Newsticker

Nach dem Finale

Schmidtner & Schulte16. Mai 2016
Die Ukraine hat mit Jamala den Eurovision Song Contest gewonnen und Deutschland unter der Federführung des NDR den letzten Platz belegt. Die Wellen schlagen mal wieder hoch - unser Newsticker zum Song-Contest in Stockholm mit einem Überblick der aktuellen Fragen und Diskussionen:

Hier geht es zu unseren Meldungen der vergangenen Woche: Eurovision-Newsletter Woche 1

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Sonntag, 15.5.: Nach-Gedanken

Der Eurovision Song Contest ist am Sonnabend zu Ende gegangen und wir gratulieren der Siegerin aus der Ukraine, Jamala, zu ihrem Song 1944!

Die Ukraine hat den Eurovision Song Contest gewonnen:

  • mit einem Song, der politisch aneckt, weil das in ihm besungene historische Verbrechen Stalins an den Krimtartaren nur allzu deutlich auch auf die Annexion der Krim durch Putin gehört und gedeutet werden kann;
  • mit einem Song, der nicht bei einer schwedischen Songwriter-Schmiede eingekauft, sondern von Jamala selbst geschrieben wurde;
  • mit einem Song, der sowohl mit höchster künstlerischer Note gesungen aber auch als Gesamtkunstwerk visuell perfekt in Szene gesetzt wurde (auch von einem Ukrainer übrigens);
  • mit einem Song, der zwar den Contest gewonnen hat, aber sich sicher anschließend nicht in den Charts wiederfinden wird;
  • mit einem Song, der weder im europaweiten Televoting noch in den europaweiten Ergebnissen der Jurys den ersten Platz belegt hat, sondern erst im Zusammenrechnen beider Ergebnisse an die erste Position gelangt ist.

Deutschland hat wie im Vorjahr den letzten Platz im Finale belegt:

  • mit einem Song, der von der Interpretin Jamie-Lee großartig und unanfechtbar gesungen wurde;
  • mit einem Song, der vom deutschen Televoting beim Vorentscheid gewählt worden war;
  • mit einem Song, der bereits vor dem deutschen Vorentscheid sich als untauglich für den ganz großen - oder zumindest einen kleinen Charterfolg herausgestellt hatte;
  • mit einem Song, dem dennoch noch eine Woche vor dem Contest von ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber und diversen NDR-Experten eine Platzierung in den Top-Ten vorhergesagt worden war.

Das Finale des Song Contests war eine Show der Superlative:

  • weil dank der Halbfinale eine Menge schwacher Beiträge zum Glück vorab aussortiert worden waren (vor allem aus dem sehr schleppenden ersten Halbfinale)
  • weil die musikalische Qualität zwar nicht aller Lieder extrem hoch, aber das Finale als Ganzes sicher eines der besten der vergangenen Jahre war
  • weil die schwedischen Gastgeber die Show höchst unterhaltsam mit viel Selbstironie und Witz und mit einem in seiner Unbedarftheit sehr rührenden humanistischen Anspruch präsentierten
  • weil es dank einem neuen System der Wertungspräsentation die schon immer vorhandene Diskrepanz zwischen Televoting und Jury-Voting für alle offensichtlich machte
  • weil es dank dieser Neuerung ein extrem spannender Krimi bis zum Schluss geblieben ist
  • weil es dank dem amerikanischen Superstar Justin Timberlake und seinen respektvollem Auftreten die weltgrößte Musik-Show auch global öffnete und bewies, dass ESC-Kompositionen schon lange nicht mehr in die Klamauk- oder Schrottkiste gehören, auch wenn die Süddeutsche dies mal eben so behauptet

Das Ergebnis bietet ärgerliche, überraschende und erfreuliche Erkenntnisse:

  • weil die Ergebnisse im Televoting mal wieder zeigen, dass die Masse der Europäer sich anderes wünscht als das Feuilleton. Mit Begeisterung werden Songs gewählt, die nirgendwo anecken und auch schon vor 10, 20 oder 30 Jahren präsentiert worden sein könnten (Italien 2015, Polen 2016)
  • weil allen Wettprognosen und Expertenvoraussagen zum Trotz der Song Contest seine eigenen Gesetze schreibt
  • weil das Ergebnis von zu vielen Seiten politisch instrumentalisiert wird
  • weil Ergebnisse entstehen, die kaum erklärbar sind und entweder Enttäuschung wie über Lettlands 15. Platz oder riesige Freude wie über Bulgariens 4. Platz auslösen
  • weil alle hinterher schreiben können, dass sie alles schon immer gewusst hätten
  • weil es zeigt, dass sich allein durch Propaganda, Show und Technik nichts gewinnen lässt, wenn das gewisse Etwas eben doch fehlt
  • weil es musikalische Entdeckungen bietet, die gängige Radio-Charts nicht abbilden können

Schweden und Stockholm waren extrem engagierte und größtenteils erfolgreiche Gastgeber

