Politische Diskussionen

The Show Must Go On - Ein Kommentar zum deutschen Vorentscheid

Schmidtner & Schulte08. März 2015
In unserer politikmüden Gesellschaft hat sich die Agora, der Marktplatz des politisch-gesellschaftlichen Diskurses, weg von der Politik hin zu medialen Ereignissen wie Wettbewerben, Sportevents und Dschungelcamps verlagert. Dort werden jetzt jene hitzigen Diskussionen ausgefochten, die in der Politik im Merkel-Land schon lange nicht mehr stattfinden. Mit der permanenten öffentlichen Bewertung von Menschen in "Gewinner" und "Verlierer" geht das Gefühl für das Alltägliche verloren.

Drei Tage liegt der deutsche Vorentscheid mit dem einmaligen Vorgang eines Verzichts auf den Sieg durch Andreas Kümmert zurück und das Vorwärts-Blog blieb erst mal sprachlos.

Der „Skandal“

Was war passiert? In einem entgegen allen vorherigen Erwartungen unterhaltsamen und durchaus vielfältigen Vorentscheid – in dem nahezu alle Auftretenden ihre bei vorangegangenen Proben gezeigten Leistungen bei weitem toppten - wählte das Publikum erwartungsgemäß risikoscheu  mal wieder ganz anders, als wir uns das gedacht hatten, ließ die Spartenlieblinge Faun und Fahrenhaidt ebenso durchfallen wie den mutigen Versuch mit Noize Generation, Dance-Club-Music nach skandinavischen Vorbild zum ESC zu schicken und entschied sich vor allem für Neuauflagen bewährter Konzepte: Lena reloaded in Gestalt von Ann Sophie, Max Mutzke reloaded in Gestalt von Andreas Kümmert und für die Vertreterin typisch deutscher Songwriter-Liedermacher-Musik Alexa Feser. Lediglich mit den vierten Halbfinalteilnehmerinnen Laing (MeKaDo reloaded) bewies das TV-Publikum eine gewisse Risikobereitschaft und ließ uns kurz auf einen wirklich originellen deutschen Beitrag für Wien hoffen.

Das Finale allerdings wurde dann zwischen den beiden Vertretern eines Casting-Konzepts ausgetragen und zeigte die deutsche Vorliebe für Underdogs und vermeintliche Authentizität: Ann Sophie gegen Andreas Kümmert, Rampensau gegen Bühnenautismus  lautete die Paarung, woraus Andreas Kümmert mit überwältigenden knappen 80 % der Anrufe als Sieger hervorging.

Schon während das Ergebnis verkündet wurde, stand Kümmert allein und abseits und fiel durch extreme Nervosität auf, konnte weder Beine noch Hände ruhighalten. Zunächst entlockte ihm sein Gewinn dann tatsächlich ein stolzes Lächeln, auch bedankte er sich noch artig bei Publikum und Fans („Vielen lieben Dank. Ich bin überwältigt von Eurer Zuneigung“), um dann aber schließlich zu erklären: „Ich möchte kurz etwas dazu sagen: Ich bin überwältigt von Euch allen, von Deutschland, dafür, dass Ihr meine Musik toll findet, mich unterstützt habt…es ist momentan so: Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen und muss deshalb…ich geb‘ meinen Titel an Ann Sophie […] Ich denke einfach, dass sie viel geeigneter und qualifizierter dafür ist. Ich bin nur ein kleiner Sänger und ich geb‘ meine Wahl…[…] Tut mir Leid!“

Während das Publikum in der Halle diesen Rückzieher mit Buhrufen quittierte, erklärte Moderatorin Barbara Schöneberger nach nochmaligem Nachfragen Ann Sophie schließlich zur Siegerin und sie durfte ihren Titel Black Smoke noch einmal als Siegertitel unter goldenem Lametta-Regen präsentieren. Eine unwirkliche Situation, ein Aufschrei im Netz folgte und die TV-Nation wartete auf eine Pressekonferenz der Verantwortlichen in der Hoffnung, die mögen dies alles entweder annullieren oder aber zumindest gehörig zu Kreuze kriechen.

