Verkehr

Die Zukunft gehört dem autonomen Auto

Simon Bujanowski31. Juli 2017
Noch nicht vor allzu langer Zeit klangen selbstfahrende Autos nach Science Fiction. Doch schon bald könnten sie zum ganz normalen Stadtbild gehören. Das autonome Fahren hat schließlich viele Vorteile. Einige Fragen müssen allerdings noch beantwortet werden.

Das selbstfahrende Auto ist nur noch eine Frage der Zeit. Aus Sicht gestresster Pendler eine traumhafte Vorstellung: Der Autopilot übernimmt die lästige alltägliche Routinefahrt, das Stop-and-go im Stau und die lange Autobahnfahrt in den Urlaub. Währenddessen können Fahrer und Beifahrer im Internet surfen, lesen, schlafen oder reden.

Nach und nach werden immer mehr Autos von selbst fahren. Das könnte unsere Welt stärker verändern, als wir es uns heute bewusst machen – unsere Städte, Straßen und Parkplätze, unsere Vorstellungen von Mobilität, aber auch unsere Arbeitswelt. Umso wichtiger wäre es, dass wir uns frühzeitig darauf einstellen und dass Politik und Gesellschaft die Veränderungen berücksichtigen. Denn die automobile Revolution wird nicht nur Gewinner hervorbringen.

Selbstfahrende Autos: sicherer, schneller, billiger

Autonom fahrende Autos bringen mehr Sicherheit – das mit Abstand wichtigste Pro-Argument. In Deutschland hat die Polizei 2015 rund 2,5 Millionen Unfälle erfasst, davon ist in neun von zehn Fällen die Ursache menschliches Versagen. Ohne den Faktor Mensch würden sie wegfallen und mit ihr unzählige Verletzte und tausende Verkehrstote. Zudem gäbe es weniger Sachschäden, sodass nebenbei auch die Prämien für die Kfz-Versicherung deutlich sinken müssten (theoretisch um 90 Prozent).

Auch Staus reduzieren die Roboterautos deutlich: Staus entstehen durch Unfälle, durch abruptes Bremsen, durch Gaffen oder zu dichtes Auffahren – alles Fehler, gegen die ein Computer immun ist. Weniger Staus sind für die gesamte Gesellschaft ein Gewinn, denn derzeit entsteht durch Staus ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe (wobei die genauen Schätzungen deutlich auseinander gehen).

1. Weniger Asphalt, mehr Platz zum Leben

Autonome Autos werden nie müde oder unkonzentriert. Sie fahren präziser und zuverlässiger als Menschen, halten die Spur sehr genau, können dichter hintereinander fahren und beanspruchen damit insgesamt weniger Verkehrsraum. Brauchen wir dann noch drei- oder vierspurige Straßen mitten durch die Stadt oder tun es auch ein paar Spuren weniger? Letzteres wäre ein großer Gewinn, wenn die Städte den frei werdenden Raum für breite Rad- und Fußwege, großzügige Grünflächen oder für Cafés und Restaurants nutzen. Eine in die Zukunft denkende Stadt- und Verkehrsplanung müsste diese Fragen mitdenken, um heutige Investitionen auch in 20 bis 30 Jahren noch sinnvoll erscheinen zu lassen.

2. Parkplätze? Brauchen wir nicht mehr (vor der Tür)

Die Suche nach Parkplätzen ist ein Problem, das viel Zeit und Benzin verschlingt, und das so groß ist, dass die Verwaltungssprache sogar ein eigenes Wort dafür kennt: „Parksuchverkehr“. Dieser fällt mit Roboterautos weg, weil sie die Passagiere bis vor die Haustür fahren und dort absetzen – und sich dann selbst irgendwo in der Nähe Parkplätze suchen können. Wenn der Besitzer später wieder losfahren will, ruft er über sein Handy das Auto, das ihn wenige Minuten später wieder an der Haustür abholt.

Damit wird es auch egal sein, ob der Parkplatz direkt an der eigenen Wohnung liegt. Im Gegenteil könnten wir uns eines Tages fragen, warum wir eigentlich die ganze Zeit den Anblick von Blech akzeptieren wollen. Vielleicht finden wir dann, dass Autos in großen Parkhäusern besser aufgehoben sind, in die sie sich ja von selbst bewegen können, ohne uns als Chauffeur. Damit geben sie den wertvollen Platz in der eigenen Straße frei, wo dann zum Beispiel Kinder gefahrlos spielen können – ohne dass sie den Mercedes des Nachbarn zerkratzen könnten.

3. Die autonome Carsharing-Flotte übernimmt in den Städten

Schon heute gilt für viele Gelegenheits-Autofahrer: Warum ein eigenes Auto anschaffen, wenn es Carsharing gibt? Wenn die Carsharing-Autos bald auch noch von selbst fahren können, wird das die Mobilität, wie wir sie heute kennen, vollständig revolutionieren. Ob ich nun per Handy nun mein eigenes selbstfahrendes Auto rufe oder ein Carsharing-Auto, ist ja irgendwie auch egal – es bringt mich ja doch in der selben Zeit von A nach B. Der Trend, dass das Auto seine Bedeutung als Statussymbol verliert, ist ohnehin heute schon wahrnehmbar.

