Bericht aus dem Wahlkampf

„Hallo, ich bin der Neue!“ Auf Vorstellungstour in Münster

Robert von Olberg16. Mai 2017
Bis zur Bundestagswahl am 24. September ist es noch lange hin. Die Termindichte sollte sich also bei mir noch in Grenzen halten. Wirklich? Nein, natürlich nicht! Denn gerade wenn man zum ersten Mal kandidiert, ist man gut beraten, nicht nur auf den kurzen Sprint in den letzten Wochen unmittelbar vor der Wahl zu setzen.

Anfang des Jahres habe ich rund 100 Organisationen, Einrichtungen, Verbände, Vereine und Unternehmen in Münster angeschrieben und ihnen angeboten, sie zu besuchen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mir geht es dabei um zweierlei: Natürlich will ich mich als „der Neue“ der SPD in Münster bekannt machen. Schließlich kennen unseren jetzigen Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer, der seit 2002 für Münster im Bundestag sitzt und mit dem Ende dieser Legislaturperiode in Berlin aufhört, naturgemäß deutlich mehr Menschen in unserer Stadt als mich, der erstmals für den Bundestag kandidiert.

Ein Abgeordneter muss wissen, wen er fragen kann

Aber genauso wichtig ist es mir, zentrale Akteurinnen und Akteure der Stadtgesellschaft und ihre Arbeit näher kennen zu lernen. Als Bundestagsabgeordneter muss man politischer Generalist sein. Die Themen wechseln schnell im Parlament. Und man will natürlich verstehen, worum es dabei geht und eine eigene Position beziehen. Das geht nur, wenn man auch weiß, an wen man sich mit seinen Fragen wenden kann. Wer einem helfen kann, anhand eigener Erfahrungen Auswirkungen und Hintergründe politischer Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen.

Die Rückmeldungen der Angeschriebenen kamen zahlreich und sie waren in den allermeisten Fällen sehr positiv. Also arbeite ich in diesen Wochen ein ordentliches Programm an Terminen ab. Und die Themen wechseln dabei munter hin und her. Habe ich mich dienstags noch mit einem Wohnungs-Unternehmer mit Schwerpunkt im sozialen Wohnungsbau darüber unterhalten, wie man Wohnen in unserer wachsenden Stadt für alle bezahlbar machen kann, geht es mittwochs bei der Rentenversicherung dann um die Stärkung der gesetzlichen Rente, Risiken für Altersarmut und die richtige Finanzierungsquelle der Mütterrenten.

Donnerstags höre ich mir an, welche Ansprüche die Landwirtinnen und Landwirte in unserer Stadt an die Politik haben und freitags besuche ich das Haus der Wohnungslosen und erfahre z.B., dass es gar keine bundeseinheitliche Statistik zum Thema Wohnungslosigkeit gibt, dass seit 2010 aber die Zahl der Wohnungslosen deutlich steigt.

Wenig Zeit, ein Buch in Ruhe zu lesen

Auch wenn die Inhalte dieser Gespräch schnell wechseln, so bleibt doch immer etwas hängen. Lange habe ich z.B. mit einem Vertreter eines Arbeitgeberverbands gesprochen. Dabei ging es auch um die Frage, welche wirtschaftliche Bedeutung öffentliche Investitionen haben. Er vertrat die Auffassung, ihre Bedeutung würde generell überschätzt. Beim nächsten Besuch in einer Buchhandlung – ich kann ja an keiner Buchhandlung vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen – fiel mir dann das Buch „Das Kapital des Staates“ einer italienisch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin in die Hände.

Sie zeigt in ihrem Buch, dass immer wieder staatliche Investitionen den Keim für auch ökonomisch sehr erfolgreiche spätere Innovationen gelegt haben. Das Buch hatte mir übrigens auch mein Chef schon einmal dringend ans Herz gelegt. Als Rektor einer Fachhochschule beschäftigt er sich ständig mit der Frage „Wie kommt das Neue in die Welt?“. Ich habe mir das Buch dann natürlich gekauft, um künftig noch besser gewappnet zu sein für solche Debatten wie die mit dem Arbeitgeber-Vertreter. Aber die nächsten Gesprächstermine z.B. bei den Johannitern, der Diakonie oder dem Jobcenter lassen wenig Zeit, um das Buch wirklich in aller Ruhe zu lesen.

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