  • weil sie den Contest zu einem Fest der Fans gemacht haben, indem sie 2500 Akkreditierungen für den Euro-Club vergeben haben und ein riesiges Fan-Fest zum Finale in einer benachbarten Arena organisiert haben
  • weil sie trotz Terrorwarnung und hoher Sicherheitsstufe einem nie das Gefühl gaben, welches wir 2009 in Moskau oder 2012 in Baku erleben mussten, sondern fast durchweg freundliche und entspannt wirkende, extrem gut geschulte Sicherheitskräfte zum Einsatz gebracht haben
  • weil sie gezeigt haben, wie eine Stadt in Begeisterung geraten kann und der ESC doch nicht nur ein Event für seine schwule Fan-Community sein muss
  • weil sie trotz Eigenwerbung und Stolz immer den Song Contest in den Mittelpunkt stellten
  • weil wir uns selten so gut bei den Shows unterhalten haben

Ausblick international

  • Nach vier Jahren Song Contest im alten Kern-Europa findet der Song Contest nun wieder in einem ehemaligen Staat des Ostblocks mit ungeklärten politischen Verhältnissen statt. Alle, die schon immer gegen die ehemals neuen, aber inzwischen mehr als 20 Jahre alten Mitglieder der EBU Stellung bezogen haben, rufen jetzt wieder zum Boykott auf. Und jeder Fan muss in sich gehen und überlegen, ob und warum er nächstes Jahr in die Ukraine reisen wird.
    Natürlich hat die Ukraine Defizite bei den LGBT*-Rechten, aber sie hat keine explizit homophobe Gesetzgebung und es gibt immerhin politische Pläne für mehr Diskriminierungsschutz.
    Natürlich befindet sich die Ukraine in einem politisch-militärischen Konflikt, aber hilft dagegen ein Boykott?
    Natürlich gibt es auch in der Ukraine besorgniserregende nationale und rechte Kräfte, aber ernsthaft: kann ein Eurovision Song Contest denn noch irgendwo stattfinden? Österreich? Ungarn? Mazedonien? Polen?
    Nein, jede und jeder muss für sich überlegen, ob die kommunikative und völkerverständigende Kraft des Contests im Vordergrund stehen soll oder das konsequente Eintreten für bestimmte politische Positionen - und wir haben hier kein Patentrezept und für beide Positionen volles Verständnis.
    Anders als 2009 in Moskau und 2012 in Baku glauben wir nicht mehr, dass ein Contest politische Veränderung bringen kann oder demokratische Kräfte in einem Land zu stärken vermag. Dass dies nicht funktioniert, mussten wir selbst zweimal erleben. Aber noch immer bauen wir auf die Erfahrung, dass sich Kennenlernen und Miteinender reden und feiern entspannungsfördernd wirkt.
    Auch wir werden in uns gehen und prüfen, ob wir nächstes Jahr dabei sein werden.
  • Wird wird die EBU weiterhin den Anspruch aufrechterhalten, einen unpolitischen Wettbewerb abzuhalten? Wir sind entsetzt, dass man dies versucht hat, mit einer Flaggen-Politik durchzusetzen, auch wenn zurück gerudert wurde. Wir haben den Wettbewerb nie für unpolitisch gehalten, freuen uns sogar über inhaltlichen Anspruch in den Songs, aber wir sind gegen jede politische Instrumentalisierung. Und da hat die EBU in Aserbaidschan versagt und sie hat wieder versagt, als sie Armenien nach einer ungeheuerlichen Provokation nicht vom Wettbewerb ausgeschlossen hat. (siehe Newsticker unten). Wie wird sie das Dilemma im nächsten Jahr handhaben?
  • Was die Ausrichtung durch die Ukraine, die heute schon bekräftigt wurde, für den Contest bedeutet, bleibt abzuwarten. Wird er ein extrem kleines Event oder wird sich die Ukraine zur Ausrichtung hoffnungslos weiter verschulden?
  • Bedeutet der Sieg Jamalas, dass wir im nächsten Jahrgang mit einer Flut bedeutungsschwerer Balladen zu rechnen haben?
  • Die Auseinandersetzung Televoting versus Jury wird weiter eines der heftigst umstrittenen Themen bleiben. Allzu viele meinen, dass Televoting per se demokratisch sei. Dass es sehr gute Gründe auch für Jurys gibt - dies zu vertreten gilt zunehmend als nicht hinnehmbar. Sicher - die Jurys tun oft nichts für einen guten Ruf. Oft drängt sich der Eindruck von Korruption oder massiven Eigeninteressen auf. Doch ist ein System ohne Jurys wirklich ein besseres? In vielen Bereichen des täglichen Lebens erweist sich Experten-Mitwirkung als nötiges Korrektiv. In anderen Wettbewerben wie etwa im Filmbereich gibt es ausschließliche Jury-Entscheidungen.
    Wir selbst nehmen auch manch Jury-Wertung mit Befremden zur Kenntnis und wundern uns über Experten, die ihre Wertungsnotizen im Netz veröffentlichen oder nicht wissen, dass 12 die Höchstpunktzahl und 1 die niedrigste ist. Aber dennoch hängen wir an dem zweigeteilten System. Gerade mit der neuen Wertungspräsentation wird es durchschaubarer und transparenter - wir würden davon nicht sofort abrücken.

