Bundestagswahl 2017

Kandidaten im Wahlkampf: Rastlos durch den Tag

Robert von Olberg03. August 2017
Jetzt aber wirklich: Sieben Wochen vor der Bundestagswahl heißt es für Kandidaten und Parteien Klotzen statt Kleckern. Robert von Olberg gewährt einen Einblick in seinen Wahlkampf-Kalender, der für alles Platz lässt außer für Schlaf.

Nein, ich war nicht so blauäugig, zu denken, dass Wahlkampf ein Spaziergang ist. Und da ich schon im Sommer 2016 als Bundestagskandidat der SPD Münster nominiert wurde, ist dieser Wahlkampf für mich sowieso eher ein Marathonlauf. Als „Neuer“, der erstmals für den Bundestag kandidiert, muss er das auch sein, denn es gilt, sich bei so vielen Menschen wie möglich im Wahlkreis bekannt zu machen.

Doppelte Arbeit – halber Verdienst

Spätestens seit Mitte Juli nimmt die Termindichte aber mächtig zu. Der Wahlkampf kommt in Fahrt. Und immer noch werde ich gefragt: „Und, wann geht es los mit dem Wahlkampf?“ Ich verweise dann auf meinen Kalender: „Ich kann mich nicht beschweren, dass mir langweilig würde!“ Doch für die meisten Menschen ist wohl erst dann richtig Wahlkampf, wenn die Plakate hängen. Und das dauert noch ein paar Tage.

Als Kandidat, der noch nicht im Bundestag sitzt, muss ich Wahlkampf und eigentlichen Job unter einen Hut bringen. Denn von irgendetwas muss ich ja leben. Für den Wahlkampf alleine bezahlt mich niemand. Im Gegenteil: Der verursacht eher die eine oder andere zusätzliche Ausgabe. Seit Anfang Juni habe ich daher in meinem Job die Stundenzahl reduziert. Mein Arbeitgeber hatte dafür sofort Verständnis und wir haben einen guten Weg für beide Seiten gefunden. Am Monatsende merke ich natürlich schon, dass weniger Arbeitszeit auch zu weniger Einkommen führt. Aber ich komme damit hin. Da kann ich nicht klagen.

Wenn vier Stunden Schlaf reichen müssen

Doch auch, wenn mit der reduzierten Stundenzahl im Job jetzt mehr Luft für den Wahlkampf ist, gibt es dennoch diese Tage, bei denen man sich beim Blick in den Kalender schon fragt, wie man das eigentlich alles hinkriegen soll. Kürzlich ging es schon vor der Arbeit um 5:30 Uhr mit einem Fotoshooting los. Die ersten Sonnenstrahlen sollten eingefangen werden. So hatte es sich der Fotograf ausgedacht. Und auf dem Foto sieht das auch toll aus. Doch am Abend vorher ging unsere Ratssitzung – seit 2009 gehöre ich als Ratsherr dem Rat der Stadt Münster an – bis 23:40 Uhr. Bis ich da im Bett war, blieben dann gerade vier Stunden bis zum Aufstehen für das Shooting.

Und auch nachdem die Fotos im Kasten waren, blieb keine Zeit zum Ausruhen: Schnell ins Büro, ein bisschen was tun für das Gehalt. Dann zum Foodtruck des WWF, der in unserer Stadt Station machte. Anschließend ein Videodreh mit unserem amtierenden Bundestagsabgeordneten, den ich gerne beerben möchte. Danach zum Familienforum, um über mehr Zeit für die Familie, Kinderbetreuung und gebührenfreie Bildung zu diskutieren. Dann zur Sitzung unserer Wahlkampfleitung und am Abend noch eine Veranstaltung zum sozialen Europa. Absehbar, dass ich auch an diesem Tag erst spät abends nach Hause kommen werde.

Münster – Berlin – Münster

Aber nicht nur im Wahlkries in Münster drängeln sich die Termine. Auch nach Berlin geht es für mich schon jetzt immer wieder. Es gibt viele Angebote der Partei, bei denen wir als hoffentlich künftige Abgeordnete vieles lernen können über das, was uns nach der Wahl im Bundestag erwartet. Gut, dass es von Münster nach Berlin keine vier Stunden sind mit der Bahn, auch wenn eine schnelle Direktverbindung leider fehlt. Für die will ich mich als Abgeordneter einsetzen. Und wenn ein Termin in Berlin bis in den Abend geht, wird dort übernachtet und am nächsten Morgen geht es mit dem Zug um 6:34 Uhr zurück nach Münster, damit ich vom Bahnhof aus direkt ins Büro gehen kann. Ich habe ja nur Stunden reduziert, nicht meine Stelle aufgegeben.

Manchmal frage ich mich in all dem Trubel: „Und wo bitte ist jetzt das Zeitfenster für den Schlaf eingetragen im Kalender?“ Aber für den Gedanken bleibt eigentlich keine Zeit. Das nächste Pressegespräch, der Bürgertreff und erst recht der Wahlkampfstand – sie alle wollen schließlich auch noch vorbereitet werden.

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