Buchrezension

Deutscher Krimi: Fett und Schmelzer bringen Licht in den „Rurschatten“

Tamara Rösch11. April 2019
Ein Mord auf der Kirmes, zwei ratlose Kommissare und ganze viel Schatten im Leben der Protagonisten. Der deutsche Krimi „Rurschatten“ von Olaf Müller verspricht Spannung mit historischem Hintergrund. Eine Rezension:

Kommissar Michael Fett von der Mordkommission Aachen und sein Kollege Bernd Schmelzer zerbrechen sich die Köpfe an ihrem wahrscheinlich brisantesten Fall: Ein Mord in der Geisterbahn auf der Annakirmes in Düren. Das Opfer: Alexander Rütters, 88 Jahre alt. Kein ersichtliches Motiv im Bekanntenkreis, keine Zeugen. Die Verantwortlichen der Kernforschungsanlage unter Verdacht, der Öffentlichkeit etwas zu verheimlichen. Eine Hütte im Wald. Drohanrufe an die Erbin Rütters. Der belgische Geheimdienst. Und das Wort „Rurschatten“, das das Opfer per SMS in die Geisterbahn lockt. Wie passt das alles zusammen?

Nazi-Vergangenheit des Opfers

Die Suche nach dem Täter führt die beiden Kommissare in die dunklen Jahre Deutschlands im zweiten Weltkrieg. Zusammen mit Kollegen aus Belgien nehmen sich die Ermittler die Nazi-Vergangenheit Rütters vor und die seiner Hausdame Marie Utzerath, die scheinbar mehr weiß, als sie zugeben möchte. Beim Durchleuchten der Vergangenheit kommen viele ungeahnte Spuren ans Licht, doch ein entscheidendes Puzzleteil bleibt den Kommissaren lange vorenthalten.

Der historische Bezug und die Beziehungen zu Belgien sind zunächst schwer zuzuordnen. Doch die Fragen, die sich stellen, werden alle im Verlauf des Buches geklärt. Gerade gegen Ende kommen sehr viele „Aha-Momenten“.

Müllers Heimatbezug

Der Geburtsort des Autors – Düren, eine Stadt in der Nähe von Aachen und der deutschen Grenze – spielt in „Rurschatten“ eine entscheidende Rolle: Hier lebte Alexander Rütters, und hier ist er ermordet worden. Seine Heimat darzustellen, scheint Olaf Müller sehr wichtig, und das ist ihm auch gut gelungen. Die Leserinnen und Leser, die Düren nicht kennen, bekommen eine gute Vorstellung von der nordrhein-westfälischen Kleinstadt.

Schöne Geschichte, wenige Details

Der Krimi um den Mord auf der Annakirmes in Düren klingt vielsprechend und das Werk von Olaf Müller lässt sich gut lesen. Es ist humorvoll geschrieben und die Kapitel sind nachvollziehbar gegliedert. Dennoch gelingt es dem Autor schwerlich, den Spannungsbogen von Anfang an aufzubauen. Es fehlt an kleinen Details, die die Fantasie des Lesers reizen. So sucht man vergebens Hinweise auf das Äußere der Hauptfigur Michael Fett. Dennoch schafft es der Autor nach und nach, die so verwinkelte Geschichte interessant zu gestalten und letztens ist es eben diese Geschichtte, die überzeugt. Auf viele unerwartete Wendungen und ein überraschendes Ende können sich die Leserinnen und Leser von „Rurschatten“ also freuen.

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