Wahlkampfbegegnungen: In Münster kennt man sich

Robert von Olberg25. Mai 2017
Manch einer sagt, Münster sei ein Dorf. Bei mehr als 300.000 Einwohnern kann ich das nicht unterschreiben. Aber meine Erfahrungen aus dem Bundestagswahlkampf zeigen: In Münster ist man vielen Menschen schon mal über den Weg gelaufen.

Man sagt: Jeder kennt jeden über sieben Ecken. Manche sagen auch, es seien sogar nur sechs. Was dahinter steckt, ist die Vorstellung einer vernetzten, sozialen Welt, in der die Menschen auf unterschiedlichen kommunikativen Wegen miteinander in Beziehung stehen. Und wenn man mal so für sich überlegt, dann kann man dieser Regel auch etwas abgewinnen. Irgendwie trifft sie einen wahren Kern. In Münster sind es aber weder sieben noch sechs Ecken. Hier sind es meist deutlich weniger. Diese Erfahrung mache ich gerade als Bundestagskandidat ganz besonders.

Grüße vom Sohn...

Kürzlich habe ich mich mit einem Vertreter des Mittelstands in unserer Stadt getroffen. Wir haben darüber gesprochen, wie es dem Standort Münster geht, was getan werden muss, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, und wie die von vielen Unternehmen oft bemängelte Bürokratie konkret aussieht. Aber zu Beginn des Gesprächs richtete mir der Herr zunächst einmal Grüße von seinem Sohn aus. Ich stand zugegebenermaßen erst einmal auf dem berühmten Schlauch. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer sein Sohn sein könnte.

Ich ging im Kopf schnell durch, wen ich noch kenne, der denselben Nachnamen hat. Doch mir fiel so schnell niemand ein. Mir blieb nichts anderes übrig, als meinen Gesprächspartner zu bitten, mir auf die Sprünge zu helfen. Und siehe da: Sein Sohn entpuppte sich als ehemaliger Mitschüler aus meinem Leistungskurs Sozialwissenschaften in der Oberstufe. Der Kurs fand in Kooperation mit einer benachbarten Schule statt. Daher waren mir die Nachnamen der Mitschülerinnen und Mitschüler, die ansonsten nicht in meiner Stufe waren, nicht so geläufig. Übrigens: Unser Leistungskurs hatte den Schwerpunkt Wirtschaft. Und damit war der Bogen perfekt gespannt, um in unser eigentliches Gespräch über den Mittelstand in Münster einzusteigen.

...und die Schwester einer Mitschülerin

Ein anderes Mal hatten wir als SPD Münster den stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel aus Hessen zu Besuch. Wir besuchten gemeinsam ein Start-Up-Unternehmen, das sich mit haushaltsnahen Dienstleistungen vor allem um eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie kümmert. Als wir gemeinsam bei dem jungen Unternehmen eintrafen, begrüßten uns am Eingang gleich die Geschäftsführer und die Personalchefin der Firma. Und siehe da: Es war die älteste Schwester einer Mitschülerin aus meiner Grundschulklasse. Als junge Mutter – die ihre kleine Tochter bei unserem Gespräch übrigens dabei hatte – kennt sie die Sorgen und Nöte von Familien, Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt unter einen Hut zu bringen, aus eigener Erfahrung. Eine gute Voraussetzung für das Anliegen, um das sich ihre Firma kümmert.

Da die Frage, wie die Altersversorgung so aufgestellt werden kann, dass sie wirklich zuverlässig alle Menschen vor Altersarmut schützt, im Vorfeld der Bundestagswahl viel diskutiert werden wird, hatte ich mich vor kurzem zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung in Münster verabredet. Mich interessierte, wie sich das Thema aus seiner fachlichen Sicht darstellt und welche politischen Instrumente er für sinnvoll hält. Als er mich in seinem Büro empfing, sagte er, er habe kürzlich erst hinter mir gesessen beim Jubiläumsfest eines Theaters in unserer Stadt. Ich wusste direkt, welche Veranstaltung er meinte. Doch hatte ich ihn damals nicht bemerkt, da wir uns damals ja noch nicht kannten. Bevor es um die Rente ging, tauschten wir uns also über das Theaterfest aus und stellten fest: Uns hatten dieselben Dinge besonders gefallen und dieselben Beiträge amüsiert.

Münsteraner sind besonders kommunikativ

Manch einer sagt, Münster sei ein Dorf. Bei einer Stadt mit bald 330.000 Einwohnerinnen und Einwohnern kann man das nun nicht ernsthaft behaupten. Ich glaube eher: Den Vorurteilen über die sturen Westfalen zum Trotz, sind die Münsteranerinnen und Münsteraner einfach besonders kommunikativ, aktiv und engagiert. Und deshalb braucht es bei uns keine sechs oder sieben Ecken, um festzustellen, dass man sich vielleicht über Umwege schon kennt, auch wenn man sich zum ersten Mal trifft.

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