Frauenfeindlichkeit

Weltfrauentag: Warum wir Feminismus heute mehr denn je brauchen

Julia Korbik08. März 2017
Offene Frauenfeindlichkeit? Gibt es angeblich nicht mehr. Von wegen: Der polnische EU-Abgeordnete Janusz Korwin-Mikke tritt den Gegenbeweis an – und zeigt, warum Feminismus alles andere als überholt ist.

Oft werde ich gefragt: „Ganz ehrlich, wozu braucht man Feminismus denn noch?“ Zwar geben viele zu, dass Frauen immer noch – ja, vielleicht, ein kleines bisschen – benachteiligt werden. Aber sowas wie pure Misogynie und Verachtung von Frauen, das gäbe es ja wohl nicht mehr! Schließlich leben wir in politisch korrekten Zeiten, in denen kein Mann sich trauen würde, wirklich frauenverachtendes von sich zu geben.

Frauen als minderwertige Lebewesen

Als ob die Wahl eines orangegesichtigen Sexisten und Frauenbegrapschers zum US-Präsidenten als Gegenbeweis für diese Aussage nicht reichen würde. Aber offenbar ist noch mehr Überzeugungsarbeit nötig, und warum in die Ferne schweifen, wenn offene Frauenfeindlichkeit sich doch ebenso im heimischen Europa finden lässt! Auftritt Janusz Korwin-Mikke, seines Zeichens polnischer EU-Parlamentarier. Abgesehen davon, dass Korwin-Mikke überzeugter Monarchist ist und für die Legalisierung von Kinderpornografie eintritt, gilt sein besonderes Interesse den Frauen. Frauen, davon ist Korwin-Migge überzeugt, sind schlich und einfach minderwertige Lebewesen. Während einer Debatte im EU-Parlament über geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sagte er: „Natürlich müssen Frauen weniger als Männer verdienen.“ Warum? Na, darum natürlich: „Weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent sind, müssen sie weniger verdienen.“

Dass die Größe einer Person etwas mit ihrer Bezahlung zu tun haben soll – es sei denn, man ist Modell – war mir neu, aber um Logik geht es Korwin-Migge ja auch gar nicht. Nein, es geht darum, dass endlich alle erkennen, was er schon längst weiß: Frauen bringen’s nicht. Ernsthaft, was genau können die schon? Sich für Politik interessieren zum Beispiel nicht, deshalb lehnt Korwin-Migge das Frauenwahlrecht auch ab. Was Frauen allerdings sehr gut können, ist die Männer zu täuschen: So etwas wie Vergewaltigung in der Ehe existiert für den Politiker schlicht deshalb nicht, weil Frauen beim Sex generell vorgäben, Widerstand zu leisten. Womit Korwin-Migge sich als wahrer Frauenversteher outet – wenn sie „Nein“ sagt, meint sie eigentlich „Ja“! Wer sagt denn, dass Frauen kompliziert sind?

Aussprechen, was viele denken

Das Problem an Menschen wie Janusz Korwin-Migge ist, dass sie fast schon wie eine Karikatur wirken: Man schüttelt über sie den Kopf, lacht vielleicht ein wenig – so ganz ernst nimmt man sie nicht. Das Problem an Menschen wie Janusz Korwin-Migge ist aber, dass sie eben keine Karikatur sind, sondern im Gegenteil aussprechen, was viele andere denken. Wir müssten diese Menschen ernst nehmen. Wir müssen wütend werden über das, was sie sagen, und wir müssen ihnen Contra geben.

So wie die spanische EU-Abgeordnete Iratxe Garcia-Perez, deren irritierter Gesichtsausdruck während Korwin-Migges Auslassungen über Frauen fast das Beste an dessen Auftritt ist. Fast, denn dann erhebt Garcia-Perez sich energisch und sagt ihrem polnischen Kollegen die Meinung: „Wenn ich Ihrer Rede und Ihrer Theorie glauben darf, dann hätte ich nicht das Recht, als Parlamentarierin hier zu sein. Ich weiß, dass Sie sich sehr darüber aufregen und besorgt über die Tatsache sind, dass wir Frauen auch Bürger sind, auf gleicher Augenhöhe mit Ihnen. Ich muss europäische Frauen vor Menschen wie Ihnen verteidigen.“ Das alles in stakkatohaftem, schnellem und erregtem Spanisch. Keine Sprache hätte in diesem Augenblick besser gepasst.

Wozu brauchen wir Feminismus noch? Wegen Menschen wie Janusz Korwin-Migges. Und wegen der schweigenden Mehrheit.

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Kommentare

Männerfeindlichkeit - Feminismus

Ich mag Frauen und bin für den Feminismus. Was aber heute eine Minderheit von Frauen unter Feminismus versteht heißt: wir wollen so sein wie die verachtenswerten Männer und dies hat die Mehrheit der Frauen endlich zu kapieren.
Ja es gibt schon einige Idioten unter uns Männern, oder nicht? Ich weiß das, bin nämlich selbst einer - ich meine Mann. Der Beweis sitzt gerade neben mir und schreibt Hausaufgaben.
Ich selbst arbeite lieber unter - äh ich wollte sagen - mit Frauen zusammen. Aus unerfindlichen Gründen sind viele Männer oft schlecht gelaunt (oder nur unglücklich?) unfreundlich zu anderen ( auch den Männern) besserwisserich, agressiv und, und.
Man sollte als Mann kein Problem damit haben, wenn eine Frau mehr kann oder gebildeter ist, als man selbst. Eine Unterhaltung mit Dummköpfen finde ich jedenfalls mühselig und als Zeitverschwendung. Fazit:
Die Welt ist schon hart genug durch die Männer. Wenn die Frauen dann auch noch so werden - ziehe ich aus!
H.Klamm