Marxismus

Das Missverständnis mit diesem Sozialismus!

Martin Kaysh07. Mai 2018
Wie ich mich schon als Kind über den Staatssozialismus täuschte, und warum ich bis heute meine Schuld bei der SPD abarbeite.

Dieses Sozialismus-Ding ist im Grunde ein riesiges Missverständnis, bei mir jedenfalls. Das macht aber in meinem Falle nichts. Links war ich, seit ich als Grundschüler im Radio hörte, der Stamokap-Flügel der SPD fordere die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien.

Das passte in mein Weltbild. Ich hatte gerade mal wieder den Wohnungsschlüssel verbummelt und bekam anschwellend Ärger mit meinem Vater, einem konservativen Durchschnittstrinker. Meine Idee: Wenn nur der Staat Schlüssel und Schlösser produziert, wären die Wohnungen sicher. Einbrecher würden nicht mehr so leicht an Nachschlüssel kommen.

Kapitaler Irrtum über sozialistische Theorie

Andererseits könnte ich, als Kind stets abgelenkt, den Schlüssel ruhig beim Spielen an der Köddelbecke verlieren, der Staatshausmeister ließe mich schon in unsere Wohnung rein, ehe die Eltern nach Hause kämen.

Das war ein kapitaler Irrtum bezüglich der Wirkmacht sozialistischer Theorien. Aber die Vertreter des Juso-Stamokap der 70er haben ihre Sicht auf die politische Ökonomie seither auch erweitert. „Stamokap“, liebe Neumitglieder, muss heute niemand mehr nachschlagen. Es war die deutsche, grübelnde Antwort auf die Langhaarigen mit den ­Flokatijacken.

Immer nur Ärger mit dem linken Zeug

Mir brachte dieses SPD-Zeug als Kind immer nur Ärger ein. 1972, im Wahlkampf, knibbelte ich ein ­Willy-Brandt-Plakat vom Bauzaun, hängte es ins Kinderzimmer und war davon überzeugt, dass dieser kluge, warmherzige und gerechte Mann in der ganzen Familie Begeisterung auslöse. Wieder ein Irrtum. Nebenher stehe ich seit diesem Diebstahl mit geschätzt einer Mark plus Zinsen bei der SPD in der Kreide. Eine Schuld, die ich bis heute abarbeite.

Mit 14 kaufte ich mir eine Karl-Marx-Biografie aus dem sozialdemokratischen Dietz Verlag. Die kostete fast ein komplettes (Taschengeld-)Monatseinkommen. Ich wollte mehr erfahren über den klügsten, gefährlichsten und gerechtesten Menschen der Welt. Mein Vater hingegen sah mich kurz vor dem Eintritt in die örtliche Jugendgruppe der RAF und haute mir das Buch nicht nur sprichwörtlich um die Ohren.

Zu kompliziert für Teenager

Gelesen habe ich es dann nicht, war zu kompliziert geschrieben für einen  Teenager. Aber es war gut, es im Regal zu wissen. Dazu gesellten sich andere Marx-Schriften, diese beigen, schmalen Bände, gedruckt in China. Die brachte mir mein Juso-Vorsitzender mit, von der Uni, 80 Pfennig fürs Manifest, Lenin war teurer.  

Wichtig wurde der Mann aus Trier 1989, als es mit dem real Existierenden zu Ende ging. Mit ihm konnte ich den grauen Marxioten von drüben erklären, warum das mit ihrem DDR-Sozialismus nichts geben konnte. „Er proklamierte ... den deutschen Spießbürger als den Normalmenschen. Er gab jeder Niedertracht desselben einen verborgenen, höheren, sozialistischen Sinn, worin sie ihr Gegenteil bedeutete“, heißt es schon im Manifest von 1848. Hätten wenigstens die ihren Marx mal gelesen.

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