Tatsächlich erscheint uns auch heute noch manches merkwürdig und unverständlich an diesem „Skandal“, geht es hier doch um den Eurovision Song Contest, die weltweit größte Fernseh-Show, wobei wir die Betonung auf „Show“ legen möchten – und dies wurde in den beiden zurückliegenden Tagen allzu oft aus den Augen verloren. Fans, die in unzähligen Kommentaren fordern, eine Zusatzshow abzuhalten, um die Wahl zu wiederholen oder denken, es gäbe rechtliche Möglichkeiten für die Dritt- oder Viertplatzierten, irgendetwas einzuklagen, die verwechseln leider Show mit Wirklichkeit. Aber auch Kommentatoren, die in Kümmerts Verzicht auf die „Wahl“ einen Moment der Wahrhaftigkeit oder den Siegeszug eines neuen Männertypus zu erkennen glauben, überfrachten diese „Show“. – Das war für uns Grund genug, erst einmal nicht ins allgemeine Getöse einzustimmen.

Andreas Kümmert selbst hat sich momentan zurückgezogen und seine aktuellen Konzerte abgesagt, wie es auf seiner Facebook-Website nachzulesen ist:

Alles Verlierer

Nach den ersten Momenten der Schockstarre und des Entsetzens brach ein Sturm der Entrüstung los, der wohl am besten mit den „aufbrechenden Emotionen“ in der „zweiten Phase der Trauer“ nach Verena Kast erklärbar sind. In diesem Moment schienen alle Beteiligten des deutschen Vorentscheids nur noch aus Verlierern zu bestehen:

1) das Publikum, weil es Telefoncents und Emotionen in ein Abstimmungsverfahren gesteckt hatte, das am Ende keine Bedeutung mehr hatte und sich – so die häufigste Reaktion – „verarscht“ fühlte;
2) der NDR, für den das Ganze eine Bankrotterklärung seines Vorentscheidungskonzeptes sei und der offenbar einen Künstler am Vorentscheid teilnehmen ließ, von dem schließlich bekannt gewesen sei, dass er zu eigenwilligen Kurzschlussreaktionen und zum Rückzug neigt und der als Veranstalter natürlich am Ende eh immer an allem Schuld haben muss;
3) der „Sieger“ Andreas Kümmert, dem nach dieser Aktion wohl erst mal schwer noch irgendwelche neue Verträge angeboten werden und der sich bestimmt lange mit der Frage quälen muss, wie er es hätte besser oder anders machen können und nun  entweder mit dem Brandzeichen „Versager“ oder mit dem Vorwurf, alles nur zur eigenen Promotion benutzt zu haben, leben muss; sowie…
4) die Zweitplatzierte Ann Sophie, die - nachträglich zur Siegerin ausgerufen - mit dem Gefühl wird leben müssen, nur als Lückenbüßerin nach Wien zu fahren.

Doch vor der anschließenden Pressearbeit des NDR müssen wir unseren Hut ziehen. Die Pressekonferenz nach der Show wurde dazu genutzt zu erklären, dass man natürlich gewusst habe, dass es bei Kümmert schon ähnliche Verhaltensweisen im Zusammenhang mit The Voice of Germany gegeben habe, aber dass er schließlich mit seinem Label Universal auf den NDR zugekommen sei und glaubhaft deutlich gemacht habe, dass der Song Contest genau das sei, was er wolle.
Selbst als er zu den Proben krank wurde, habe man sich nichts dabei gedacht.

Ferner sei die Entscheidung, Ann Sophie “nachrücken” zu lassen, von Barbara Schöneberger in ihrer Kompetenz als Moderatorin ohne Rücksprache mit Regie oder Programmdirektion erfolgt – am Tag danach verwies der NDR in einer Presseerklärung dann noch auf bereits zuvor getroffene Absprachen: „Das Sendungsteam hatte in diesem Jahr wie auch in den vergangenen Jahren bei der Vorbereitung auf die Show alle möglichen Szenarien durchgespielt wie z. B. Unfälle, Krankheiten etc. Für den abstrakten und unerwarteten Ausfall eines Kandidaten war vor der Show über das Prinzip des Nachrückens gesprochen worden. Daher gab es eine Entscheidungsgrundlage und -freiheit für Barbara Schöneberger.“

Auch Kümmerts Manager bei Universal Siggi Schuller sowie sein Co-Autor und Produzent Christian Neander zeigten sich vom Kümmerts Entscheidung überrascht und betonten deren Spontaneität.

In einer späteren Presseerklärung heißt es: „Er hat alles gegeben, beschäftigt sich aber auch viel mit sich selbst und seinen Dämonen“.

