Buch: „Frauenrechte sind Menschenrechte – weltweit“

Die Feminisierung von Armut – Frauenpolitik in Pandemiezeiten

Renate Faerber-Husemann26. März 2021
Wie ernst es der Politik mit der selbstverständlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist, zeigt sich immer wieder in Krisenzeiten. In ihrem neuen Buch warnt Christa Randzio-Plath auch vor den Folgen der Covid-19-Pandemie.

Von alten Gefahren und neuen Herausforderungen handelt das Buch „Frauenrechte sind Menschenrechte – weltweit“ von Christa Randzio-Plath. Geschrieben wurde es vor der Pandemie, doch manches klingt, als hätte die Autorin vorausgesehen, was nun auf die Frauen zukommt. Die Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins, der Frauen rund um den Globus Hilfe leistet, hat die Lage weltweit im Blick und schreibt angesichts der dramatischen Entwicklung durch Covid 19 warnend: „Die Diskriminierung der Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dauert an, weil strukturelle Ungleichheit besteht und sich durch Gewalt gegen Frauen und weiter bestehende Vorurteile verstärkt. Wollen wir weitere 100 Jahre auf die Gleichstellung warten?“

Bewusstsein für Frauenrechte fehlt

Ihre Sorge für die Gegenwart und die nahe Zukunft: „Die Feminisierung von Armut ist eine Herausforderung. Immer noch sind 70 Prozent der in absoluter Armut lebenden Personen Frauen. Die Covid-19-Pandemie wird das weiter verschlechtern.“ Es fehle, so schreibt Christa Randzio-Plath, trotz der Frauenrechtskonvention immer noch ein Bewusstsein für Frauenrechte.

Sie hat vorausgeahnt, was wir nun täglich in den Medien erleben: Frauen werden gelobt und beklatscht, da sie in sogenannten „systemrelevanten" Berufen wie etwa der Pflege arbeiten – und bleiben doch weiterhin schlechter bezahlt als Männer und leisten wie eh und je den grössten Teil der sogenannten Sorgearbeit in den Familien. Die Forderung der Autorin, die Abgeordnete im Europäischen Parlament war: „Deshalb müssen öffentliche Dienste der Daseinsvorsorge dazu beitragen, Frauen aus ihrer Armuts- und Sorgefalle zu befreien. Ein neoliberales Wirtschaftssystem, das öffentliche Dienstleistungen der Daseinsvorsorge privatisiert, liefert Frauen und Männer weiltweit Armut, Hunger, Gewalt und Ausbeutung aus.“

Chancen sehr ungerecht verteilt

Und das gilt ganz besonders für die sogenannten Entwicklungsländer. Da hat sich manches zum Positiven verändert, aber längst nicht genug, wie die Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins weiß: Zwar sind noch nie so viele Mädchen wie heute zur Schule gegangen, aber immer noch sind zwei Drittel aller Analphabeten Frauen. Und immer noch sterben Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt, weil sie keinen Zugang zur Gesundheitsfürsorge haben. Allein im Jahr 2017 waren das fast 300.000! Das Einzige, was helfen könnte, ist gute Bildung. Doch auch da sieht es immer noch schlecht aus, sind die Chancen sehr ungerecht verteilt. Zwei Drittel aller Analphabeten sind Frauen, 15 Millionen Mädchen wird die Chance verwehrt, zumindest einen Grundschule zu besuchen.

Immer noch – und das gilt nicht nur für die so genannten Entwicklungsländer – wehren Frauen sich zu wenig gegen ihre Situation: Aus Erschöpfung, weil neben Berufs- und Familienarbeit die Kraft fehlt, die eigene Situation zu analysieren oder sogar zu ändern? Es gab und gibt viele Anstrengungen, die Lage der Frauen – und damit auch die der Kinder – zu verbessern: Christa Randzio-Plath zählt auf, was geschehen ist: „Internationale Frauenrechte und Frauenpolitik wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wie selbstverständlich mitgedacht. 2020 war ein Jubiläumsjahr: 75 Jahre UN, 25 Jahre Weltfrauenkonferenz in Peking, 40 Jahre Frauenrechtskonvention und 20 Jahre UN-Sicherheitsrats-Resolution gegen die Gewalt gegen Frauen in Kriegen und Konflikten.“

Frauen wissen: Papier ist geduldig

Alle UN-Staaten haben sich verpflichtet, Menschenrechte durchzusetzen und die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Es ist viel passiert zu Gunsten der Frauen seit dem Zweiten Weltkrieg: „Viele heutige UN-Staaten waren damals Kolonien, viele Staaten führten erst nach 1945 das Frauenwahlrecht ein, wie Frankreich 1947.“

Doch wie Frauen wissen: Papier ist geduldig. Wie ernst es der Politik mit der selbstverständlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist, zeigt sich immer wieder in Krisenzeiten. Welche Note bekämen wohl die nationalen und internationalen Bemühungen um mehr Gleichheit zwischen Frauen und Männern in Krisenzeiten wie heute? Vermutlich gäbe es keine Spitzennoten von Frauen, die sich zwischen Berufs- und Hausarbeit zerreißen und dafür sorgen, dass ihre Kinder ohne allzu große Schäden durch diese schwierigen Zeiten kommen.

Frauenrechte sind Menschenrechte – weltweit

Christa Randzio-Plath: Frauenrechte sind Menschenrechte – weltweit. Alte Gefahren, neue Herausforderungen

Schüren Verlag,144 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-7410-0273-1