Diskriminierung

Nobelpreis 2016: Keine Auszeichnung für Frauen

Julia Korbik25. Oktober 2016
Nur 47 Frauen wurden seit der Erstvergabe 1901 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – aber 747 Männer. Woran liegt’s?

Nimmt Bob Dylan nun den Nobelpreis für Literatur an oder nicht? So genau weiß man es immer noch nicht, der Musiker hüllt sich weiterhin in Schweigen. Ob Dylan den Preis nun akzeptiert oder nicht, fest steht jetzt schon: In diesem Jahr werden nur Männer ausgezeichnet. In keiner der sechs Kategorien – Physik, Chemie, Wirtschaft, Medizin, Literatur und Frieden – findet sich auch nur eine einzige Frau. Im letzten Jahr machten Frauen noch 20 Prozent der Gewinner aus, auch das eine ziemlich traurige Zahl.

Strukturelles Problem

Überraschend ist das alles natürlich nicht: Seit der Erstvergabe des Nobelpreises 1901 ist der Anteil der Gewinnerinnen stets gering gewesen. In Schweden wollte man deshalb wohl betonen, dass sehr wohl auch Frauen ausgezeichnet wurden: Der offizielle Twitter-Account des Nobelpreises teilte am 13. Oktober ein Foto mit den 14 Gewinnerinnen des Literatur-Nobelpreises. 14 Gewinnerinnen, das klingt für die Schwedische Akademie wohl gut. Dass im gleichen Zeitraum 107 Männer die Auszeichnung gewannen – geschenkt. Zugegeben: In der Kategorie Literatur ist der Frauenanteil nahezu erfreulich, wenn man ihn mit dem in anderen Kategorien vergleicht. In den fünf „klassischen“ Kategorien (Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden) wurden bis 2015 insgesamt 824 Nobelpreise verliehen, 750 davon gingen an Männer, nur 48 an Frauen (und 26 an Organisationen). Darunter befinden sich einige Mehrfachpreisträger, sodass insgesamt 747 Männer und 47 Frauen geehrt wurden. In der 1968 geschaffenen Kategorie Wirtschaft wurden bisher 75 Männer und eine Frau ausgezeichnet. In der Kategorie Physik gewann zuletzt 1963 eine Frau den Preis (Maria Goeppert-Mayer für die „Entdeckung der nuklearen Schalenstruktur“) – das ist über 50 Jahre her.

Nun könnte man(n) einwenden: Es gibt eben nicht genügend qualifizierte und preiswürdige Frauen! Tatsächlich steckt dahinter ein strukturelles Problem. Der Nobelpreis wird meist für eine Lebensleistung vergeben (eine der berühmten Ausnahmen: der Friedensnobelpreis für Barack Obama). Die prämierten Leistungen liegen in vielen Fällen bereits Jahrzehnte zurück. Die bisherigen Preisträger stammen also noch aus einer Generation, in der weibliche Wissenschaftler eher die Ausnahme waren. Marie Curie, als einzige Frau zweifach Nobelpreis-gekrönt, erhielt den Preis für Physik 1903 auch deshalb, weil ihr Mann sich in einem Brief an das Nobelpreiskomitee für sie aussprach. Mittlerweile haben die Zeiten sich aber geändert: Es gibt viele qualifizierte Wissenschaftlerinnen – das Nobelpreis-Komitee hingegen bleibt bei seiner alten Vergabepraxis und verpasst so die Chance, selbst etwas gegen die strukturelle Ungleichheit zu tun. Die heutige Forscherinnen-Generation kann sich so vielleicht auf einen Nobelpreis in 30, 40 Jahren freuen.

Es geht um Sichtbarkeit

Allein dem Nobelpreis-Komitee die Schuld an dem verschwindend geringen Anteil von Nobelpreis-Gewinnerinnen zuzuschieben, wäre zu einfach. Das Komitee selbst ist nun einmal Teil einer Kultur, in der die die Leistungen von Männern immer noch mehr zählen als die von Frauen. Trotzdem hat das Nobelpreis-Komitee als Institution auch eine Verantwortung. Letztendlich geht es um Sichtbarkeit, um die Förderung von hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen nicht nur männlicher Wissenschaftler. Das würde allerdings voraussetzen, dass das Komitee von seiner „Lebenswerk“-Vergabepraxis abrückt und so auch jüngeren Menschen – Frauen und Männern – eine Chance auf den Preis gibt. „The times they are a changing“, sang Bob Dylan. In Schweden allerdings scheint sich auf absehbare Zeit nicht viel zu ändern.

