Euro-Vision 2010 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner

"There Must Be Another Way" - Friedenspreis für Noa & Mira Awad

Ein Friedenspreis, der im Gegensatz zum diesjährigen Nobelpreis hoffentlich kein Stirnrunzeln provoziert: Noa und Mira Awad erhalten am 19. November den Haviva-Reik-Friedenspreis für ihr Engagement zum offenen Dialog im Nahen Osten - auch durch ihren Auftritt beim Eurovision Song Contest in Moskau 2009.
Noa & Mira Awad starteten im Mai in Moskau beim Eurovison Song Contest für Israel. Mit ihrem Lied There Must Be Another Way, dreisprachig in Hebräisch, Arabisch und Englisch gesungen, belegten sie den 16. Platz.
 
 
Es war eine einfache aber umso nachdrücklichere Botschaft für ein friedliches Miteinander von Juden und Arabern, die ihre Glaubwürdigkeit vor allem durch die beiden Sängerinnen erhielt.
Denn es handelte sich nicht um ein für den ESC zusammengestelltes Casting-Produkt, sondern um zwei in ihrer Heimat seit langem bekannte und erfolgreiche Künstlerinnen, die bereits 2002 gemeinsam zusammen gesungen hatten. Auch war ihre Aufforderung zum Dialog  keine seichte Friedensbotschaft für den europäischen Markt, wie Kritiker ihnen vorwarfen, sondern beide Künstlerinnen engagieren sich seit langem für den Friedensprozess und für den Dialog zwischen Juden und Arabern - auch gegen Vorbehalte im eigenen Land. So hatten vor dem ESC arabische und palästinensische Intellektuelle eine Petition verfasst, um die arabisch-stämmige Mira Awad dazu zu bewegen, nicht in Moskau anzutreten. Bei uns in Deutschland war sie erst diese Woche im Fernsehen in einer Rolle in Eytan Fox' Film The Bubble (2006) zu sehen - für den Film Lemon Tree sang sie 2008 den Titelsong - beides auch sehr beeindruckende Filme zum Mit- und Gegeneinander von Arabern und Israelis.
Doch weder sie noch Noa -  in Israel besser unter ihrem vollen Namen Achinoam Nini bekannt - ließen sich beirren: Nicht um zu gewinnen seien sie nach Moskau gekommen, sondern um gemeinsam Musik zu machen und für ihre Überzeugungen zu werben, betonten sie denn auch bei ihrer Pressekonferenz im Mai in Moskau.
 
Pressekonferenz Moskau 7.5.2009 (Foto: Martin Schmidtner)
 
Nun haben sie doch noch gewonnen - den Haviva Reik-Friedenspreis 2009 - wie auch schon der NDR und das Online-Magazin AVIVA berichteten.
 
Der Preis wird seit 1994 alljährlich von  dem 1949 gegründeten Givat Haviva Friedens- und Bildungsinstitut in Menashe, Israel und der Givat Haviva Educational Foundation USA verliehen. Givat Haviva selbst war  Preisträger des UNESCO Friedenspreises 2001. Der Preis erinnert an Haviva Reik. Die jüdische Widerstandskämpferin und Kibbuzaktivistin Haviva Reik wurde in der Slowakei geboren, emigrierte 1939 nach Israel um später als Partisanin wiederum in der Slowakei gegen die Nazis zu kämpfen. Sie wurde 1944 von der SS gefangen genommen und am 20. November in  Kremnica ermordet.
Unter den bisherigen PreisträgerInnen finden sich zum Beispiel Muhammad Ali (1997) und Daniel Bahrenboim (2003), Camelia Sadat (1995), Dr. Ellen Ringier (1999) sowie Kurt Beck (1996), Sigmar Gabriel (2002) und Johannes Rau (1998).
"Der Preis soll Menschen ehren, die mit ihrer Arbeit dafür eintreten, die politischen, kulturellen und religösen Auseinandersetzungen im Nahen Osten im Dialog auszutragen und Toleranz und die Achtung vor den Menschenrechten zu fördern", schreibt  Givat Haviva in seiner Pressemitteilung.
 
Dies passt hervorragend zu den beiden Sängerinnen, wie wir sie auch in Moskau erleben durften.
So heißt es im Pressetext zur bevorstehenden Preisverleihung:
 

"Ahinoam (Noa) Nini und Mira Awad werden für ihren Mut ausgezeichnet in gemeinsamen und auch in ihren Einzelauftritten jeweils standhaft für den israelischpalästinensischen Dialog einzustehen, ihre Bemühungen mit Musik auch in schwierigen Konfliktzeiten Brücken zu bauen zwischen den Menschen. Sie beweisen mit ihren gemeinsamen Auftritten, dass menschlicher Geist und freies Denken auch physische und emotionale Differenzen überkommen können und einen Dialog der Worte und Noten anstelle von Gewalt und Bomben ermöglichen.
Durch die gemeinsamen Konzerte der jüdischen Ahinoam Nini und der arabischen Mira Awad inspirierten sie Zehntausende im Sinne möglicher Kooperation und der Überbrückung des Konflikts zwischen den Gesellschaften.
In ihrer gemeinsamen Teilnahme an der diesjährigen Eurovision 2009 in Moskau und in den unzähligen gegebenen Interviews und in Medienauftritten haben Ahinoam (Noa) Nini und Mira Awad mit ihrem Song There Must Be Another Way der ganzen Welt gezeigt: Es gibt einen anderen Weg.
Der internationale Bekanntheitsgrad der beiden Sängerinnen machte beide zusammen zu Botschafterinnen des Friedens für eine bessere Zukunft des Nahen Ostens."

 
 
Wir freuen uns über diese Auszeichnung und gratulieren Noa und Mira Awad!

 

 
Noa (links) und Mira Awad bei der israelischen Party in Moskau am 18.5.2009: (Foto Martin Schmidtner)

 
 
 
 
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