Ausblick national

  • die FAZ fordert Stefan Raab zurück, andere eine Pause vom ESC (letzteres eine eingeschnappte-Leberwurst-Reaktion, die irgendwie davon ausgeht, dass bei 42 Teilnehmer-Ländern Deutschland automatisch vorne sein müsste - ersteres verkennt die Tatsache, dass Stefan Raab zwar 2010/11 ein tolles und erfolgreiches Vorentscheid-Format etabliert, es aber durch die "Titelverteidigungs-Pläne" gleich selbst wieder unter die Erde gebracht hat. Außerdem hat er sich zwar zurückgezogen, aber sein Erbe mischt mit der Produktionsfirma Brainpool sehr wohl weiter mit im deutschen Vorentscheid)
  • der NDR hat nach wie vor kein Konzept und zeigt sich fast immer beratungsresistent. Selbstkritik ist ein Fremdwort. Noch letzte Woche kündigte Thomas Schreiber einen Platz 1-10 für Jamie-Lee an - so hätte man sie nicht ins offene Messer rennen lassen müssen. Die Platzierung hatte sich schon lange abgezeichnet, auch wenn wir selbst durchaus auf besseres gehofft hatten
  • wegen fehlender eigener Ideen überlässt man die Ausrichtung mehr oder weniger einem Plattenlabel, das seine ganz eigenen Interessen hat. Der NDR freut sich, überhaupt Kandidaten für einen Vorentscheid serviert zu bekommen und denkt gar nicht an eigene Kriterien und an Qualitätsprüfung. Warum glaubte man, einen Beitrag zum Vorentscheid annehmen zu müssen, der es  bereits vorher nicht in die Charts geschafft hat?
  • Dank einer hervorragenden Einschaltquote - der besten seit Lenas Sieg in Oslo - wird der NDR keineswegs daran denken, Korrekturen vorzunehmen
  • Zu groß ist inzwischen die sendereigene Zweitvermarktung des Events. Der Sender baut jährlich seine eigene Berichterstattung und seine Website eurovision.de aus und möchte die Berichterstattungs-Regie innerhalb der ARD behalten.

Viele Fragen bleiben offen - wir haben sie hier zu skizzieren versucht und warnen vor vorschnellen Urteilen und Lösungen. Und wir freuen uns, dass wir trotz aller Leidenschaft, mit der wir den Contest verfolgen, doch meistens im Blick behalten, was er ist: eine Unterhaltungsshow und ein Wettbewerb!

In diesem Sinne zum Ende unser Highlight der Finalshow: Was macht einen Song zum Siegertitel beim ESC:

 

 

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Freitag, 17:45h

Heute verbrachten wir einige Zeit im EuroCafé und lernten eine junge Stockholmer Familie kennen. Da wir für heute Abend Tickets zum Jury-Finale hatten, die wir nicht brauchen, fragten wir, ob sie denn zum Finale gingen? Nein, Finaltickets hatten sie leider keine bekommen. Ob sie denn unsere 2 Sitzplätze nutzen wollen, fragten wir weiter. Der junge Vater, der wohl keine so ganz große Affinität zum ESC hat, war etwas begriffsstutzig und dachte, heute Abend wäre doch gar nichts - seine Frau dagegen rutschte schon unruhig auf ihrem Platz hin und her und schüttelte nur den Kopf über ihren Gatten.

Als wir dann unsere Tickets zu ihnen hinüberreichten, konnten sie es kaum glauben. Unsere beiden Begleiter von der Ottawa Sun hatten jedoch zwei Stehtickets für den Innenraum anzubieten. Da schob sie uns mit einem entschlossenen "Sorry" unsere Sitzplätze zurück und entschied sich für das bessere Angebot. Marc reagierte etwas pikiert, doch dann kam der Ehemann auf Touren und meinte: "Ich hab da ja eine Schwiegermutter, der habe ich schon einen Enkel geschenkt, aber ich glaube, dass ich das heute noch toppen kann!" Außerdem könne er dann in Ruhe Fußball sehen!

So leicht sind Stockholmer glücklich zu machen! Und so haben auch Hetero-Männer auch einen Nutzen vom ESC!

 

Freitag, 16:00h

Heute durften wir ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus treffen und ihn gemeinsam mit Kollegen der Ottawa Sun zu seiner neuen Mamma-Mia-Party, zum Song Contest und zum Erstarken des Extremismus in Europa befragen.
Das vollständige Interview in Kürze...nach dem Song Contest.

 

Freitag, 13.5. - Die Startreihenfolge im Finale

Noch in der Nacht veröffentlichte die EBU die Startreihenfolge für das Finale. In der Pressekonferenz der Sieger des zweiten Semis wurden zum letzten Mal die Positionen in der ersten oder zweiten Hälfte des Finales ausgelost und danach hieß es für die schwedischen Ausrichter in Zusammenarbeit mit der EBU eine Startreihenfolge zu basteln. Dabei sollen Gesichtspunkte berücksichtigt werden, wie für das TV-Publikum die Show am abwechslungsreichsten (keinen Block von Power-Balladen) oder spannungshaltensten (Favoriten nicht alle am Anfang) zusammengestellt werden könnte. Auch technische Gesichtspunkte (Zeit für die nötigen Um- und Aufbauten auf der Bühne) sollen hierbei eingeplant werden.

