Regierungsbildung

Migro? Roschko? Wer will uns regieren?

Martin Kaysh15. Dezember 2017
Die SPD entscheidet sich für Sondierungen mit CDU und CSU. Aber wer kommt da eigentlich zusammen? Und über was werden die potenziellen Partner sprechen? Immerin einen Vorteil hätte eine erneute große Koalition für die SPD.

Sozialdemokraten, so geht das nicht. Erst Politik machen, bei der so manchem Mitglied das Lachen vergeht, und dann den Satiriker bitten, für Stimmung zu sorgen. Zwar hat Deutschlands Kabarett die Witze längst parat. „Was liegt am Boden, kann aber trotzdem noch umfallen? – Die SPD auf dem Weg in die GroKo.“ Aber der Gag stimmt nicht.

Eine GroKo, große ­Koalition, hätte man gerne. Was mit einer arg gerupften Union und einer tief verletzten SPD aber zustande kommen kann, ist allenfalls eine mittelgroße Koalition, eine Migro. Gegen das Kürzel würde sich die Schweizer Supermarktkette Migros wehren, wird die doch „Migro“ gesprochen. Der Migros-Käse übrigens ist super. Oh, nächstes Fettnäpfchen. Natürlich wäre die Koalition kein Käse.

Katzen­babys machen keine Politik

Man könnte auch von der rot-schwarzen Koalition sprechen, der Roschko. Da würde sich Katzenzüchterin Daniela Roschko beschweren. War gerade mal auf ihrer Homepage. Die sind schon süß, ihre Bengalen. Hach, Katzen kommen ja immer gut im Internet. Aber Katzen­babys machen keine Politik. Vor der nicht-ganz-so-großen Koa­lition hockt eine zerzauste Bundeskanzlerin mit einer bayerischen Partei im Nacken, der CSU, die allein kaum koalitionsfähig ist. Die Union der Berge kann sich schon mit sich selbst kaum auf einen Vertrag einigen. Um mit der großen Schwester CDU zusammenzukommen, spaltet man sich deshalb in zwei CSUen. Die eine wurschtelt irgendwie mit in Berlin. Die andere gibt lautstark die Opposition in Bayern, damit sie dort weiterregieren kann.

Die Genossen im Freistaat können sich auf die nächste Landtagswahl freuen. So marode die Staatspartei ist, könnte sie schon bald auf einen Koalitionspartner angewiesen sein. Die FDP fängt nach kurzer Blüte schon wieder an zu riechen und fällt wohl aus. ­Christian Lindner verliert in Umfragen bei den Anhängern aller demokratischen Parteien. Nur bei der AfD verdoppelt er sein Ansehen, weil er, nicht Andrea Nahles, das politische „Ätschi Bätschi“ eingeführt hat. Mit „Bätschi, Jamaika“, zeigte der Liberale, wo der Flutschige Wählerstimmen fischt. Der ausgewählten ­Zielgruppe gefällt das, aber auch nur der. Das heißt: Mit Glück wird die ­Bayern-SPD mit ähnlichem Ergebnis wie die Bundespartei demnächst nicht debattieren, sondern mitregieren.

Die SPD kommt zur Sondierung mit Ideen, die Union mit Neins

Wir haben in Berlin derzeit eine geschäftsführende Bundeskanzlerin. Macht nichts, sagen viele, mehr als geschäftsführend war Merkel selten. Die SPD kommt zur Sondierung mit Ideen, die Union mit Neins. Eine Koalition ­hätte zumindest einen Vorteil. Erstmals könnten SPD-Minister hautnah das ­Ende eines Bundeskanzlers erleben, der mal nicht der eigenen Partei angehört.

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Kommentare

Witzig?

Vor Schreck über diesen Beitrag hab ich mich in meine von Fritz Raddatz vorzüglich editierte Tucholsky Werke verkrochen – also, mein Zwerchfell ist beim Lesen eingeschlafen.