Und auch Hans Derer vom Label 7us Music aus Winnenden, das Kümmerts zweite LP produziert hatte, soll psychische Probleme bei Kümmert angedeutet haben und wird mit den Worten zitiert: „Wir waren baff, aber es kam nicht unerwartet. Er ist kein einfacher Mensch, er lebt in seinen Liedern, aber die Musikindustrie ist ihm zuwider“.

Lauter Gewinner

Dies alles führt zumindest innerhalb der Presseveröffentlichungen zu einem Wandel, der aus manchen Verlierern plötzlich Sieger werden lässt:

1) Der NDR, weil die Show in aller Munde ist und jede Presse eine gute Presse sei – so formulierte es Barbara Schöneberger gleich nach der Show und natürlich hat sie vollkommen Recht. Mit den Anfeindungen der Hardcore-Fans hat der NDR schon lange gelernt zu leben, aber viel entscheidender ist, dass sich im kommenden Jahr jeder daran erinnern wird, dass da irgendwas war und die Quoten für den nächsten Vorentscheid eher wieder besser ausfallen dürften.

2) Ann Sophie, weil sie mit viel Empathie und Eloquenz für ihren Kollegen und dessen Entscheidung um Verständnis warb und dabei keineswegs den Eindruck heimlicher Freude machte. Sie kann nun eher gelöster nach Wien fahren, denn als „zweite Wahl“  steht sie nicht mehr unter dem Druck, die beste sein zu müssen.
3) Andreas Kümmert, der plötzlich als Inbegriff  künstlerischer Authentizität zu gelten scheint, erfährt plötzlich viel Sympathie und Lob als Künstler und Provokateur einer neuen Männerrolle:

Er gilt als „unabhängiger, eigensinniger, wahrer Künstler, der gerade noch rechtzeitig doch lieber nichts mit der Unterhaltungsmaschinerie ESC zu tun haben will“ (Stefan Kuzmany, SpOn).

„Wie ein Verlierer zu scheinen, ein Feigling, in einer Gesellschaft, die auf Helden hält und die Nichthelden verachtet, hat er ein Zeichen gesetzt: Andreas Kümmert ist ein Großer“ (Jan Feddersen, NDR)

„Die Provokation sitzt: dass da einer ausbricht aus der fest gefügten Männerrolle und das Feld ohne Not und Widerstand einer Frau überlässt.“ Und: „Der Mann bleibt also doch ein Mann? Einer, der Mut beweist, weil er seinem Gefühl vertraut? Andreas Kümmert bringt mit seinem Einspruch von Hannover ein Männerbild auf die Tagesordnung, das in dieser Dimension neu erscheint und mitunter Hoffnung gibt und Beispiel dafür, dass es nicht immer der Sieg sein muss, der alleine zählt.“ (Elmar Kraushaar, Berliner Zeitung)

Doch eine solche Mystifizierung bereitet uns ebensolche Bauchschmerzen wie die anfängliche Verteufelung.

Eurovision ist Show

Für uns bedeutet der Vorentscheid:

1) Menschen machen Fehler
Andreas Kümmert hat zweifelsohne einen Fehler gemacht und sich nicht fair verhalten. Nicht wegen der 14 Cent für manch Anruf, sondern  weil er seine Entscheidung zum falschen Zeitpunkt traf.

An vielen Stellen hätte er aussteigen können: nach dem Arztbesuch am Vortag, kurz vor der Show oder nach der ersten Runde – auch dann hätte er als Aussteiger oder Vertreter eines neuen Männertyps gefeiert werden können, hätte auch zeigen können, wie gut er seine Stimme einsetzt und wieviel Wirkung er damit erzielt – aber er hätte dem Publikum nicht das Gefühl gegeben, an der Nase herumgeführt zu werden, hätte ein aussagekräftiges Voting ermöglicht, denn immer wieder wird es heißen: wäre Ann Sophie überhaupt Zweite geworden, wenn sich die Kümmert-Stimmen anders verteilt hätten, und er hätte seinen Künstler-Kolleginnen und –kollegen, die das Können und den Willen zur ESC-Teilnahme mitbringen, die verdiente Chance gegeben. Darüber kann man zu Recht verärgert sein.

2) Stars gehören uns nicht
Trotzdem war es besser, an der Stelle auszusteigen als möglicherweise kurz vor dem Finale in Wien.