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Kommentare

Selten so etwas lächerliches

Selten so etwas lächerliches gelesen. Wenn Frau etwas nicht bekommt, liegt es natürlich nicht an ihr selbst, sondern allen anderen Faktoren, die sie in ihrem kleinen unterentwickelten Hirn zu Tage fördert.

DAS STIMMT NICHT!!!!

DAS STIMMT NICHT!!!!

das stimmt nicht!!!!

Was denn?
Das Marie Curie ihre zweite Nominierung nur bekommen hat, weil ihr Mann ein Empfehlungsschreiben schrieb? Korrekt, stimmt nicht, sie hat ihre Nobelpreise bekommen, weil sie eine herausragende Physikerin war.

Damit ist aber seit zig Jahren bewiesen, dass es Frauen wie Männern möglich ist, bei herausragenden Leistungen einen Nobelpreis zu bekommen. Es müssen halt die Leistungen da sein. Bekommt eine Frau keinen Nobelpreis, liegt das eben nicht an ihrem Geschlecht, sondern daran dass die Leistungen nicht so großartig sind, wie die eines oder einer anderen.
Gleichberechtigung bedeutet, dass die Türen allen offen stehen müssen, nicht dass einige auf Grund ihres Geschlechtes auf Sänften hindurch getragen werden. Hindurchgehen muss man / frau schon selber.

ach du meine fresse.. mimimi

ach du meine fresse.. mimimi

Von gleichen Bedingungen Lichtjahre entfernt

All die hier gegebenen Kommentare würden stimmen, wenn Frauen und Männer dieselben Ausgangsbedingungen hätten. Das Problem fängt aber nicht bei der Vergabe der Nobelpreise an. Wenn der Wissenschaftsbetrieb Frauen früh aussortiert, ist es kein Wunder, dass es kaum Nobelpreisträgerinnen gibt. Das ist das eigentliche Problem.

Die deutschen Männer sind die größten Kavaliere

Warum gründen Frauen keine Firmen sondern wollen nur ins gemachte Nest? Warum funktioniert bei ihnen immer alles nur in Relation zu Männern? Warum können viele Frauen in privilegierter Funktion es nicht lassen, bei Gelegenheit einen unnötigen Stresstest laufen zu lassen, statt ihren Mitmenschen mit jener Nachsicht zu begegnen, die sie selbst einfordern? Kein Respekt?

Es ist beschämend. Seit Jahrzehnten werden Frauen in Ämtern und Universitäten bevorzugt eingestellt. Ich kenne mehrere Männer, die deshalb keine Unikarriere machten. Und dann schreibt hier jemand unqualifiziert, man hielte Frauen absichtlich fern.

Auf Straßenfesten pöbeln Frauen im Jahre 2016 als Moderatorinnen während eines Kinderprogramms, das Patriachat sei an allem schuld.

Tatsächlich ist die Schuldfrage der Frauen an Nazideutschland noch nicht ausgiebig wissenschaftlich behandelt worden. Warum wohl nicht? Chauvinismus und Snobismus bei Frauen, die fast alle bei Männern auf Geld und Reputation achten, ist kein Thema. Warum nicht?

Weil die deutschen Männer beispielhafte Kavaliere sind und viel durchgehen lassen. Aber jede zweite Frau fühlt sich bereits dumm angemacht, wenn ein Mann ihr die Tür aufhält.

Frauen brauchen keine Kavaliere

Ich weiß nicht, mit welchen Frauen Sie zu tun haben, aber ich kenne keine einzige, die sich „ins gemachte Nest“ gesetzt hätte. Und selbst wenn, wäre das nichts typisch Weibliches. Es mag sein, dass deutsche Männer „beispielhafte Kavaliere“ sind (obwohl ich bezweifle, dass die Aussage einer empirischen Untersuchung standhalten würde), aber genau die brauchen Frauen nicht. Ein Kavalier handelt immer aus einer überlegenen Position heraus. Frauen brauchen aber gleichberechtigte Partner, denen sie auf Augenhöhe begegnen können. Und solange die nicht hergestellt ist (was sind einige Jahrzehnte Gleichstellungspolitik im Verhältnis zu vielen Jahrhunderten Patriarchat?), braucht es Beiträge wie den von Julia Korbik, die den Finger in die Wunde legen.