Eine eigentlich viel zu verantwortungsvolle Aufgabe, aber die Zeit lässt sich hier nicht zurückdrehen zum alten fairen Losverfahren...leider.
Denn gerade heute hätten wir beispielsweise nicht entscheiden wollen, wohin mit Russland und der Ukraine. Doch die Entscheidung ist gefallen und sieht folgendermaßen aus:

1. Belgien: Laura Tesoro – “What's The Pressure"
2. Tschechische Republik: Gabriela Gunčíková - "I Stand"
3. Niederlande: Douwe Bob - "Slow Down"
4. Aserbaidschan: Samra Rahimli - "Miracle"
5. Ungarn: Freddie - "Pioneer"
6. Italien: Francesca Michielin - "No Degree Of Separation"
7. Israel: Hovi Star - "Made Of Stars"
8. Bulgarien: Poli Genova - "If Love Was A Crime"
9. Schweden: Frans – “If I Were Sorry"
10. Deutschland: Jamie-Lee - "Ghost"
11. Frankreich: Amir - "J'ai cherché"
12. Polen: Michał Szpak - "Colour Of Your Life"
13. Australien: Dami Im - "Sound Of Silence"
14. Zypern: Minus One - "Alter Ego"
15. Serbien: Sanja Vučič - "Goodbye (Shelter)"
16. Litauen: Donny Montell - "I've Been Waiting For This Night"
17. Kroatien: Nina Kraljić - "Lighthouse"
18. Russland: Sergey Lazarev - "You Are The Only One"
19. Spanien: Barei - "Say Yay!"
20. Lettland: Justs - "Heartbeat"
21. Ukraine: Jamala - "1944"
22. Malta: Ira Losco - "Walk On Water"
23. Georgien: Young Georgian Lolitaz - "Midnight Gold"
24. Österreich: Zoë - "Loin d'ici"
25. Großbritannien: Joe and Jake - "You're Not Alone"
26. Armenien: Iveta Mukuchyan - "Love Wave"

Jamie-Lee steckt auf Platz 10 zwischen zwei Top-Favoriten: Frankreich und Schweden. Nicht gerade eine Traumposition! Armenien wird nach seinem eklatanten Regelverstoß (siehe unten) mit dem letzten Startplatz belohnt. Freuen dürfte sich die Österreicherin Zoë - dagegen wundern wir uns über die Nachbarschaft von Polen und Australien direkt hintereinander.
Aber halten wir uns damit nicht auf - es ist die Reihenfolge, mit der wir leben müssen!

Freitag, 13.5. - Jamie-Lees erster Auftritt vor Publikum

Jamie-Lees Auftritt im Juryfinale zum zweiten Semi am Mittwochabend, aus dem der im Semifinale gezeigte kurze Einspieler entnommen worden war, ist nun in voller Länge auf Youtube. Enemso die Auftritte der 5 anderen vorab gesetzten Finalistinnen und Finalisten:

Freitag, 13.5. - Nach den Semis ist vor dem Finale

Ein großartiges zweites Semifinale entschädigte gestern Abend für viel Langeweile im ersten. Wir hatten 9 der 10 gestern gewählten Finalisten richtig getippt und hatten wie selten zuvor bei einem der Wettbewerbe das Gefühl, dass Europas Jurys und Televoter hier mal unabhängig von Ländernachbarschaften und Traditionen wirklich die besten Songs ins Finale befördert haben.

Australien hat sich mit seinem gestrigen Auftritt nun vollends in den Kampf um den ESC-Titel mit eingeschalten und überhaupt haben moderne und zeitgemäße Nummern vor verstaubten und wiederaufgewärmten Altbackenem gesiegt.
Und der Einzug Georgiens - ohne Beteiligung der nicht in diesem Semi vertretenen Nachbarländer - beweist, das der Song Contest durchaus auch für musikalische Vielfalt stehen kann. Unter den Finalisten fanden sich Dancefloor- und Uptempo-Nummern wie Belgien, Lettland, Litauen und Bulgarien, modern aufgearbeitete von Folklore und Tradition beeinflusste Kompositionen wie die von Serbien und natürlich aus der Ukraine, aber auch zeitlose Balladen wie aus Polen, Australien und dem wunderbaren Hovi Star aus Israel.

Das Finale erreichten: Lettland, Georgien, Bulgarien, Australien, die Ukraine, Serbien, Polen, Israel, Litauen und Belgien.

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Fundstück: Schweden zeigt Flagge

Nicht nur dass halb Stockholm mit Eurovisions-Flaggen bestückt wurde, man hat sich bei der schwedischen Post anscheinend zu einer sehr zielgruppen-orientierten Briefmarke entschlossen und letzte Woche punktlich zum Song Contest eine Regenbogen-Briefmarke herausgegeben.

Bei der sehr schönen, großen und auffälligen Marke handelt es sich jedoch nicht um eine begrenzte Sondermarke, sondern um eine reguläre Dauermarke der schwedischen Post. Sie kann für Briefe im schwedischen Inland ebenso verwendet werden wie (bei doppeltem Aufkleben) für Postkarten und Briefe ins Ausland.

Also: mal wieder eine Postkarte statt nur Handy-Selfies nach Hause schicken! Eingeschmissen werden kann sie dann unter anderem in einen der Regenbogen.Briefkästen, von denen mehrere in der Innenstadt aufgestellt wurden; einer vor dem Königlichen Stadtschloss.

