Digitalisierung

IT-Kompetenz im Bundestag: Mehr digitale Erfahrung braucht das Land!

Doris Aschenbrenner09. Dezember 2016
Im aktuellen Bundestag sitzen 630 Abgeordnete. Menschen mit IT-Erfahrung sind darunter Mangelware. Dabei brauchen wir dringend Politiker, die verstehen, wie das Internet und die Digitalisierung funktionieren.

Ich habe mich schon oft gefragt: Was waren unsere Abgeordneten eigentlich von Beruf, bevor sie Abgeordnete wurden? Und wie viele davon waren Informatiker und Informatikerinnen – oder irgendetwas im Kontext der IT-Industrie? Meine Recherche beginnt auf der offiziellen Berufsstatistik-Seite des Deutschen Bundestags, auf der ich erfahre, dass von 630 Bundestagsabgeordneten der aktuellen Wahlperiode (2013-2017)

  • 42 Personen aus Bildung, Lehre und Forschung kommen
  • 32 Beamte und nochmal 38 Angestellte aus der Verwaltung (70 insgesamt)
  • 27 aus einem kommunalen Wahlamt
  • 42 aus Parteien und Fraktionen (vorherige MitarbeiterInnen)
  • 92 aus „Rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufen“  und
  • 48 aus der ominösen Kategorie Handwerk, Handel, Gewerbe, Industrie

kommen. Ich klicke mich also durch die Liste aller Abgeordneten, denn jetzt finde ich die Frage wirklich langsam spannend. Mein Eindruck: Die Berufe Rechtsanwalt/Rechtsanwältin, sowie Volkswirt/Volkswirtin liegen weeeeit vorn. Die FAZ titelte sogar mal mit „Jeder zehnte Abgeordnete hat Wirtschaft studiert“.

Ich vermerke mir alle im weitesten Sinne technisch versierten Personen in einer Excel-Liste, die ich euch gerne zum weiteren Studium überlasse. Ich habe immerhin 65 Personen in die engere Auswahl genommen, davon waren

  • 35 IngenieurInnen, davon aber 4 ArchitektInnen und 11 AgraringenieurInnen (verbleibend: 20 mit technischer Orientierung)
  • 5 MathematikerInnen

Und sogar 4 InformatikerInnen. Es hat mich erstaunt. Denn um genau zu sein sind es vier SPD-Abgeordnete, davon nur ein Mann:

Ich wollte mich dann doch nicht nur auf die InformatikerInnen versteifen und habe, um den Kreis noch etwas weiter auf zu ziehen, die Elektrotechnik-Ingenieure und Wirtschaftsingenieure mit den InformatikerInnen zusammengepackt und komme auf ein Häuflein von 17 Personen, vom allerdings Wolfgang Tiefensee Wirtschaftsminister in Thüringen geworden und damit nicht mehr Abgeordneter des Deutschen Bundestags ist. Ich komme bei meiner Recherche nach Abgeordneten mit IT-Erfahrung auf 10 Personen aus dem Kreis der CSU/CDU, 6 Personen aus der SPD und 1 von den Grünen. Das sind ganze 2,7 Prozent des Abgeordneten des Deutschen Bundestags (ohne Wolfgang Tiefensee nur 2,5). 

Wir lesen zum Vergleich nochmal die oben genannten Zahlen. Natürlich ist nicht jeder Mensch, der einmal beruflich in einer Ingenieurs- oder Informatiklaufbahn war, auch geeignet, politisch auf die Zukunft der Digitalisierung einzuwirken. Gleichzeitig sind natürlich auch die JuristInnen, BeamtInnen und Wirtschaftskompetenten in der Lage, sich in die Fragestellungen der Digitalisierung einzuarbeiten.

Doch dieser Appell richtet sich an euch Digitalo-Leute da draußen in diesem Internet: Wir werden sie brauchen, die Politiker, die verstehen wie das Internet und die Digitalisierung funktionieren. In allen Ausschüssen. In allen Parteien. Denn das, was die Digitalisierung am dringendsten von uns verlang, ist eines: Gute Politik, die diesen digitalen Wandel aktiv gestaltet.

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