Blog Opakratie – Klimawandel

Verdrängen, verschieben, vertagen

Wolfgang Gründinger03. Dezember 2014
Seit wann reden wir über Strategien gegen den Klimawandel? Ziemlich genau so lange, wie wir damit warten sie umzusetzen. Dabei hat Deutschland einige Vorreiter zu bieten, zum Beispiel Felix Finkbeiner. Er hat seinen Plan zur Rettung der Zukunft im Alter von 13 Jahren vor der UN-Generalversammlung in New York vorgestellt.

Felix Finkbeiner forderte die Weltgemeinschaft dazu auf, eine Billion Bäume zu pflanzen, fossile Energieträger bis 2050 zu verbieten und die weltweite Armut durch mehr Klimagerechtigkeit zu lindern. Das war vor drei Jahren. Was ist seither passiert? Weder ist ein globales Aufforstungsprogramm in Sicht noch ein Ende von Kohle und Öl, und auch der Kampf gegen die Armut geht nur zäh voran. Bei der mittlerweile 20. UN-Klimakonferenz in Lima, die am Montag ihre Verhandlungen aufnahm, wollen die Diplomaten laut eigenen Vorsätzen nichts weiter beschließen, als dass man nächstes Jahr bei der 21. UN-Klimakonferenz in Paris einen neuen Vertrag beschließen will. [w21_media_node_review_full:479]

Klima-Diplomatie im Schneckentempo

Schneckentempo als Höchstgeschwindigkeit ist Prinzip bei UN-Konferenzen. Wenn knapp 200 Länder am Verhandlungstisch sitzen und Entscheidungen nur im Konsens möglich sind, kann jede Regierung die Verhandlungen blockieren. Das Scheitern ist strukturell vorprogrammiert. Wenn sich in Deutschland nicht einmal 16 Bundesländer auf eine gemeinsame Schulpolitik verständigen können, wie sollen sich dann 200 Staaten mit teilweise fundamental unterschiedlichen wirtschaftlichen, geographischen, kulturellen, technischen, sozialen und politischen Ausgangsbedingungen auf wirksamen Klimaschutz einigen? Jedes Abkommen, dem Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, Atomländer wie Frankreich oder Klimasünder wie die USA zustimmen, bleibt zwangsläufig ein Minimal­konsens ohne Substanz und Dynamik. Die Klimakatastrophe wird verdrängt, verschoben, vertagt.

Die Erde rast auf vier Grad Erwärmung zu

Statt konkreter Instrumente geht es um Symbolpolitik. In Lima werden wieder einmal 193 Nationen hoch und heilig versprechen, endlich im nächsten Jahr zu tun, was sie heute noch keinesfalls tun wollen, nämlich einen wirksamen Weltklimavertrag zu schließen. Die Welt rast auf vier Grad Erderwärmung zu, während die Diplomaten beratschlagen, ob sie zwei Grad oder nicht doch lieber 1,5 Grad als Ziel in die Communiqués schreiben wollen. Eine müßige Diskussion, wenn man keinen Schimmer hat, wie dieses Ziel eigentlich erreicht werden soll.

Anstatt über Handelserleichterungen und Förderprogramme für erneuerbare Energien zu verhandeln oder über den Abbau von Kohle- und Ölsubventionen, arbeitet sich die Weltgemeinschaft lieber an der Einführung einer bürokratischen Emissionshandels-Planwirtschaft ab, die bereits in Europa nur schlecht funktioniert und auf globaler Ebene erst recht zum Versagen verurteilt ist. Allein schon deshalb, weil sie technisch zu anspruchsvoll ist. Das Ergebnis, so lässt sich bereits jetzt vorhersagen, wird ein frustrierend unverbindliches Nicht-Ergebnis:  keine verbindlichen Emissionsziele, keine Sanktionen für Vertragsbruch, und der größte Klimasünder, die USA, sind nicht einmal an Bord. 22 Jahre nach der UN-Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro ist die UN-Klimabürokratie lahmgelegt.

Die Kinder sollen’s richten

Angesichts der vielen guten Vorsätze im Konjunktiv und der wenigen guten Taten neigen selbst die obersten Klimadiplomaten inzwischen zu skeptischem Realismus. Christina Figueres, Exekutivsekretärin der UN-Klimakonvention, appellierte zu Beginn der Verhandlungen an Jugendvertreter beim Klimagipfel: „Der Wandel wird auch außerhalb des UN-Prozesses stattfinden müssen. Wir können das Problem nicht lösen. Ihr müsst es selbst lösen, es liegt in eurer Verantwortung.“

Die Alten spielen also nur Weltrettung auf teuren Konferenzen, richten soll es die junge Generation. Sie soll für eine Alternative streiten, für die positive Vision einer nachhaltigen Entwicklung. Aber auch ohne Weltklimaverträge können einzelne Staaten eine Koalition der Willigen gründen. Niemand braucht auf den internationalen Minimalkonsens zu warten, um Handelshemmnisse für erneuerbare Technologien abzubauen, fossile Subventionen abzubauen, Mikrokredit-Programme für 100 Millionen Solardächer in Afrika aufzulegen und endlich ein globales Aufforstungsprogramm zu initiieren. All diese Maßnahmen wären dynamische, unbürokratische Klimapolitik, die sofort ihre Wirkung zeigen würde und gegen die sich schwer neue Blockaden aufbauen ließen. Es wäre aber auch das Ende der Weltklimakonferenzen, wie wir sie kennen.

Moskitoschwarm treibt Rhinozeros an

Felix Finkbeiner hat die Dinge folgerichtig selbst in die Hand genommen. Mit seiner Initiative „Plant for the Planet“ [http://www.plant-for-the-planet.org/de/startseite#intro] hat er rund um die Welt tausende Kinder und Jugendliche begeistert. Gemeinsam haben sie bis heute fast 13 Milliarden Bäume gepflanzt, organisieren Klima-Akademien und protestieren bei Politikern für Klimaschutz. Bei seiner Rede in New York sagte Felix: „Wir Kinder wissen, dass ein Moskito nichts gegen ein Rhinozeros ausrichten kann, wir wissen aber auch, dass tausend Moskitos ein Rhinozeros dazu bringen können, die Richtung zu ändern.“

Werdet Teil des Moskitoschwarms! Macht ihn groß genug, damit sich das träge Rhinozeros am Ende doch bewegt.

Klimawandel – der Kampf um die Grade
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