Donnerstag, 12.5., 17:30h - Sergey Lazarev bleibt in den Schlagzeilen

Nachdem gerade erst die Enttäuschung über das Herumeiern des russischen Favoriten zu Fragen der Situatuin von LGBT*s in Russland bei seiner Pressekonferenz von Dienstag Nacht etwas verklungen ist (siehe unten), gerät er erneut in die Schlagzeilen. Diesmal aber anscheinend aus einer anderen Richtung. Seine Linientreue von vorgestern scheint ihm bei den Kreml-treuen Medien doch nicht viel genutzt zu haben, wurde jetzt doch ein zwei Jahre altes Video lanciert, wie eurovision.de berichtet, in dem Lazarev die Krim als nicht zu Russland gehörig bezeichnet.

Was für den Rest der Welt eine simple Wahrheit ist, macht ihn nun in den Augen russischer Hardliner anscheinend verdächtig. "Soll er doch gewinnen, dann werden wir den nächsten Eurovision Song Contest auf der Krim veranstalten" wird ein Kommentar zu dem Video, das ein Journalist der Komsomoljskaja Prawda jetzt erneut veröffentlicht hat, auf eurovision.de zitiert. Er soll nach dem Interview bereits den Unmut des für seine Homophobie und seinen Nationalismus bekannten St. Petersburger Stadtverordneten Vitali Milonow auf sich gezogen haben. Dieser soll als Antwort auf das Interview getwittert haben: "Ab jetzt kann er [Sergey Lazarev] nur noch in seinem Klo singen."

Damit hatte Milinow erwiesenermaßen daneben gelegen. Sergey singt keineswegs nur auf dem Klo, sondern als Favorit beim Song Contest.

Obwohl die Meldung zeigt, wie sehr der Sänger für Russlands Interessen instrumentalisiert wird und wie schwer es auch Künstler in Russland haben, wenn sie ins Visier der Kreml-Presse geraten, so ist dies doch nur ein weiterer Beleg für eine - vorsichtig ausgedrückt - notwendige Skepsis gegen einen erneuten Song Contest in Russland.

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Mittwoch, 18:00h - Dafür lieben wir ihn:

Mittwoch, 17:45h - Flagge Zeigen: ein Fundstück von gestern Abend aus einer Facebook-Gruppe

Mittwoch, 17:30h

Die EBU ist konsequent und entscheidungsstark wie immer. Sie betont die Schwere des Regelverstoßes der armenischen Delegation (siehe unten) und spricht auf dem nächsten Treffen der Reference Group eine Geldstrafe aus. Und ab jetzt werde man "Null Toleranz" gegenüber der armenischen Delegation zeigen...bei einem weiteren Verstoß könne sogar eine Disqualifikation erfolgen. Aha.

Allerdings sollten wir auch erwähnen, dass von aserischer Seite heute etliche Postings in den sozialen Netzwerken mit wüsten Beschimpfungen und homophoben Angriffen auf Armeniens Sängerin und Armenier im Generellen auch keineswegs von friedvollem Geist beseelt waren. Aber das waren keine offiziellen Statements einer teilnehmenden Delegation!

Mittwoch, 15:45h

Unser Kollege von aufrechtgehn.de machte uns auf einen Artikel aufmerksam, wonach die EBU eigentlich bereits entschieden habe, Armenien nicht aus dem Wettbewerb zu disqualifizieren. Sietse Bakker wird zitiert mit den Worten: "We will talk with the Armenian delegation to find out what happened. But we will not remove them from the competition."

Mittwoch, 15:30h

Justs aus Lettland kann auch Klavier:

Mittwoch, 14:00h

Wie vermutet, muss sich die EBU mit der Causa Armenien beschäftigen. Wegen des Zeigens der Flagge von Berg-Karabach werde man heute Nachmittag die armenische Delegation treffen, heißt es in einer eben verbreiteten verklausulierten Meldung:

Mittwoch, 11.5., 13:45h: Wir müssen leider draußen bleiben

Gerade lesen wir in einem befreundeten Fan-Blog den kurzweiligen Bericht über den Empfang des deutschen Botschafters für Jamie-Lee am gestrigen Mittwoch und freuen uns für die drei geladenen Kollegen über den entspannenden Nachmittag.

Dennoch wundern wir uns, dass eine der traditionsreichsten Zeitungen Deutschlands, der Vorwärts, zu einem solchen, vom Vertreter der Bundesregierung hier in Stockholm veranstalteten und somit mindestens gesellschafts-politischen Veranstaltung nicht geladen wurde. Bereits in vergangenen Jahren gab es nur noch eine Einladung pro Medium, aus Platzgründen durchaus verständlich - diesmal jedoch waren wir gänzlich ausgeschlossen: unverständlich!

 

Justin freut sich:

Die Meldung vorgestern machte Furore. Kurzzeitig konnte man meinen, es gäbe nichts wichtigeres, aber es war natürlich schon ein Coup der schwedischen Veranstalter. Wir verstehen manche Kritiker durchaus: Muss man alles "amerikanisieren"? Haben "wir" selbst nichts vorzuweisen.