Denn eines ist klar: Jeder Mensch hat das Recht für sich und seine Gesundheit zu sorgen. Ob Andreas Kümmert uns je verraten wird, was das Ausschlaggebende war, die Schwäche nach einem Fieber, die Strafanzeige wegen angeblicher Pöbeleien nach einem Konzert am vorangegangenen Wochenende, eine Angstattacke oder eine Erkrankung wie etwa eine Depression oder eine Angststörung, ist allein seine Entscheidung. Doch bevor wir vorschnell über seinen Fehler urteilen, sollten wir uns bewusst machen, dass es eben mindestens diese vielen Möglichkeiten gibt und dass auch ein Künstler im Unterhaltungsbusiness jene Rechte hat, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen würden.

Wenn wir uns beim Chef krank melden, wollen wir auch nicht am nächsten Tag hören, dass es doch merkwürdig sei, dass man uns das Fieber gar nicht angesehen habe oder ob wir eventuell unter psychischen Problemen leiden würden. Und wenn jemand sagt, dass er etwas nicht könne, müssen wir darüber nicht urteilen, sondern der Entscheidung Respekt zollen.

Wir haben in den vergangenen Jahren zur Kenntnis genommen und beklagen, wie stark in der modernen Arbeitswelt in den letzten Jahren psychische Erkrankungen und Belastungsstörungen zugenommen haben. Wir regen uns regelmäßig über Menschen auf, die sich an jeden Strohhalm klammern, um in unserer Mediengesellschaft zu denen zu gehören, über die gesprochen und geschrieben wird und keine Chance ungenutzt lassen, sich mit dem inflationären Attribut „Star“ schmücken zu können. Doch wenn einer da plötzlich nicht mitspielt, sondern Sand ins Getriebe des Medienbusiness streut, sind wir plötzlich auch beleidigt und tun so, als würden die Menschen, die im Rampenlicht stehen, uns gehören. (Eigentlich eine gute Entscheidung, dass die Vorentscheidungsshow inzwischen nicht mehr „Unser Star für…“ sondern „Unser Song für…“ heißt!)

Wie weit sind wir inzwischen schon wieder von jener Betroffenheit entfernt, die beispielsweise nach dem Suizid des Torwarts Robert Enke die Öffentlichkeit den Atem anhalten ließ? Ist es nicht möglich, Prominente als das zu sehen, was sie sind: Musiker und Musikerinnen, Schauspielerinnen und Schauspieler, Sportlerinnen und Sportler oder Moderatoren und Moderatorinnen? Müssen wir damit einen permanenten Besitzanspruch auf jeden Winkel des Lebens dieser Menschen ableiten? Kaufen wir mit 14 Cent für ein Voting-Telefonat etwa einen Künstler? Nein – den Respekt, den wir für uns selbst fordern, muss ebenso für Menschen in der Unterhaltungsindustrie gelten.

3) Mediale Illusion statt politischer Wirklichkeit
Wir haben in unserem „Beipackzettel“ zum Vorentscheid unsere mediale Heimat, den Vorwärts, zum Anlass genommen, die Vorentscheidung mit einer Wahl oder mit der Bürgerbeteiligung in einer direkten Demokratie zu vergleichen.

Was lediglich als medialer Aufhänger gedacht war, bringt uns dennoch hinterher ins Nachdenken: wie abstrus erscheint es eigentlich, dass in einer Gesellschaft, in der immer weniger Bürgerinnen und Bürger ihr politisches Wahlrecht wahrnehmen, nach einem Televoting in einer Unterhaltungsshow plötzlich ein Shitstorm der sich betrogen fühlenden „Wählerinnen und Wähler“ losbricht? Wie konsequent ist es, wenn es zum modernen Glaubensbekenntnis geworden ist, dass alle Gewählten „nur an ihren Posten kleben und diesen niemals freiwillig aufgeben würden“, ein Nein-Sager und Sich-Verweigerer plötzlich ebenso zum Buh-Mann wird?

So betrachtet sind die Ereignisse der vergangenen Tage ein weiteres Indiz dafür, wie sehr sich in einer politikmüden Gesellschaft die Agora, der Marktplatz des politisch-gesellschaftlichen Diskurses, weg von der Politik hin zu medialen Ereignissen, Wettbewerben, Sportevents und Dschungelcamps verlagert und dort jene hitzigen Diskussionen ausgefochten werden, die im Merkel-Land schon lange nicht mehr stattfinden?

4) Unbeantwortete Fragen
“It’s Eurovision. It’s a show!“ – das ist der Maßstab, der anzulegen ist. Und dennoch oder gerade deshalb bleiben für die Freunde und Freundinnen des Song Contests natürlich nach dem Vorentscheid ein paar Fragen, die zu klären sind, zumal an die Programmverantwortlichen, die diese Show auf die Beine stellen.

