Start ins neue Jahr

Wie die Jahreslosung helfen kann, die Probleme des neuen Jahres zu lösen

Christian Wolff31. Dezember 2019
„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ So lautet die Losung für das neue Jahr. Sie kann uns helfen, auch gegenwärtige politische Probleme zu lösen.

Drei Themen bestimmen in diesen Tagen die politische Debatte:

Eine dreifache Gretchenfrage

Zwei Aspekte verbinden alle drei Themenfelder:

  1. Es ist nicht zu erwarten, dass in nächster Zukunft Entscheidungen getroffen werden, die wenigstens den geflüchteten Kindern eine Zukunft eröffnen, die dem Lebensschutz den Vorrang vor Autofetischismus geben und die die Friedenspolitik nicht länger mit Rüstungsexporten konterkarieren. Weder zeichnet sich eine parlamentarische Mehrheit ab, noch ist in den vergangenen Tagen der dafür notwendige öffentliche, mediale Druck entstanden.
  2. Uns wird in dreifacher Weise die Gretchenfrage vorgelegt: Wie halten wir es mit dem Wert des menschlichen Lebens und den uns gegebenen Möglichkeiten, diesem auf der politischen Ebene gerecht zu werden? Denn allein Artikel 1 Abs. 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ müsste alle politischen Verantwortungsebenen in einen Handlungszwang versetzen. Schließlich macht der zweite Satz von Artikel 1 aus einem moralischen quasi Glaubens-Grundsatz (1. Satz) eine einklagbare politische Handlungsmaxime. Wenn also in Griechenland, auf den Autobahnen, durch Rüstungsexporte die Würde des Menschen mutwillig angetastet wird, dann sind die staatlichen Organe zum Handeln verpflichtet.

Die Jahreslosung kann helfen

Warum dann dennoch eine allein auf rhetorischer Ebene geführte Debatte, in der eine angeblich politische Vernunft einer moralisch gebotenen Entscheidungsnotwendigkeit mit der Attitüde der Überlegenheit entgegengestellt wird? Warum dieses wortreiche Verdrängen himmelschreiender Skandale, das gleichzeitig eine so rational daherkommende kollektive Hoffnungslosigkeit offenbart? Warum dieser auch säkular an den Tag gelegte Unglaube?

Ein Blick auf die Losung für das kommende Jahr kann helfen, Antworten zu finden. Denn Sinn und Zweck biblischer Geschichten und Worte ist es, dass wir die Wirklichkeit erschließen und kritisch hinterfragen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Die Bibel: Markus 9,24) Das ruft ein Mann Jesus zu, nachdem er ihn um Heilung seines an Epilepsie erkrankten Sohnes angefleht hatte. Jesus hatte ihn zunächst auf die eigenen Möglichkeiten verwiesen: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Darauf antwortet der Mann mit dem Satz, den zu bedenken 2020 mehr als angebracht ist: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Die Wirklichkeit von der Zukunft her verstehen

Diese Bitte ist nicht nur für Menschen von Bedeutung, die ihr Leben im christlichen Glauben verankert sehen. Denn Glaube und Unglaube sind nicht nur religiöse Kategorien. Unglaube bedeutet so viel wie: die Wirklichkeit allein aus sich heraus, also ohne Projektion der Gegenwart in die Zukunft, ohne Hoffnung auf Veränderung zu verstehen. Damit wird aber Wirklichkeit zu einer Art Gefängnis, zu einem Raum ohne Fenster, ohne Aussicht und Frischluftzufuhr. Unglaube offenbart sich aber auch da, wo wir Grundwerte des Lebens wie die Menschenwürde und Maßstäbe des Glaubens wie die zehn Gebote, die Nächsten- und Feindesliebe, die Barmherzigkeit und Gewaltlosigkeit der Opportunität preisgeben, ohne dabei irgendwelche Schuld zu empfinden oder ein Unrechtsbewusstsein zu entwickeln.

Von dieser Art Unglaube möchte der Mann befreit werden, um neue Möglichkeiten des Lebens zu erkennen. Er möchte daran glauben und darauf hoffen, dass Verwerfungen des Lebens behoben werden können – auch wenn alles dagegen spricht. Er möchte darauf vertrauen, dass die „bösen Geister“, die das gemeinschaftliche Leben vergiften und Politik zu Kurzschlusszuckungen verkommen lassen, ausfahren – wie aus dem Körper seines Sohnes. Sein Glaube und sein klarer Blick auf seinen Unglauben befähigten ihn zu beidem: die Wirklichkeit von der Zukunft her zu verstehen und keinen Moment die Grundwerte des Glaubens zu vernachlässigen. Es wäre viel gewonnen, wenn wir im neuen Jahr uns durch die Jahreslosung an diese beiden Denkbewegungen erinnern und unser Handeln danach ausrichten.

Der Text ist zuerst im Blog des Autors erschienen.

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