Abgesehen davon, dass wir im Finale einiges vorzuweisen haben werden, ist klar: Die Schweden nutzen ihre Chance, neben guten Quoten Publicity für ihre Musikindustrie zu machen. Deutschland hat dies 2011 im Intervall-Akt mit Jan Delay ebenso gehandhabt, wenn auch mit weniger Erfolg.
Auch fragen wir uns, wenn alle das Eigene präsentieren sollen, warum kaufen dann so viele teilnehmenden Länder ihre Songs in Schweden ein?
Soll aus dem Contest ein World Contest werden? - Nein, die Live-Übertragung auf einem amerikanischen Sender mit LGBT*-Zielpublikum und die Teilnahme Justin Timberlakes holt noch nicht die USA in den Wettbewerb. Die EBU will Quoten und macht dafür alles richtig. Über eine US-Teilnahme spricht niemand und sie ist nicht geplant.

Man kann darüber sicher weiter diskutieren, aber dem Song Contest wird es nicht schaden und die Zuschauer sicher gut unterhalten. Wir sehen es gelassen und freuen uns auf gute Unterhaltung.

Armenien provoziert

Eine neue Variante in der Diskussion um den Flaggenstreit lieferte gestern Armenien. Während eines Schnelldurchlaufs schwenkte Iveta Mukuchyan im Green Romm eine Flagge der zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittenen Region Berg-Karabach. Erst im April war der seit mehr als 20 Jahren offene Konflikt erneut militärisch aufgeflammt. 

Das dürfte weder der von der EBU propagierten "unpolitischen Natur" mitgebrachter Flaggen noch den Statuten entsprechen, wonach sich die Sängerinnen und Sänger politischer Parteinehme während des Contests zu enthalten haben. In den sozialen Medien tobt schon die Wut auf aserischer Seite und eine offizielle Beschwerde der Delegation bei der EBU dürfte kaum ausbleiben.

Bereits in der Pressekonferenz gestern Nacht wurde Iveta Mukuchyan daraufhin angesprochen - "Liebe zu ihrem Mutterland" sei ihre Motivation gewesen und sie wolle "Frieden"  rechtfertigte sie ihre Aktion.

Fortsetzung folgt bestimmt...
 

Favorit Russland?

Eine der wenigen substanziellen Fragen wurde Russlands Vertreter Sergey Lazarev heute Nacht auf der Pressekonferenz der Finalisten gestellt - was schwule Eurovisions-Reisende bei einem Sieg Russlands nächstes Jahr zu erwarten hätten. Und Sergey eierte er bei der Beantwortung und schloss sich der offiziellen Linie an.

Wir können uns immer nur wundern, wie 2009 im Nachhinein schön geredet wird. Immerhin waren wir vor Ort und haben mitbekommen, wie Eier gegen schwule ESC-Fans geworfen wurden und Hunderte von Milizionären die Stadt am Tag des Finales aus Angst vor einer Schwulendemo abgeriegelt hatten. Nein, an diesem Tag hatten wir uns weder willkommen noch sicher gefühlt - auch kostenlose Drinks im Euro-Club und überquellende Buffets können diese Erinnerung nicht auslöschen, auch wenn es natürlich stimmt, dass angepasste Schwule sich in Moskau durchaus mit dem Alltag arrangieren können.
Queer.de liefert zu diesem Thema heute einen großartigen Hintergrundbericht:

Mittwoch, 11.5. - Nach dem ersten Semifinale

Das erste Semifinale ist vorüber und wir müssen mal wieder feststellen, dass mit den Jahren an Erfahrung unsere Prognosen leider stagnieren - mit 8 von 10 richtig getippten Finalisten müssen wir uns sicher nicht verstecken, aber darüber kommen wir irgendwie anscheinend nie hinaus...aber wäre das so, würden wir vermutlich eher bei einem Wettbüro arbeiten...

Ins Finale haben es geschafft: Aserbaidschan, Russland, die Niederlande, Ungarn, Kroatien (von uns nicht getippt), Österreich, Armenien, Tschechien, Zypern und Malta (von uns nicht getippt).

Bei Kroatien, das von Anfang an eine Favoritenrolle innehatte, hatten wir uns von der Inszenierung abschrecken lassen und bei Malta eventuell unseren eigenen Geschmack zu viel Raum gelassen.
Über das Weiterkommen Aserbaidschans allerdings, das zwar vorhersehbar war, aber keineswegs verständlich, herrscht hier vor Ort die meiste Verwunderung und wir fragen uns mit vielen: hat Samra geblufft bei den Proben oder aber im gestrigen Halbfinale ihr Mikrophon zugunsten der Backings einfach heruntergedreht wurde?

Aber nach dem Semi ist vor dem Semi, darum wollen wir uns damit nicht länger aufhalten, nur noch die anschließend an die Show ausgeloste Zuteilung der Startplätze in die vordere, bzw. hintere Hälfte des Finales am Samstag mitteilen (der genaue Startplatz wird von den schwedischen Produzenten der Show am Freitag mitgeteilt werden):

Vordere Hälfte des Finales: (bereits feststehend: Schweden auf Startplatz 9, Deutschland, Italien und Frankreich): Aserbaidschan, Niederlande, Tschechien und Ungarn
Hintere Hälfte des Finales: (bisher: Großbritannien und Spanien), Armenien, Kroatien, Malta, Österreich, Russland und Zypern

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Montag, 16:15h Die Proben der Finalisten
Über die zweiten Proben der BIG5 und Schweden haben wir hier im Ticker gestern nicht berichtet, sondern lediglich auf unserem Facebook-Blog. Deshalb hier noch ganz kurz:
Frankreich hat enttäuscht. Der Fan-Favorit ist schlecht inszeniert und kommt nicht gut rüber. Er wird seine Position im Kampf um den Titel nicht halten können. Frankreich startet noch dazu in der ersten Hälfte des Finales - nicht günstig für Amir.

