Faire Löhne

Warum mir die Ausbildung als Gastronomin im Bundestagswahlkampf hilft

Josephine Ortleb28. Juni 2017
Als gelernte Gastronomin weiß ich, was harte Arbeit bedeutet. Deshalb will ich mich ab Herbst im Bundestag für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen stark machen – so wie ich das schon lange als Gewerkschafterin tue.

Die Gastronomie ist für mich ein Begegnungsort, der für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft wichtig ist. Dort trifft man sich, spricht über die Neuigkeiten in der Nachbarschaft und löst manchmal – nach dem dritten oder vierten Bierchen – sogar die großen Probleme der Welt. Deswegen ist es mir wichtig, dass die vielfältige Gastronomiekultur meines Wahlkreises erhalten bleibt.

Ein Arbeitsplatz mit hoher Belastung

Doch natürlich gibt es viele Missstände in dieser Branche. Als Gast sieht man diese meist nicht: Oft sind die Löhne nicht besonders gut. Früh-, Spät- und Nachtschichten, aber auch Wochenend- und Feiertagsarbeit machen das Gastgewerbe zu einem Arbeitsplatz mit einem hohen Maß an Belastung.

Ich weiß, wovon ich rede: 1989 haben meine Eltern als selbstständige Gastronomen unser familieneigenes Restaurant in Saarbrücken eröffnet. Ich war damals drei Jahre alt.

Mit 16 Jahren hinter der Theke

Bereits im Kindergartenalter bin ich in der Küche zwischen Pfannen und Töpfen herumgesprungen. Als Schülerin habe ich meine Hausaufgaben am Personaltisch im Pausenraum erledigt.

Aber ich musste natürlich auch im Betrieb mit anpacken. Bereits mit 16 Jahren stand ich als Kellnerin hinter der Theke, half in der Küche mit und unterstütze meine Eltern, wo ich konnte. So habe ich täglich erfahren, wie viel Arbeit hinter den „Kulissen“ dieser Branche verrichtet werden muss. Aber nicht nur das wahnsinnige Arbeitspensum meiner Eltern hat mich geprägt, auch der herzliche und offene Kontakt mit unserem vielfältigen Publikum haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Manche Gäste kennen mich seit knapp 30 Jahren. Sie gehören inzwischen schon fast zur Familie. Dies war auch ein Grund, mich für diesen Beruf zu entscheiden. So lernte ich im elterlichen Betrieb den Beruf der Restaurantfachfrau und bildete mich später zur staatlichen geprüften Gastronomin und Fachwirtin im Gastgewerbe weiter.

Nein zur Zwölf-Stunden-Schicht!

Schon während meiner Ausbildung bin ich Mitglied in der „Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten“ (NGG) geworden. Denn faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind für mich die Grundvoraussetzungen für ein gutes Leben der Beschäftigten. Damit diese Voraussetzungen in der Gastronomie verbessert werden, kämpfe ich am Verhandlungstisch mit den Arbeitgebern in der Tarifkommission für meine Kolleginnen und Kollegen. Gerade weil ich die wirtschaftlichen Zwänge der Arbeitgeber kenne, gleichzeitig aber weiß, wie es den Beschäftigten geht, kann ich hier die richtigen Akzente setzen.

Zum Beispiel in der aktuellen Debatte um eine mögliche Zwölf-Stunden-Schicht in der Gastronomie: Die Gastwirte fordern, dass Kellnerinnen und Kellner sowie Küchenpersonal künftig bis zu zwölf Stunden am Stück arbeiten dürfen beziehungsweise sollen. So etwas widerspricht ganz klar meiner Auffassung von guter Arbeit!

Mein Startvorteil im Wahlkampf

Genauso leidenschaftlich wie ich mich für bessere Arbeitsbedingungen und die Stärkung der mittelständigen Gastronomie vor Ort einsetze, möchte ich auch die Belange der Menschen meines Wahlkreises in Berlin vertreten.

Bei den vielen Wahlkampfterminen, die ich momentan habe, ist es auch wirklich ein Startvorteil, aus der Gastronomie zu kommen – ein Fassanstich macht mir keine Angst!

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