Bundestagswahl 2017

Wahlkampf hautnah: Auf den Hund gekommen

Robert von Olberg25. August 2017
Wahlkampf dient nicht nur der Werbung für Partei und Kandidaten, es geht auch darum, Sorgen und Nöte der Wähler auf- und mitzunehmen. Mitunter geht es dabei tierisch zur Sache.

Die Zeit bis zum Wahltag am 24. September vergeht wie im Flug. Doch das nehmen vor allem wir so wahr, die wir tagtäglich jetzt im Einsatz sind - an Ständen stehen, an Haustüren klingeln und Plakate aufhängen. Und dennoch: Dass bald Wahl ist, ist längst nicht bei allen so präsent. Auf Märkten, vor Supermärkten und an belebten Treffpunkten in den Vierteln begegnet mir immer wieder die Frage: „Ist schon wieder Wahl?“

Hund ist nicht gleich Hund

Aber es gibt auch die anderen Begegnungen. Die, die hängen bleiben und einen noch lange beschäftigen. Die Rollstuhlfahrerin mit ihrem Assistenzhund beispielsweise, die mich darauf ansprach, warum Assistenz- und Blindenhunde bei der Krankenversicherung nicht gleichgestellt seien. Ihre Hündin würde ihr im Alltag so viel helfen, wie ein Blindenhund einem Menschen, der nicht sehen kann. Ohne ihre Hündin sei sie bei Weitem nicht so selbstständig, wie mit ihr. Ob Sonne oder Regen – jeden Tag müsse sie mit ihrer Hündin vor die Tür. Ausreden gelten nicht. So hilft die Hündin nicht nur bei den Dingen, die alleine nicht so gut gelingen, sondern ist zugleich Ansporn, aktiv zu bleiben – auch wenn mit Rollstuhl vieles nicht leicht fällt.

Blindenhunde kannte ich. Dass es Assistenzhunde gibt, hatte ich auch schon mal gehört. Aber was sie genau machen, wie man an einen kommt und was alles damit verbunden ist – darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Die Dame erzählte mir, dass Ihre Hündin eigentlich eine Französin sei. In Frankreich sei sie ausgebildet worden und verstehe die Befehle daher auch nur auf Französisch. So lernte ihre Halterin Französisch. Und als die Kommandos für die vierbeinige Gefährtin saßen, lernte sie gleich weiter. Wenn man schon mal dabei ist, die Sprache zu lernen! Über verschiedene Stiftungen erhielt sie Unterstützung, um die Anschaffung und Ausbildung des Assistenzhundes finanzieren zu können. Dennoch ging es nicht ohne eigenes Geld.

Kleine Ursache, große Wirkung

Und damit sind wir dann wieder bei der politischen Frage, die mit dem Hund an meinen Wahlkampfstand kam: Was kann die Politik machen, um den Einsatz von Assistenzhunden für Menschen mit Unterstützungsbedarfen einfacher und erschwinglicher zu gestalten? Seit geraumer Zeit liegt eine Bundesratsinitiative dazu vor. Assistenzhunde sollen Blindenhunden rechtlich und versicherungstechnisch gleichgestellt werden. Dass das sinnvoll ist, leuchtet mir nach dem Gespräch am Stand sofort ein. Doch wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Im Nachgang informiere ich mich und erfahre, dass das Thema so gut wie auf Eis liegt. Im Bundestag ist man sich bei dem Thema noch nicht einig. Es gibt beispielsweise Bedenken, dass die Kriterien für Assistenzhunde noch nicht klar und einheitlich gestaltet seien.

Nun ist die Gesundheitspolitik bislang eher nicht mein absolutes Spezialgebiet. Aber dass sich hier etwas politisch bewegen sollte, um vielen Menschen in unserem Land dabei zu helfen, so selbstständig zu sein wie nur irgend möglich, das verstehe ich auf Anhieb. Ich bin also nicht auf den Hund gekommen an diesem Tag bei meiner Sommertour. Aber mit dem Hund ist ein Anliegen zu mir gekommen, für das ich mich gerne einsetzen werde, weil ich erkannt habe, wie sinnvoll es ist und wie viel sich mit einer vergleichbar kleinen politischen Initiative erreichen ließe.

„Au revoir!“ im Bundestag

Als die Rollstuhlfahrerin und ihre Hündin sich nach unserem Gespräch verabschieden, überlege ich kurz, wie ich das Tier richtig verabschieden kann. Denn es versteht ja nur Französisch. Zum Glück fiel es mir schnell ein: „Au revoir!“, rufe ich den beiden hinterher. Mal gucken, ob sich für ihr Anliegen nicht etwas erreichen lässt, wenn es im September mit meiner Wahl in den Bundestag klappt.

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