Es ist das Verdienst des NDRs, in den vergangenen Jahren sehr viel Offenheit und Transparenz im Zusammenhang mit Entscheidungen zum Vorentscheid gezeigt zu haben – genau dadurch wirkten die Statements auf der Pressekonferenz am Donnerstag auch sehr glaubhaft.

Zurück bleibt dennoch ein merkwürdiger Eindruck, warum anscheinend bei einem Kandidaten, der als sensibel im Blick auf medialen Druck bekannt war und in einem Moment erkrankte, als eine mögliche Strafanzeige gegen ihn öffentlich gemacht wurde, niemand das direkte Gespräch mit ihm gesucht haben will, um eventuell mal abzutesten, ob mit Überraschungen zu rechnen sei.

Ebenso erscheint es vielen nach wie vor extrem unwahrscheinlich, dass eine Moderatorin, die den ganzen Abend durch den berühmten Knopf im Ohr eingeflüstert bekommt, wie lange sie etwa noch eine Umbaupause zu überbrücken hat und zu welcher Position sie sich begeben soll, in einem angeblich unvorhersehbaren Moment anscheinend von Regie und Programmdirektion im Stich gelassen wird.

Und für alle Verschwörungstheoretiker wird es immer eine offene Frage bleiben, warum Barbara Schöneberger nach dem Applaus für die zweitplatzierte Ann Sophie sich dem Sieger Andreas Kümmert mit den Worten zuwandte: „Wir sind gespannt, was jetzt passiert! Bist Du bereit, Deinen Song nochmal für uns zu performen?“ – Natürlich kann sich das auf sein „hohes Fieber“ bezogen haben – oder aber auf eine gute Intuition im Blick auf seine hohe Nervosität und Sich-Abseits-Halten auf der Bühne. Aber eine gängige Anmoderation für einen strahlenden Gewinner war dies wahrlich nicht. Doch statt Antworten zu erwarten, können wir nur wiederholen: „It’s Eurovision! It's a show!“

5) Die Zukunft des deutschen Vorentscheids
Nachdem sich die Aufregung um Andreas Kümmert, und das hoffen wir für ihn, bald gelegt haben wird, sollte durchaus diskutiert werden, wie es mit dem deutschen Vorentscheid weitergeht.

Der NDR muss sich entscheiden, ob er Künstlerinnen und Künstler der deutschen Musikszene – ganz egal ob etabliert oder Nachwuchs – für den Song Contest gewinnen oder ausschließlich auf unbekannte Nachwuchstalente setzen will. Entweder man macht einen Vorentscheid, bei dem alle gleich behandelt werden oder man sucht neue Talente in einer Nachwuchs- oder Castingshow. Die Mischung aus einem durch die Plattenindustrie mitbestimmten Vorentscheid mit einer Wildcard aus einem sogenannten Clubkonzert halten wir für kontraproduktiv, da es nur immer wieder – am Donnerstagabend durch die Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Janin Reinhardt noch dazu kräftig angeheizt – zu jener archetypischen Entscheidung über einen etablierten Act gegen einen  Newcomer/Underdog/Aschenputtel kommen wird, die wir zwar so lieben, aber die völlig absurd erscheint.

Auch in diesem Jahr leuchtet uns der Abstimmungsmodus mit den zwei Songs pro Act nicht wirklich ein. In der ersten Runde kann dadurch ein Act hinausfliegen, der eventuell mit seiner zweiten Nummer Erfolg gehabt hätte. Und auf dem Weg vom Halbfinale ins Finale wird die Abstimmung ungleichgewichtig und bevorzugt jene Künstlerinnen oder Künstler, die einen klar stärkeren gegen einen klar weniger geeigneten Titel ins Rennen schicken oder aber in der Vorstellung des Songs das Publikum mit Hinweis auf ihren „Lieblingssong“ zur Wahl eines bestimmten Titels auffordern, während sich bei anderen Künstlern die Stimmen gleichmäßig auf beide Songs verteilen. Sollten hier nicht vielmehr erst die Stimmen beider Songs zusammengezählt und damit die weiterkommenden Acts bestimmt werden, bevor dann die jeweilige Stimmanzahl zugunsten eines der beiden Songs im Finale den Ausschlag gibt?

 

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Kommentare

John

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