Kita

Gute-Kita-Gesetz: In der Politik ist es wie im Kindergarten

Martin Kaysh02. November 2018
Rings um uns herum in Europa wird das Kita-Personal längst an Hochschulen ausgebildet. Hierzulande wäre man froh, wenn angehende Erzieherinnen wenigstens eine anständige Ausbildungsvergütung erhielten. Doch es gibt ja jetzt das Gute-Kita-Gesetz.

Das „Gute-Kita-Gesetz“, das Ding heißt wirklich so. Da denke ich: Gut, wenn Politiker endlich mal die Wähler in deren Sprache ansprechen wollen. – Dabei darf der heutige Kita-Besucher erst nach 2030 wählen gehen. „Gute-Kita“, so ähnlich heißen diese Badezusätze, die als Quengelware für Erwachsene im Supermarkt angeboten werden. „Alles wird gut“, „Entspannung pur“, „Abschalten“, das Fachbad für Freunde der Energiewende.

Der Niedergang der Kita ist unübersehbar

Mir rutscht immer noch das Wort „Kindergarten“ raus. Das hat einen Abstieg hinter sich, schlimmer als der Niedergang der großen Volksparteien. Kindergarten, da waren wir doch so stolz, dass es neben dem Blitzkrieg Eingang gefunden hat in andere Sprachen. Hierzulande, heutzutage kann ich mit dem Kindergarten treffend das Verhalten von großen Koalitionspartnern ­beschreiben.

Der Niedergang auch der Einrichtung selbst ist nicht zu übersehen. Einst war Deutschland in Sachen Frühpädagogik Weltmarktführer, heute kann der Exportweltmeister da kaum mehr mithalten. Deshalb sollten wir froh sein, dass es neben der schulischen PISA-Studie nicht auch eine Teita-Studie für die Kleinsten gibt.

Rings um uns herum in Europa wird das Kita-Personal längst an Hochschulen ausgebildet. Hierzulande wäre man froh, wenn angehende Erzieherinnen wenigstens eine anständige Ausbildungsvergütung erhielten. Warum sollte man andererseits das Personal für die ganz Kleinen besser qualifizieren, wenn anschließend in der Grundschule viele der Neueingestellten keine gelernten Lehrer mehr sind, sondern angelernte Bauingenieure oder Archäologen?

Früh fördern, nicht spät teuer reparieren

In Frankreich, las man neulich, kommt jetzt die Schulpflicht für Dreijährige. Was nicht heißt, dass dort jetzt frisch der Windel Entwachsene buchstabieren und multiplizieren sollen. Im Nachbarland hat man schlicht kapiert, dass man früh fördern muss, wenn man nicht später teuer reparieren will. Das sind einfach komplizierte, oder kompliziert einfache Gedanken. In Deutschland denken wir gerne schlicht. Wir mussten gefühlt gestern die Einführung der unsäglichen Herdprämie, dieser Förderung der Frühverblödung, erst vom Verfassungsgericht stoppen lassen.

Die SPD ist die Partei mit vielen Talenten, alle vier Jahre bringt sie einen neuen Kanzlerkandidaten hervor. Die CDU hat immer nur die Eine, die FDP hatte mal einen – erfolglos, die CSU auch – lange her. Einer der roten Bewerber hatte einen verdammt klugen Gedanken. (Natürlich hat jeder SPD-Kandidat jeden Tag mehr gute Gedanken, als das Land Wählergruppen.) Peer Steinbrück, der auf diesem Feld völlig Unterlobte, meinte, es könne sinnvoll sein, auf eine Kindergelderhöhung zu verzichten. Mit dem Geld ließe sich besser die kostenlose Kindertagesstätte für alle ermöglichen. Das war 2006. Und dann verloren wir Jahre etwa durch die Abschaffung des „Elternbeitragsdefizitausgleichverfahrens“. Da lobe ich mir das „Gute-Kita-Gesetz“.

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Kommentare

Was soll das denn bedeuten?

Es soll einen Zwang zum Kita Besuch geben? Kinder die zu Hause bleiben fallen der Frühverblödung anheim? Hochinteressant. Offensichtlich traut man den Eltern gar nichts mehr zu. Und was die Ausbildung angeht; mein Sohn macht gerade in RLP die Erzieherausbildung. Vier Jahre Schule ohne Vergütung. Ist quasi universitär. Heisst aber nicht so und wird später auch nicht so vergütet . Wer glaubt denn daran dass das besser wird, wenn statt einer Fachschule eine Fachhochschule besucht werden muss