Bundestagswahlkampf

SPD in Baden-Württemberg: „Wir sind nicht viele. Dafür sind wir gut“

Derya Türk-Nachbaur12. April 2021
Derya Türk-Nachbaur ist SPD-Bundestagskandidatin in Baden-Württemberg. Sie ist heiß darauf, trotz widriger Umstände die SPD in einer strukturschwachen Region sichtbar zu machen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Kurz durchschütteln, sich darüber aufregen, dass die Grünen in Baden-Württemberg die verzettelte CDU trotz Klatsche bei der Landtagswahl nicht in die Opposition schicken, mit ebenso fassungslosen Grünen Freund*innen über diese vertane Chance reden, um sich nun voller Tatendrang den kommenden Aufgaben zu widmen: dem Bundestagswahlkampf!

„Mit diesen Menschen an meiner Seite kann es gelingen“

Wir sind bereit und wir sind heiß. Heiß darauf, trotz widriger Umstände hier im tiefen Südwesten in einer strukturschwachen Region die SPD sichtbar zu machen. Laut zu sein. Unsere Werte stolz vor uns herzutragen. Zeichen zu setzen. Den Menschen klar zu machen, dass wir wissen, warum die Sozialdemokratie wichtig ist. Gar unverzichtbar ist. Ich schaue mir mein Wahlkampfteam im Online-Treffen auf dem Bildschirm an: Ja, mit diesen Menschen an meiner Seite kann es uns gelingen. Wir sind nicht viele, dafür sind wir gut. Wir haben nicht viel Geld, aber dafür sind wir reich an Solidarität. Hier hat sich ein geballtes Bündel Expertise zusammengeschlossen, das ein Quell von neuartigen Ideen und Konzepten ist. Teilweise sind die Menschen in meinem Team, ebenso wie ich, in der Kommunalpolitik verankert. Wir geben der Sozialdemokratie unser Gesicht und unseren Namen vor Ort. Wir bürgen mit unserer eigenen Glaubwürdigkeit, mit unserer Tatkraft, mit unserer Verantwortung. Wir wissen, was die Menschen vor Ort bewegt und was sie frustriert. Wir kennen ihre Enttäuschungen, was die SPD betrifft. Wir teilen sie.

Um es nochmals deutlich zu machen: Dieser Blog ist persönlich. Daher werde ich an der einen oder anderen Stelle auch mal härter mit meiner sozialdemokratischen Familie ins Gericht gehen. Ich werde auch mit ihr schimpfen, in Tischkanten beißen und dabei wissen, dass es für mich trotz allem die einzig richtige politische Heimat ist. Es sind die Situationen im Alltag und vermeintlich die ganz unspektakulären Begegnungen mit den Menschen hier vor Ort, die mich immer wieder darin bestätigen, für die richtige Seite unterwegs zu sein.

Bildung darf nicht von der Herkunft abhängen

Neulich erhielt ich einen Anruf einer jungen Frau, die letztes Jahr ihr FSJ an einer Schule gemacht hat. Sie studiert nun, um Lehrerin zu werden. Lachend erzählte sie mir, dass sie damals nach der Grundschule keine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten habe, weil die Lehrer*innen ihrer Mutter bescheinigt hatten, dass die Mutter als Alleinerziehende mit Migrationshintergrund sicherlich mit dem Schulstoff der Tochter überfordert sein würde. Schließlich müsse sie ja so viel arbeiten gehen und habe sicher keine Zeit, sich um den Lernfortschritt der Tochter zu kümmern. Es kam anders. Was für ein Glück!

Die junge Frau erzählte mir, dass sie während des FSJs dieses Déjà-vu hatte. Trotz inzwischen weggefallener verbindlicher Grundschulempfehlungen werden Kinder ungleich behandelt. Nicht bewusst – das zu bekräftigen war ihr wichtig – doch es passiere. Sie wolle Lehrerin werden, um das Schulleben ein Stück gerechter zu machen. Dieses Gespräch ging mir lange nach und erzeugte ein Déja-vu bei mir.

Womit wir schon bei einem ursozialdemokratischen Thema wären: Der Zugang zu guter Bildung darf nicht von der Herkunft oder der Dicke des Portemonnaies der Eltern abhängen. Punkt. In meinem Landkreis ist der Anteil der erwerbsfähigen Alleinerziehenden mit Sozialhilfebezug landesweit am höchsten, im Bundesvergleich liegt der Schwarzwald-Baar Kreis an achter Stelle. Ich kann euch gar nicht erklären, warum das so ist. Für uns als Sozialdemokrat*innen ist das allerdings alarmierend. Das sind größtenteils Frauen, die uns und unsere Unterstützung brauchen. Das sind Kinder, die womöglich die gleichen Erfahrungen machen werden wie die junge Studentin oder wie ich damals. Das sind Frauen und Kinder, die unter den Pandemiebedingungen ganz besonders leiden. Wenn nicht wir uns für sie einsetzen, wer dann?

Kindergrundsicherung muss kommen!

Die Kindergrundsicherung muss endlich kommen. Genau daran will ich mitarbeiten. Wir wollen, dass Familien, die nicht so viel Geld haben, sich nicht mehr durch diesen Flickenteppich und das Labyrinth der zig unterschiedlichen Anträge und Förderungen durchkämpfen müssen. Wir wollen Wahlkampf dafür machen, dass die Existenz dieser Kinder gesichert ist und kein Kind in unserem reichen Land und auch in unserem reichen Landkreis mehr von Kinderarmut betroffen ist. Alleinerziehend zu sein, bedeutet oftmals nicht nur finanzielle Nachteile zu erfahren, das ist nur ein Aspekt.  Nachteile im Bildungsbereich, Erziehungsschwierigkeiten, erschwerte Erwerbstätigkeit und die daraus folgenden gesundheitliche Probleme durch die Mehrfachbelastung gehen häufig Hand in Hand.

Dieses Thema werden wir gesondert in einer Postkartenaktion aufgreifen und dem eine Themenwoche in den sozialen Netzwerken widmen. Leider müssen wir noch weiter auf die persönlichen Begegnungen verzichten. Das bleibt nun erst einmal so und wir machen alle gemeinsam das Beste daraus und freuen uns auf die Zeit nach der Pandemie.

Der digitale Wahlkampf hat auch seine Vorteile: Aus dem schönen Schwarzwald-Baar Kreis erreiche ich euch, die Ihr womöglich gerade am anderen Ende Deutschlands den Wahlkampf für den eigenen Wahlkreis führt.

Wer Lust hat, mir zu schreiben und Ideen auszutauschen, kann das gerne über meine Webseite www.tuerk-nachbaur.de tun. Ansonsten lesen wir uns hier bald wieder.

Bleibt gesund!

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Kommentare

ja, das ist nachvollziehbar ,

wenn ich allein unterwegs bin, bin ich auch der Größte, Schnellste, Klügste, Dümmste- jedes Superlativ passt. Stolz bin ich darauf aber nicht