England hat das Los für die zweite Hälfte gezogen, aber ob das reicht, um die beiden engagierten Sänger nach vorne zu bringen? Wohl kaum. Sie könnten mal wieder wie der Rest der Insel enttäuscht werden, was sich auf das Europa-Referendum bestimmt nicht gut auswirken wird. Aber so ganz stark sind ihre Stimmen nicht und so sympathisch sie wirken, so schnell könnte ihr Song vergessen werden.

Italien hat leider an der wunderschönen Inszenierung Änderungen vorgenommen - schade. Noch dazu starten sie auch am Anfang. Schade für Francesca. Schön, dass sie mit einem in den Regenbogenfarben getapten Mikrophon ihr politisches Statement vom San Remo Festival wiederholt - dort war dies Zeichen einer Kampagne für die Homo-Ehe in Italien.

Spanien hat Glück und startet in der zweiten Hälfte. Barei überzeugt durch schwungvollen Pop. Die Inszenierung ist umstritten. Aber wir mögen sie und sind angetan, dass sie stimmlich nicht daneben lag. Das war vor einem Monat noch keineswegs gewiss.

Schweden startet auf Platz 9. Die Inszenierung ist perfekt und es soll noch eine interaktive Überraschung geben. Genial, wie die Schweden die riesige Bühne ignorieren, einfach eine kleine Wand aufstellen und gewissermaßen eine Studiobühne für den kleinen Sänger improvisieren, die ihn voll und ganz zur Geltung bringt!

Jamie-Lee läuft leider immer noch den langen Weg zur Satelliten-Bühne. Und die Stimme ist bisher nicht so berührend, gleichzeitig brüchig wie stark, wie beim deutschen Vorentscheid. Dass sie auch für die erste Hälfte gelost wurde, dürfte bei ihrem Song nicht so entscheidend sein. Die deutschen Fans und auch wir sind irritiert, dass sie bisher sehr weit hinten eingestuft wird - aber entschieden wird eh erst am Samstag!

Insgesamt finden wir, dass auch, wenn sich dies nicht in entsprechend guten Position widerspiegeln wird, die BIG 5 sich in diesem Jahr nicht zu verstecken brauchen. Sie alle haben gute Songs, die auf dem westeuropäischen Markt gut ankommen können. Zudem versuchen alle, durch den Song und nicht durch Inszenierung und Technik zu trumpfen. Darüber sind wir persönlich sehr angetan!
 

Montag, 15:35h - US goes Eurovision
Das ist schon die Meldung des Tages: Nachdem der ESC zum ersten Mal in die USA live ausgestrahlt wird, interessieren sich nun auch US-Stars für die Publicity des Contests.

Wie die EBU soeben vermeldet, wird Justin Timberlake den Intervall-Akt des ESC-Finales mit der Präsentation seines Songs CAN’T STOP THE FEELING! bestreiten. Zwei schwedische Songwriter sind seine Co-Autoren des Songs.

Natürlich werden die Wellen hochschlagen - was hat er mit dem Song Contest zu tun? Soll es bald kein europäischer Wettbewerb mehr sein? Aber die EBU weiß eben, wie man Quoten noch steigert und sowohl die Diskussionen als auch seine Teilnahme sind die beste Werbung für das Event!

Montag, 15:00h: Roter Teppich für den ESC
Am gestrigen Abend wurde der Song Contest offiziell eröffnet. Etwas kurios diesmal, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zum Roten Teppich gefahren, der zwischen Königlichen Schloss und Euro-Club ausgelegt war, schritten die 95 Meter ab, um rechts die Fans zu begrüßen und links die Presse zu befriedigen - und dann am Ende des Teppichs wieder in Busse oder Autos verladen, um im Rathaus der Stadt Stockholm offiziell begrüßt zu werden.

Letzteres dann als kleine intime Veranstaltung für geladene Gäste und die Delegationen - ersteres aber unter großer Aufmerksamkeit der angereisten Fans und der Eurovisions-hungrigen Schweden.

Das schwedische Fernsehen übertrug den Aufmarsch live, nacheinander wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer angekündigt, ein Ausschnitt aus ihrem Lied angespielt und dann von der Moderatorin und dem Moderator, die schon die Pressekonferenzen geleitet hatten, um nützliches Schweden relevantes Wissen ergänzt, zum Beispiel dass bei etlichen Songs schwedische Songwriter beteiligt sind.

