Rezension

Kai Schlieter, „Die Herrschaftsformel“: In der Datenschleife

Matthias Dohmen29. April 2016
Welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem Sammeln von Daten durch US-amerikanische und europäische Regierungen und der massenhaften Erhebung von Informationen durch Unternehmen wie Facebook und Google, die zu Systemen künstlicher Intelligenz (KI) gebündelt werden? Und wo und wie tauscht man sich aus? Kai Schlieter versucht, darauf Antworten zu geben.
Westend Verlag

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem Sammeln von Daten durch US-amerikanische und europäische Regierungen und der massenhaften Erhebung von Informationen durch Unternehmen wie Facebook und Google, die zu Systemen künstlicher Intelligenz (KI) gebündelt werden? Und wo und wie tauscht man sich aus? Kai Schlieter versucht, darauf Antworten zu geben.

Dass die Entwicklung der Atombombe und später der Kalte Krieg die Geburtsstunde des Mega-Networking und der so genannten Kybernetik waren, haben schon andere Autorinnen und Autoren beschrieben. Doch Schlieter bündelt auf über 300 Seiten, mit mehr als 700 Fußnoten sowie Literaturliste und Personenregister das Wissen über die KI. Deren wichtigstes Prinzip ist die „Selbststeuerung von Informationsprozessen durch Rückkoppelungsmechanismen“, beispielsweise bei der Berechnung von Flugbahnen, von Konsumverhalten oder der Konstruktion von selbstfahrenden Autos.

Mehr Fragen als Antworten

Der Redakteur der „taz“ stellt den notwendigen Zusammenhang von Technologie und Demokratie her, auch wenn seine Lösungsvorschläge seltsam diffus bleiben. Recht hat er ohne Zweifel mit seiner in einem Interview auf www.heise.de seinem Buch hinterhergeschobenen These, der Umgang mit Daten und den „vermeintlich harmlosen Angeboten“ der sozialen Medien gehöre „als Pflichtfach in den Unterricht“. Auch dass die Bürger die Kontrolle über die sie betreffenden Daten zurückgewinnen sollten, ist sicherlich richtig. Aber welche Rolle der Staat, der ja ebenfalls äußerst datenhungrig ist, dabei positiv spielen könnte, kann uns Schlieter nicht sagen.

Überhaupt scheint er der Fülle des zusammengetragenen Materials nicht mehr Herr geworden zu sein. Dafür spricht auch, dass die 46 Kapitel unterscheidungslos nebeneinander stehen, keine Hauptkapitel die Materie strukturieren und die Zusammenfassung („Was nun?“) sehr kurz und etwas wirr ausfällt. Da war Yvonne Hofstetter mit ihrem vor zwei Jahren an dieser Stelle besprochenen Werk, das auch bei Schlieter positiv zitiert wird, schon weiter.

Kai Schlieter: „Die Herrschaftsformel. Wie Künstliche Intelligenz uns berechnet, steuert und unser Leben verändert“, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2015, 320 Seiten, 19,99 Euro. ISBN 978-3-86489-108-3