Ein schöner Nebeneffekt: Je mehr wir von Autos in Privatbesitz auf eine Flotte von Car-Sharing-Fahrzeugen umsteigen werden, desto weniger Fahrzeuge müssen insgesamt überhaupt existieren. Im Durchschnitt steht ein Auto 92 Prozent seiner Zeit. In dieser Zeit könnte es andere Personen von einem anderen A zu einem anderen B bringen. Weniger Autos bedeuten weniger Platzverbrauch, weniger Parkplätze und insgesamt weniger Ressourcen.

Bezahlen könnten die Kunden in einem solchen System für die Fahrt an sich, laufende Kosten für das eigene Kfz – die ja auch anfallen, während es steht! – fielen weg.

4. Trotzdem: Private Autos (und menschliche Fahrer) wird es noch lange geben

Zum Schluss etwas Wasser in den Wein: Roboterautos bringen auch eine Reihe von Fragen und Problemen mit sich.

Selbstfahrende Menschen: Es wird weiterhin Menschen geben, die ihr Auto selbst besitzen und selbst fahren wollen. Das wird aber früher oder später zu Debatten führen. Wenn Roboterautos aber nachweislich sicherer sind und sich einige Jahre lang etabliert haben – diskutieren wir dann, ob menschliche Selbstfahrer höhere Beiträge in der Versicherung zahlen müssen? Oder einen Risikozuschlag für ihr Auto? Oder wird menschliches Fahren ganz verboten, weil es zu gefährlich ist?

Arbeitsplätze: Wie wird die Autoindustrie es wohl finden, dass insgesamt weniger Autos gebraucht werden? Ganz zu schweigen von den Taxifahrern, Busfahrern, Bahnfahrern, Lkw-Fahrern? Höhere Effizienz bedeutet auch, dass Arbeitsplätze wegfallen. Auch darauf müssen wir Antworten finden – auch einen langsamen Übergang gilt es, so früh wie möglich zu planen.

Ethik: Ein autonomes Auto kann – wie jeder Fahrer heute – in eine Situation kommen, in der ein Unfall nicht mehr verhindert, sondern nur noch abgemildert werden kann. Wenn es also links und rechts ausweichen kann, aber in beiden Fällen Menschen anfahren würde – nach welchen Kriterien entscheidet der Computer, welche Möglichkeit er auswählt? Wer programmiert den Algorithmus vorher nach welchen ethischen Maßstäben?

Und schließlich die Sicherheit: Das wichtigste Argument für Roboterautos gilt nur dann, wenn sie sicher vor Hackerangriffen geschützt werden können. Einige Gedanken müssen wir uns also noch machen, bevor wir mit Autos fahren, die smarter sind als wir.

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Kommentare

Freude am Fahren, wenn kein Fahrer da?

Da folgen die Marketingabteilungen der Autohersteller dem Medienhype zum Automomen Fahren auf Hochtouren - wohl auch, um von den nicht beherrschten Klima-und Umwelt-Problemen der schmutzigen, veralteten Otto-bzw. Diesel-Motor-Technologien abzulenken (Nicht umsonst lassen, anders als in den USA, die entsprechenden, von der Automobilindustrie "gelenkten" Vorschriften auf EU-Ebene "Abgasschummelei" mit Abschaltvorrichtungen zu! Nicht umsonst genießt Tesla als US-Hersteller eine derartige Aufmerksamkeit!) Da wird dann aber auch schon über die ersten schweren Unfälle beim Autonomen Fahren berichtet. Dumm gelaufen! Man erkennt aber mittlerweile, dass das Autonome Fahren nicht nur eine technische Herausforderung darstellt - insbesondere in Bezug auf die technische Sicherheit -, sondern mehr noch ungelöste ethische, rechtliche und Informationssicherheitstechnische Probleme mit sich bringt. Vom Stand der vergleichbaren PC- und Smartphone-Sicherheit kann jeder Nutzer ein Lied singen. Und Staaten, Behörden, Unternehmen streiten sich heute schon um die Herrschaft über die persönlichen Daten aus den Fahrzeugen! Doch die Politik, (allen voran der unsägliche Mautflüsterer, Abgasturbo, ?..

Freude am Fahren...2

...
Autobahnstaumeister, Bahn-Bremsklotz, Jahrhundert-Reformer und Sammelklagen-Verhinderer Alexander Dobrindt), der mittlerweile organisiertes Staatsversagen bei der Kontrolle der Abgaswerte vorgeworfen wird, gebärdet sich weiterhin autohörig! Und jetzt hat auch noch Dobrindt einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Unfallrisiken dieser unausgereiften Technologie voll auf den Autofahrer abwälzt.

"TaTü TaTa TaTü TaTa.
Freude am Fahren, wenn kein Fahrer da!
TaTü TaTa TaTü TaTa.
Vorsprung durch Technik, wenn kein WLAN da."

Freud und Leid des fahrerlosen Fahrens auf den Punkt gebracht:

https://youtu.be/njj5Z7KzG60
http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

Viel Spaß beim Anhören! Und lasst Euch die Realität nicht vermiesen!