Unterschiedlich enthusiastisch absolvierten alle den Weg auf dem Teppich - es wurden Selfies mit Fans geschossen und nach Mikrophonen Ausschau gehalten. Australien, Russland und Island waren auf der Jagd nach einem Geschwindigkeitsrekord und sausten schnell überall vorbei. Über die isländische Teilnehmerin wurde bereits vorab aus der Delegation gemunkelt, dass sie keine Interviews mit Journalisten führen würde - angeblich weil sie nicht so gerne reden würde und an so viel Presse nicht gewöhnt sei.
Am Abend zuvor jedoch war sie Gast in einer Theateraufführung ihrer Kollegin Hera Björk (Island 2010) zu Besuch, wo sie keineswegs einen unkommunikativen Eindruck hinterließ, sondern sich einen theatralischen Zickenkrieg mit Hera lieferte. Aber sie steht wohl etwas unter Beschuss der isländischen Presse und wurde wohl systematisch abgeschirmt - gut für die Fans, die dafür umso mehr von ihr hatten.

Ganz anders ZOË, die Vertreterin unserer österreichischen Nachbarn, die eh immer und überall ihren Charme versprüht und als letzte auf dem Teppich einfach die Versuche ihres Delegationsleiters ignorierte, sie zur Eile anzutreiben und mit Freude allen Rede und Antwort stand sowie ihr Kleid präsentierte.

Zu einer surrealen Situation kam es, als irgendwann Armenien und Aserbaidschan, die in diesem Jahr auch noch beide im ersten Semifinale gelandet sind, auf dem Teppich auf gleicher Höhe fast aufeinander prallten. Natürlich wollte keine der beiden Delegation den Platz räumen und so arbeiteten sie sich Meter um Meter vorwärts, immer bedacht, sich zu ignorieren und die Seite Fans zu Presse oder umgekehrt immer dann zu wechseln, wenn die Konkurrentin zu nahe kam. Fast komische Auswüchse eines mehr als 20jährigen Konflikts, der leider in Wirklichkeit  auswegslos und traurig ist - zumal für zwei Länder im gemeinsamen Musik-Wettbewerb!

Jamie-Lee hatte so gar nichts vom kleinen Mädchen, dessen Image sie auf der Bühne verkörpert. Sie beantwortete Fragen geduldig, nein eher leidenschaftlich, war las "Veganerin und engagierte Tierrechtlerin" vorgestellt wurde, musste aber natürlich viel zu ihrem Outfit und ihren Song erklären.

Insgesamt verlief die Zeremonie erstaunlich leichtfüßig und charmant. Die Akteure hatten alle deutlich gute Laune und präsentierten sich ungewohnt entspannt. Hier noch ein paar optische Eindrücke:

Nach dem Empfang im Rathaus kamen viele der Delegationen zurück in den Euro-Club, wo die Eröffnungsparty stieg: Auf dem Dance-Floor die Fans, auf der Empore der VIP-Bereich...von wo die Akteure dann gerne mal hinab winkten, wenn die eigenen Songs gespielt wurden oder aber natürlich auch die Bühne nutzten, um für ihren Song zu werben.
Hier freut sich der australische DJ Alan Tubery über die Reaktion auf Damis Song:

Montag, 14:00
Gut, dass die Moderator_Innen richtig zählen können: Noch 1 Tag bis zum ersten Semifinale!

Montag, 12:00h
Sieben Tage wurde in der vergangenen Woche geprobt, gestern fand das offizielle 'Grand Opening' des Song Contests statt und jede Menge neuer Fans sind in der Stadt eingetroffen, die voll und ganz im Zeichen des Events sthet - das bedeutet einerseits jede Menge aufgeregter Gesichter und Menschen mit Badges und Logo-Taschen in den U-Bahnen, es bedeutet aber auch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, die von den Schweden jedoch sehr unaufdringlich durchgeführt werden. Englisch sprechende Polizistinnen und Polizisten in freundlichen gelben Westen überall, ein Polizeiboot, das vor dem Euro-Club (die abendliche Veranstaltungs-Location für Delegationen und Fans) auf und abfährt und jede Menge zielgruppen-orientierte Werbung wie die Fenster eines großen Kaufhauses in Stockholm, das die bisherigen schwedischen Siegerinnen und Sieger mit jeweils einer Fensterdekoration ehrt.

Und ein sich langsam füllendes Pressezentrum, in dem die beiden Vorwärts-Blogger wieder bei der Arbeit sitzen, nachdem am Wochenende erst mal viel Material gesammelt wurde:

Montag, 9.Mai, 12:00h
Zu Beginn der gestrigen offiziellen ESC-Eröffnung zelebrierten die Traditionsbewussten Schweden eine Flaggenzeremonie zwischen dem Königlichen Schloss und dem Euro-Club:

 

Zwei Tipps für alle, die noch mit dem Song Contest fremdeln oder begeisterte Fans sind:
Im vergangenen Jahr in Wien fand der 60. ESC statt - mit der Ausgabe hier in Stockhol vollendet der Contest sein 60. Lebensjahr. Grund genug, nochmal ein Jubiläum zu feiern und Grund genug für zwei sehr unterschiedliche und sehr lesenwerte Bücher zur Geschichte des weltweit größten Musik-Events:

 
 

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weiterführender Artikel

Kommentare

ohne die leistung der

ohne die leistung der siegerin schmälern zu wollen: viel " spass" beim rechten sektor in der ukraine nächstes jahr: es wird eine furchtbare nationalistische veranstaltung in Kiew werden; und da ist es leider egal, dass die menschen aus beiden ländern ( ukr + rus) den jeweils anderen song gewählt hatten: ukr wird im hinblick auf den gedanken des esc eine katastrophe bzw. schön geredet werden