskorrektur zu fordern. Ihre Antwort bleibt merkwürdig konturlos.
Katja Kipping
Katja Kipping: Wer flüchtet schon freiwillig. Die Verantwortung des Westens oder warum sich unsere Gesellschaft neu erfinden muss.

Sicherlich dürfen Demokraten den „Rezepten“ von AfD und Seehofers CSU nicht folgen. Darin wird man der Autorin ohne Zweifel folgen. Genau so, wenn sie verlangt, eine „Handelspolitik umzustellen“, die afrikanische Märkte für europäischen Firmen öffnet, den Weg in die andere Richtung aber verbaut.

Gewiss doch, mit dem Begriff der Leitkultur haben bestimmte Kräfte in der Bundesrepublik die politische Achse nach rechts zu bewegen versucht. Es ist ihnen ja auch gelungen.

„Universalismus“ und „Das Land für alle“

Aber Kipping schüttet das Kind mit dem Bade aus, wenn sie an die Stelle einer Nationalkultur einen Multikultiersatz stellen will. Denn die deutsche Kultur von Goethe bis Grass und von Walter von der Vogelweide bis Udo Lindenberg macht eher immun gegen fremdenfeindliches Geschwätz als der Verzicht auf sie, möchte man ihr entgegenhalten. Kipping verlangt: „Statt von Leit- und Nationalkulturen sollten wir also von liquiden, sich beständig verändernden Kulturen im Plural ausgehen.“

Sie redet einem Paradigmenwechsel das Wort, den sie auf die Losung „Das Land für alle“ zuspitzt. Die Entscheidung laute: „entweder Aufbruch in einen grenzübergreifenden Postkapitalismus oder eine allmähliche Fragmentarisierung der Gesellschaft hin zur Barbarei, zur permanenten Krise und zum weltweiten ökologischen Zusammenbruch.“

Da war der von ihr in diesem Zusammenhang zitierte Peter Weiss präziser. Dass sie dagegen das Honorar für ihr Buch Organisationen der Flüchtlingshilfe zur Verfügung stellt, ist ihr hoch anzurechnen.

 

Katja Kipping: „Wer flüchtet schon freiwillig. Die Verantwortung des Westens oder Warum sich unsere Gesellschaft neu erfinden muss“, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2015, 203 Seiten, 16,00 Euro. ISBN 978-3-86489-133-5

Kommentare

Buch K.Kipping

Es wird höchste Zeit, dass sich SPD, die LINKE und der progressive Flügel der Grünen zu einer einzigen Partei zusammenschließen.